Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 6/7 - Juni/Juli (6.1926)
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 87 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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würde proklamiert. Und das geschah um so lauter und eindringlicher, je mehr sich inzwischen die Verhältnisse in den Groägemeinden gebessert hajten, je bereitwilliger diese alle Einrichtungen trafen, welche es den Anhängern des überlieferten Judentums ermöglichten, innerhalb der Qesamtgejneinde Raum zu finden für die volle Auswirkung ihrer religiösen Ueberzeugung. j Als Samson Raphael Hirsch zum erstenmal zur Trennung in den Oetneinden aufrief, war Marcus Horovitz, der damals jugendliche Rabbiner von Lauenburg i. P., sein entschiedenster Gegner und schlug einen anderen Ausweg vor. Aber erst später konnte njein Vater in seiner eigenen Wirksamkeit die Richtigkeit seines Standpunktes zu[ einem überzeugenden Ausdruck bringen. Sdine von Gott gesegnete Tätigkeit in der Frankfuj-ter Gemeinde hat den Boden vorbereitet für dip Einheit des gesamten deutschen Judentums. Ojir.e die beispielgebenden Erfolge an einer weithin sichtbaren Stelle wäre die gedeihliche Entwicklung der anderen Großgemeinden, die sich mehr und mehr an Frankfurt orientierten, nip möglich gewesen, die großen, alle Richtungen zijsammenfassenden Organisationen hätten nie urid nimmer geschaffen werden können, nicht zuletzt, unser Orden hätte nicht Wurzel fassen und vor allem nicht diejenige Bedeutung erlangen können, die er sich zu erringen gewußt hat schon allein kraft des Umstandes, daß Anhänger aller Parteien und Richtungen sich ihm von Anfang an angeschlossen hatten. Nicht Pietätsgründe sind es in erster Linie, die mich bestimmt haben, diesen geschichtlichen Ueberblick zu geben. Nur wer die Dinge in dem dargelegten Zusammenhang ansieht, kann verstehen, wie sehr der Antrag der Marcus Horovitz-Loge gleicherweise ein Ausdruck ist für den Oeist, den mein Vater in seiner ganzen Tätigkeit auszuprägen versucht hat, wie für diejenige Gesinhung, die dem Orden zu verbreiten am Herzen liegen muß, ,will er sich nicht in Widerspruch setzen mit sich selbst. Die Frage, die gestellt werden muß, ist: Will man die Einheit oder die Trennung? Frankfurt aber, das mehr als irgend eine andere Gemeinde vpn den Wunden zu erzählen weiß, die der Kampf gebracht hat, ist mehr als irgend eine andere berufen, das seinige dazu zu tun, daß der Geist des Friedens und der Einheit, der gleichfalls hier seinen Mittelpunkt gefunden hat, neu gestärkt ind gefestigt werde. , Der Antrag der Marcus Horovitz-Loge weist auf eine Mahnung meines Vaters hin. Dlese^f ndet sich in der Predigt »Israel und die Pharaonen«; ie neu aufgjenommen ist in eine im Jahfe 1925 erschienene ^amrplung »5 Reden von Rabbiner l)r. Marcus Horojvitz«. y- Dort hejßt ejs: »Zu dem heute vernomrrenen $chriftwört,!das uns mitteilt, der jupgfe SVioses ing in innigler Teilnahme zu seinen imter h.irtem 'rucke arbeitenden Brüdern und salvdaß zwei ebräische |Männer miteinander^ stritten und .aderten, 'bemerken die alten Midraschl« hrer: Möses sann darüber nach, worin denn Israel >o schwelgesündigt hatte, daß es. von allen* Völkern vbrfplgt; werden, darf. Als er abe - sah, laß zwei hebräifeche Männer in der trüben Zeit der Verfolgung miteinander streiten und, h idern, da sprach, ei: Wenn sie sich gegenseitig ver- Folgen und .verleumden, wie sollten sie dann wert sein der vollen Erlösung, der volle i Am Erkennung. Jetzt ist mir alles erklärlich, ich verstehe, waTun^ sie verfolgt werden!* Das wollen wir, meine Lieben, bedenken, daß unter uns jetzt weniger al9-jemals etwas gesc hehep sollte, was deni Streit in Israels Mitte verschärfen, den Hader der Parteien verewigen' könnte. Das wollen wir vor allem beherzigen, daß jetzt nicht die . Zeit sei, in der c'U: E*"Cr CCJK *:c alle zwei Männer, die als Israeliten in ihren Auffassungen 1 auseinandergehen, miteii lander streiten sollen,; daß jetzt nicht die Zeit sei, da alle zwei Männer, die'als Hebräer, nicht über- . einstimmen, auch als Menscher; einander, fe ndlich 7 gegenüberstjehen dürfen, alle zwei Männ :r, die als Mensjchcn und Hebräer .dieselben Zi :le' im t Auge haben, dennoch hadern und streiten, nur um als zjwei Hebräer zu erscheinen. Dje Stürme unserer Tage [ müssen in alle jüdischen Herzen die Empfindung bringen, daß die Zeit nicht zum Auseinandergehen, nein zur Einigung amuft alle Israeliten.« 1 Die Predigt, in jder sich die hier mitgeteilten: Worte finden, ist im’Jahrq 11181 -gehalten worjjep. Der Antisemitismus, gegen den sie sich damals wandte, feiert heute wieder seine Orgien, ist' nicht kleiner, eher größer geworden. Zu den Parteien und Richtungen vba damals [ist zwischen noch der Zionismus .hinzugekommen in-