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Der Orden Bne Briss · 1926-05-01 · Nr. 5 - Mai (5.1926) · p. Seite 71

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1926
Issue
Nr. 5 - Mai (5.1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
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Aus: Verka uf Josephs so ist damit nicht bestritten, daß die Ausdrucksweise des einzelnen jüdischen Künstlers — von gegenständlicher Wahl der Themen abgesehen — jüdischen Geist, jüdische Seele offenbart Der Maler Erich Wolfsfeld scheint uns da allerdings eher eine Ausnahme. Wenigstens müßte es schwerfallen, etwas von der landläufigen Auffassung v|om jüdischen Künstler, die auf Begriffe wie Zerrissenheit, Problematik usw. festgelegl ist, in diese klar und froh sich darbietende lebens' starke Kunst hineinzugeheimnissen. Eher schein uns hier — vielleicht unbewußt — ein bedeut! sames Stück der kraftvollen selbstbewußten Kunst der deutschen1 Renaissance verarbeitet. Jüdisch bedingt ist Wotfsfelds Schaffen immerhin in seiner tiefwurzelnden Vorliebe für das Al! - ehrwürdige, Morgenländische, im geistigen Sinne Patriarchalische, oder auch in der Dramatik der . Geste (aber da denke man auch an Delacroix!*. Jedenfalls ist das Gebiet dieses Malers des konkrete faßbare Leben, da, wo es am gegei iwärtigstenund packendsten oderam ergreifendsten ist. Vor einer Mauer;ragen ein paar mächtige galizische Bettlergestalten, sehr einprägsam n der zugleich königlichen und bettelhaften Geste^ Mit starker Symbolkraft wirkt der rfblinde Bettler« mit der Guitarre, eine immer wieder im Werke des Radierers und Malers auf tauchende Gestalt (vgl. Abbldg.). Meisterhaft ist der , so . schweb ins Bild;:u bannende Ausdruck des Lauschen? gegeben, als ein leidvolles Gegenstück zuth Frans Hsls’schen »Narren könnte es einem er» scheinen] Beachtenswert ist hier die Physiognomie der Hand, die den Ausdruck des Gesichtes steigert und. wiederholt. Prachtvoll sind aber auch die’ lachenden handfesten Gestalten des Fischer- und Baüerhvolkes aus der Bretagne gelungen,' in ihrer breiten Behaglichkeit. Diese AquareHstudien*,' in ihip freiströmenden Kraft der Farbe, ‘der' flüssigl warmen Modellierung der Gesichter besonders überzeugend, stammen aus neuerer Zeit, da.djes Künstlers^ Interesse am Malerischen überwiegt. Der~,Q r a p h i k e r Wolfsfeld hat» bekanntlich; seinen ersten Ruhm durch das gewaltige radielrt Blatt »Schachspieler« erreicht, bei dem sein besondere Kraft psychologischer Differenzieren zum ersten Male allgemein frappierte. Interessant sind die vielfachen Erfahrung;ei die Wplfsfeld mit seinen jüdischen Modelle Der blinde Bettler. f ". 71 -

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