Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 5 - Mai (5.1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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% libido zu modifizieren, wenn er auch noch nicht so weit gegangen ist, im Unbewußten ein seelisches Urprinzip zu erblicken, das sich unendlich variieren läßt. In einer seiner neuesten Arbeiten zergliedert Freud unser seelisches Geschehen in ein Ich und ein Es, das triebhafte Unbewußte, und fügt dieser Zweiheit noch ein Drittes, das Ueber-Ich, das Gewissen hinzu, den alten Erben des Oedipuskomplexes. Unser Ich erstrebt den Einklang mit dem Gewissen, der Libido und der Umwelt. Sigmund Freud ist im wahren Sinne des Wortes einTiefenpsychoIoge, der über sicH hinausgewachsen ist;'er hat uns den Schlüssel zu den geheimen Pforten der Seele gegeben, er hat, ohne es angestrebt zu haben, aus einer Behandlungsart eine Psychologie und aus der Psychologie eine Weltendeutung, eine Weltenanschaüung geschaffen. Fruchtbringend hat Freud lauf den Mediziner, den Kulturphilosophin und nicht zuletzt auf den Künstler gewirkt. Für den mjodernen, gebildeten Menschen ist seine Lehre ^u einer Gewissensfocschung geworden, nachdem sie zuerst Verständnis für krankhafte zurückgedrängte am irlebnisse geschaffen hatte. Das Unbi wußte als Jrgrund alles Seelischen hat der Psy< hoanalyse lie Handhabe gegeben, Kunst, Religion, Kultur and Wissenschaft in den Kreis ihrer B »trachtung zu ziehen und damit konnte sie befru chtend auf ie Kuliurgeschichte, die Literatur un 1 auch auf hre medizinische Schwester, die Psycl iatrie, einirken. I Das ethisch Hochwertigst t an der |Freudsdien Lehre ist ihre eiserne Ford« Wahrhaftigkeit gegen sich selbst, das rüfen und zu erforschen, was wir meisten verdrängen. So wird erung der in uns zu im Innern eder nach Hermann Hesse, der den Weg der A lalyse, das Suchern seelischef Urgründe, ernsthaft < ine Strecke weit gegangen ist, einen bleibenden Gewinn davontiiagen, der darin besteht, in eine 1 innigeren Konne?j zum eigenen Unbewußten gekommen zu sein}. Sol wächst sich Freuds Methode]und Lehre für jeden, der schauen will und kann, zu einem Persön|ichkeitserlebnis aus, das ihn ziirStärkung seines Ichs führen muß und ihm Goethes Wort _ 1 I SS 1 .'S .1. Ja» C » J hmI. Im Jaii!a > aaL J! » »Höchstes Glück der Erdenkinder ist | Persönlichkeit* immer wieder zu Bewu Itsein führt. Idoch die Der Maler und jGraphikei? Erich Wolfsfeld. ] Von Dr. Margot R i ej s s.! Die Versuchung, sich in Abgründje rassenpsychologischer Probleme zu stürzen, liegt immer wieder nahe, wenn von einem jüdischen Künstler die Rede ist. Die Methode, so lockend wie gefährlich, nimmt ihr Muster von stilkritischen Untersuchungen über beispielsweise romanisches und germanisches Formempfinden, Erscheinungen al$o, die im Verlaufe von Jahrhunderten gewachsen, Zeit hatten, sich zu verfestigen. Da eben liegt Gefahr grundlegenden Mißverstehens. Reden wir gewohnheitsgemäß von rassenmäßig bedingten Stilmerkmalen, so ist immer eine jahrr hundertealte schöpferische Tradition gemeint, geistige Haltung, Temperament und physische E. Wolfsfeld, geb. 1S34 zu Krojanke in Westpreußen, lebt seit 1885 in Berlin und hat eine Professur an der Akademie der Künste inne, wo er vormals Schüler Boeses war. Längerer Aufenthalt in Italien uml im Orient, Reisen nach Frankreich, Spanien, Galizien und Polen und Holland. W. ist vor allem in der Gestattung jüdischer Typen hervorragend. ’ Konstitution des betreffenden Volkes sind in ganz allmählichem organischen Wa< hstum ein? Verbindung eingegangen, die sich diinh schließlich unbewußt in sichtbaren Formen k ristallisierte, an einer bestimmten Art der Lit ienführung, Rhythmisierung, Farbgebung zum A tsdruck gelangend. Bei den in Europa lebend* n jüdischen Künstlern fehlt naturgemäß diese Tiadition; bei dem ja erst knapp ein Jahrhund si4 zurückliegenden Uebergang von der Ohetto jejdrücktheit zum modernen Kulturleben hatten sie'sich doch zuerst einmal mit der Fülle des Stoffes ausein- Umgebung :iteter Form anderzusetzen, der ihnen von ihrer in mehr oder weniger durchgearb bereits dargebracht war, sie mußten igleichsam nehmen, was ihnen an Formen zufiel erst allmählich diese mit eigener Wesensart erfüllen. Lehnen wir somit.den Begriff jü lische Kunst (soweit?r sich auf die Gegenwart uhd können bezieht) ab, -r- 73