Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 6/7 - Juni/Juli (6.1926)
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 89 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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er s e dennoch nicht. Möge jeder von uns kraf seiner Uebe'rzeugung die gegnerische Ansicht zu t ekämpfen suchen. Glaubt er das nicht erreich en zu können, ohne daß er auch den Gegner persönlich angreift, so möge er wenigstens des Wortes eingedenk sein: »Suche einen guten Tod für ihh aus«. Jür schone des Gegners menschliche Ehre und Wörde und vergesse auch im Streite niemals des Schriftverses: »Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst«,. Gewiß, ich weiß es sjehr wohl, es gibt viele der Edelsten und Bestien in unserer Mitte, die dort nicht wiederzuefkennen sind, wo sie im Kampfe stehen für das, was ihnen heilig ist. So liebreich sie sonst sind; | hier leitet sie nur Gehässigkeit und Unduldsamkeit. Die, die sonst die liebreichsten sind* i sind hier oft die fanatischsten. Ja, man konnie bisweilen glauben, mancher wolle zeigen, daß Idas Qesamtmaß an Menschenliebe, über das er verfügt, nicht größer ist als das durchschnittliche. ber eine verteilt dieses auf verschiedene Stellen; der andere gibt es aus an der eineii, und alle dunkeln Instinkte des Hasses tobeji sich hemmungslos aus, da, wo es der Sache gilt, die zu fördern ihm am'Herzen liegt. ■Ich Widerstehe der Versuchung, Beispiele anzuführen und will niemanden beschämen. Je älter ich werde und je mehr ich in die Quellenschriften des Judentums eindringe, umso tiefer erfasse ich das, was Hillel gemeint hat. Ich glaube heute mehr als je, daß es keinen anderen Weg gibt, die Menschen dem Judentum zu nähern, als den, daß man das Wort bewahrheitet: Liebe die Geschöpfe und führe sie zür Lehre.« Und so fasse ich meine Mahnung in das Wort zusammen: Mehr Liebe im Kampf! Solange es dem Orden nicht gelingt, uns : o zu beeinflussen, daß' wir auch außerhalb unserer Loge, wo wir auch stehen und wofür wir auch eintreten, das Wort wahr machen, in W. B. u. E., hat er seine erzieherische Wirkung nicht getan und sein Ziel noch nicht von fertie ■sn uns erreicht. j ' * . | * * Br. Gemeinderabbiner Df. Vogelstein-Breslau: Zur Entgiftung der innerjüdischen Kämpfe. Seit Jahrzehnten wird im deutschen Judentum mifl Recht darüber geklagt, daß die Austragung de- Meinungsverschiedenheiten im jüdischen öflentliehen Lebefn vielfach in einer Form erfolgt, dir gar zu sehr an die häßlichen Ausartungen depolitischen Kämpfe erinnert.'- Es ist an sich schon recht|heikel, daß in Fragen des religiösen Lepens überhaupt Kämpfe geführt ] wert en. Religion und religiöse Ueberzeugung ist dasA ter- -persönlichste und darum etwas, was .sich von Gi und aus anders abspielen müßte als das politische Leben. Aber die religiöse Gemeinde soll der Zusammenschluß der auf gleicher feligiösen* Giundlage stehenden Individuen sein. Wollte man Kämpfe vermeiden, so müßte man folgerichtig dazu gellangen, anstelle unserer jetzigen Zwangsgemeinden freie Gemeinden tu bilden, in denen sieh diejenigen zusammenschließen, die in lerhalb derselben Religionsgemeinschaft ßen gleichen Standpunkt vertreten. Nach,Lage der Verhältnisse! in Deutschland kommt eine derarige Lösung für absehbare Zeit nicht in Be-* (rächt. Sie würde gegenwärtig audh zweifellos eiie schwere Schädigung der jüdischen Gesi imtinteressen bedeuten. So ist es unvermeidlich, daß innerhalb der jüdischen Gediemdendie JV einungsver schiedenheiten zum Aus trag kommen. Das Problem wird noch komplizierter und wiederum einfacher dadurch, ‘ dah. eine Pirtei in i deutschen Judentum die gesamten Angele genheiten nicht lediglich unter religiösen, son iern unter jüdisch-politischen Gesichtspunkten betr ichtet. Dem Z ipnismüs in seinen verschied« inen R chtungenj ist'das Religiöse im Judentum nur eine Seite [des jüdisch-nationalen-Lebens. . Die rein religiösjen (Parteien stehen dieser Anschauung ablehnend gegenüber, und so ergibt sich, daß de Kämpfe zunächst um die Frage'geührt werden, ob das nationale oder; das religiöse Moment djas entscheidende und maßgebende sein soll. Di durch erhalten, die.’ Meinung 5Verschiedenheiten von vornherein ejinen stark poli isch gefärblen Charakter. - Aber trotzdem werden die besonnenen Elemente in allen Parteien sich in dem Wünsche begegnen, daß diese Meinungsverschiedenheiten in vornehmem Tone, nicht in 'demagogischer V/eise, sondern in dem Bewußtsein aüsgettagen* v 'erden, ds ß bei aller Differenz] iVn einzt Inen wir alle ein Ziel im Auge häbeh, daß aUe Kämpfe ge utirt wrerden sollen un<j( müssen nicht gegen den Feind, sondern mit dein in manchen - 89