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Der Orden Bne Briss · 1926-05-01 · Nr. 5 - Mai (5.1926) · p. Seite 69

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1926
Issue
Nr. 5 - Mai (5.1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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aber so viel sei in großen Zügen Umrissen, was heute jeder von der Lebensarbeit, eines Freud wissjen muß.! Hervorgegangen aus der französischen Schule Charcots, ist Freud seine eigenen Wege gegangen. Mit seinem Mitarbeiter Breuer begründete er die psycfiokathartische Methode. Diese nahm ihren Ausgang von der Beobachtung eines Falles schwerster Hysterie, bei der die in Hypnose versetzte Kranke Erinnerungen mitteilte, die mit der Entstehung der krankhaften Erscheinungen in Beziehung Ständer!. Der eingeklemmte Affekt, die gefühlsbetonte Erinnerung kam an die Oberfläche! wurde entladen und die * Krankheitserscheinung schwand daraufhin. Diese .psychokathartische Methode, deren Wesen im Abreagieren des eingel lemmten Affektes in der Hypnose bestand, verließ Freud und gab um die Jahrhundertwende d is Arbeiten in der Hypnose auf. Freud war zu dem Schlüsse gekommen, daß hysterische Erscheinungen in unbewußten, gefühlsbetonten Erinnerungen ihren Ursprung haben. Unangenehme Eindrücke und Erlebnisse, die unserem inneren Menschen oder seinen Anschauungen widersprebhen, werden ins’ Unterbewußtsein abgedrängt, aber nicht aufgehoben, so daß man an Aeuße rangen des Oberbewußtseins immer wieder ihre Spuren erkennen kann. Zur Erlangung eines Einblicks in die Tiefe des Unterbewußtseins gehört eine Art Beichte, , das hemmungslose Aprollenlassen unserer Oe-' danken und Empfindungen. Hierbei ist streng, die Regel zu befolgen, keinerlei seelisches Material zurückzuhalt :n oder zu verschweigen. Treten Widerstände a if, macht der Analysierte 'Pausen und schweigt, so ist das ein wichtiges Kriterium dafür, daß man sich im Bannkreis der Störungsstelle befindet. Psychologisch verständlich, denn ungern gi|)t der Mensch sein Allerinnerstes preis, sein« Schwächen, seine Fehler und vor allem 1 das wahre Bild seiner Sexualpsyche. Je tiefer man in das Seelenleben des Kranken und Neurotilcers eindringt, desto mehr muß man den Zusammenhang zwischen Sexualität und Neurosb erkennen, und Freuds These, daß nervöse Angst in jecem Falle Beziehungen zur Sexualität aufweist, is t triebpsychologisch richtig gedacht. Der tief spürenden Psychoanalyse verdanken wir heute Einblicke in die kindliche Sexualpsjyche; der Begriff der Sexualität war' bisher zti eng begrenzt und bedarf der Erweiterung. Bei der Untersuchung ^er Einstellung des nervösen Kindes im Eltemhause-fand Freud den sogenannten Oedipuskomplex. Öas /bereits im Ajlter von zwei bis fünf Jahren libidinös eingestellte Kind -zeigt Sexualbestrebungen' nach den Eltern hin. Beim Knaben findet die Fixation ah die Mutter statt, bei der Tochter an den yater, und die Folge ist eine Rivalität und Gegen- SAnstellung gegen den gleichgeschlechtlichen Teil. ieser »Oedipuskomplex« hat eine große- Bedeutung für die endgültige Gestaltung unseres Liebeslebens; er wird zum Urgrund einer charakterplogischen Einstellung. Während überhaupt früher die Psychoanalyse den . Selbsterhaltungstrieb dem Sexualtrieb gegenüberstellte, jfand sie später, daß auch der Selbsterhaltungstrieb libidinöser Natur ist und in jedem von uns die Selbstliebe, die närcistische ‘Libido schlummert. Großes Verdienst erwarb sich Freud um die psychologische Erforschung des Traumlebens. Ja, seine Traumanalyse ist geradezu der Grundstein der gesamten psychoanalytischen Forschung. Nach Fr :ud ist der Traum eine Funktion des Unterbewußtseins, eine unbewußte seelische Leistung im Schlaf. Dem offenliegenden Trauminhalt liegt ein verborgener Traumgedanke zugrunde. In der Regel stellen die Träume ve schieierte oder entstellte Wunschregungen sie sind ' der Ausdruck für einen Egoismus, da sie nur auf Lust und Befriedigung der Triebe' eingestellt sind. In der Erforschung des Unbewußten Wir auch Freud der erste, der in seiner hochinteressanten Psychopathologie des Alltagslebens auf gewisse Kundgebungen des UnteTbewußtseins h ngewiesen hat, -die sich im ’Wachzustairi d in unserem Verhalten oder in der.Konversatkn verraten. So konnte er in diesen Fehlleistungen des Alltags wie Vergessen, VersprecHen, Vergreifen, die* ihnen zukommende psychologische Bedeutung als Verräter unserer Meinungen lir d Wünsche, die vombewußten Ichverdrälnijt werden, nachweisen. . Di is Große an Freud ist es, daß dr nicht n starren Dogmatismus stecken gebjieben ist; ^r hat si:h nicht gescheut, seihe ursprüngliche Gleich; etzung des Unbewußten mit der Sextuajlgen dar); --krassen — 69 - *-f - *

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