Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 5 - Mai (5.1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
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merkwürdige, oft schöpfen^ ch-vorwegnehm« nde Eingestimmtsein auf die tidfsten Regungen :h hier freilich kann Forderungen der Zeit. Au der alten Binsenweisheit < hicht widersprocjl werden: Wo viel Licht ist, ist viel Schatten Entartung ins Modisch-Sensationelle liegt immer sehr nahe. Aber h|ü;r geht uns nur Positive an, das sich in de« fabelhaften Regsamkeit, dem eindringenden Spürsinn, der unfehl baren »Witterung« des Jüdischen Geistes auswirkt. Auch unfreundliche oder doch njicht ausgesprochen freundlich müssen dies einräumen. Keyserling z. B. stellt den überall, auch im Orient, weitverbreiteten rin, auf in dlarin xie, Antisemitismus fest; aber |r kann nicht um gleichzeitig festzustellen, diß allerorten und allen Gebieten die geistige Führung zurzeit der Hand von Juden liegt. Er erblickt philosophisch einen Spezia fall jener Parade daß oft gerade aus der Mitte der. »verachte!en« and hen Die lier das gesinnte- Beurteiler Minderheit die entscheiden aufzusteigen pflegen. Wir mit ihm diskutieren — uns daß der uralte jüdische Geist zugleich uralt der im guten Sinne aktuell Nicht nur in den Künsten, auch aufdem den geistigen Werte wollen darüber njicht genügt es zu wis jüngste iät sen, und st dieser starke Einuriverkennbar. wie den ejnes denken möge (tnan und Temperament azu stellen) — jeienaulichen und Sedenre Anregungen geallgemeinen Geistesgebiet schlag jüdischen Geistes man auch über den denkedischen Wert und sachlichen bleibenden Genalt der Lehren Bergson, Einstein, Freud kann sich je nach Einsicht natürlich sehr verschieden falls haben sie im Weltans kundlichen höchst frucht geben — selbst da, wo sie irren mochten denn der Irrturn der Bedeutenden ist immer noch wertvoller als die Wahrheit der MSltel- 7 mäßigen . .-. Zugleich beweisen sie ihrerseits wieder die Vielseitigkeit, ajuch Widersprüchlichkeit jüdischen Wesens. Wie oft hat man dem Juden nicht gerade seine Neigung und Begabung zu rabulistischer Dialektik vorgeworfen — und ihm damit einen freilich nicht ungefährlichen Vorzug zum Fehler umgewertet! Aber der Jude Bergson preist gerade wieder die Intuition, die unmittelbare,über-verstandesmäßigeSchaüung, als Quell der Etkerintnis — und man konnte höchstens sagen, daß gerade der jüdische Dinker wieder den Wert der Intuition zu schätzen weiß, - 6i - weil er auch die Grenzen und Defahren de Dialektik besonders gut kennt . . Man hat den jüdischen Geist im gleichen Zusammenhang wohl auch in erster Reihe »au lösend« und »zersetzend« genannt, und hierar ist so viel wahr, daß er stark zur Kritik n«igt, das Bestehende gern an Idealen mißt u ld allerdings mit einer außerordentlichen, dem Au ienstehenden manchmal vielleicht unheimliche i Kraft zur Analyse begabt ist. Aber »Analysi:« ist keineswegs das letzte Wort des jüdiscien Geistes: sie ist ihm vielmehr Mittel zum Zweck und Vorstufe höherer Synthese. So bin ici selbst bemüht, über die gegensätzlichen Extreme Schopen hauers und Nietzsches hinaus ein dri ttes, höheres, synthetisches Weltbild zu sc laffen. (Vgl. mein Buddha und Dionysos«, Concordia, Deutsche Verlagsanstalt Berlin.) — lieber Einstein und Freud ausführlicher zu s arecheh, verbietet sielt hier; die Kritik wird be Einstein zu weitgehende philosophische Folgerungen zurückweisen, bei Freud die manchmal absurden liebertreibungen mehr noch der Anhärger als des Meisters selbst berichtigen — aber die fortwirkende Kraft des von beiden au sgqgangenen Antriebs steht eben außer Frage und unzweifelhaft wirkt in der Relativitätslehre des einen auch die relativistische Beweglichkeit, in der Psychoanalyse des anderen die spürsinnig eindringende, scharfsinnig zergliet ernde Reizsamkeit des jüdischen Geistes . .;. Und sehen wir nicht eben diese, durch die Jahrhunderte statisch« gleichbleibem le und immer wieder »dynamisch* wirkende jüd sehe Eigenart auch in den modernen Künsten «m Werk?! — Wir wollen gewiß nicht in die Torheit und Ueberheblichkeil verfallen, Art uml Gang der Entwicklung einzig - aus den ' Jedingungen jüdischen Wesens abzuleiten. Das ließe letzten Endes auch nur Wasser auf die regnerischen Mühlen leiten. Schließlich hätte die Entwicklung aus inneren und sachlichen Not vendigkeiten auch ohne jüdische Mitwirkung swangsläufig denselben Weg genommen — vielleicht ein wenig langsamer und sicher um gewisse entscheidende Wette ärmer. Daß aber nicht nur der einzelne jüdische Künstler, sondern eben der jüdische Gesamtgeist diese Entwicklung der modernen Künste in hohem Maße mitbestimmt hat, das kann weder von der ängstlichen