Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 2 - Februar (2.1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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korde als Färb- und Ausdruckswerte nebeneinandersetzte, trug er wesentlich zur Zersetzung des Harmonischen bei. Dies muß bemerkt werden, weil auch Debussy und der Impressionismus zweifellos auf Schönberg eingewirkt haben, ln'»Pelleäs und Melisande< ist das Tristanische mit dem Impressionischen so innig verwoben, daß immer noch etwas wie Eigenart hervorleuchtet; freilich begrenzte Eigenart. Die fernere künstlerische Laufbahn Arndld Schönbergs wird bestimmt durch einen Kampf, den eine dialektische Denkkraft gegen das Eineborene und Anerzogene führt. Als Wagnerianer strebt Schönberg danach, den Ausdruck der Musik bis ins Letzte zu vertiefen. Das Tristanische wirkt noch lange in ihm nach. Ein inbrünstiges Oefühl ist in ihm schöpferisch. Zugleich aber drängt es ihn .von solcher Inbrunst hinweg zu einer neuen, reinen Musik. Als Ausdrucksküristler hängt ef sich gern an Dichterworte; als reiner Musiker rückt er vom Worte ab. Wir können die Entwicklung Schönbergs, die uns. vielfach unterbrochen scheint, nur begreifen, wenn wir seine seelische Gespaltenheit neben seiner musikalischen Aufbauarbeit betrach-, ten. Der Empfinder kämpft gegen 'den geistesstarken Reformafor. Die Musik erleidet auf ihrem Wege durch das neurizehntejahrhundert eine starke Abnutzung des Materials. Die Form der Sonate wird durch die Romantik* angetastet und schließlich zerstört. Die Sonate febt davon, daß gegensätzliche Stimmungen in ein festes Schema gebannt werden. Indem man einem ersten Thema ein zweites gegenüberstellt, beide in der Durchführung mit einander verknüpft und aus solcher Verknüpfung die letzten Schlüsse zieht, um mit einer Wiederholung zu enden, gibt man den Grundriß eines ersten Satzes. Diesem wesentlichen werden andere Sätze gegenübergestellt. Die Sonate hat den großen Vorteil, daß sie die Aufnahmefähigkeit der Zuhörer freundlich unterstützt. Er findet in ihr Regelmäßigkeit, Wiederholungen, eine ihn überzeugende Architektur. Aber gerade das muß schließlich zu einer Krisis führen. Innerhalb dieses festen Gerüstes wird die Melodie immer wieder durch das Harmonische hevorgehoben, und durch die Entwicklung der Klangmittel wird die Ausdruckssehnsucht in der Sonate nind allen auf ihr beleihenden Formen noch Gesteigert. Diese romantische S< l&elgerei 'n eidlich zu der Spitze Wagner und zu e Zerstörung der Form führen. Man hat versuc d e Sonate von der Schäbige zi i befreien u j si;, unter Erweiterung der Forn i, einsätzig michen. Aber der Prozeß der Abnutzung ni:ht aufzuhaiten. Grundlage der Sonatenfo; war die Symmetrie, zu ihr gehörte die Ton^lit. dii durch die sogenannte Kadenz b< kräftigt wurd' Di; Entwicklung der Sonate urd der auf i gegründeten Sinfonie dreht zur Aufhebung d. Symmetrie und alles dessen zu fi hren, was m ihr zusammenhängt. Noch gibt es einen Ricfiar Strauß, der diese Entwicklung zvar mitmach: ab<r auch durch ein starkes Qefiihl für Ton litäl aufzuhalten sucht; ganz zu < chweigen vo: Brahms, der die Tradition der Form noChmal mai htvoll stützt. Schönberg überschaut dies alles mit kritischem Sinn und fühlt sich beru en, die Musik auf eine neue Grundlage zu steilen. Er ist!zugleich Bejaher und Verneiner. Als Wagner- Nacifolger bejaht er die Ausdmckskunst, al.-. kritischer Geist'verneint er die Syn fnetrie der Sonate die in der Tat schon erschüttert ist. Als Ausüruckskünstler liebt er die Schwellungen des Klan >es, als Neuerer verficht er di; Klangaskese Das Nachwagnerhsche und das Kammermüsikalis :he in einem gereinigten Sinn streiten sich in ihm. :r will das Einmalige. Alle frühere Architektuder Musik zeigte Wiederholungen. Der Bau;mes musikälischen Kunstwe kes war niii ermö glicht durch die Sequenz, d. h .: die Wieder holurg einer Tonfolge auf einer höheren Stufe Es ist wahr, daß mit diesem Hilfsmi tel Mißbrauch getrie Den wurde. Phantasielosigkei bediente sich der Sequenz, um das Leere for zuentwickeln Wer das Einmalige will, muß die Fähigkeit haben auf al les was Flickwerk ist, zu ve zichten. t)a wollte Schönberg. Mit einem ungeheuren Vei Form um Dies könnt antwe rtungsgefühl ging er darar Mater al der Musik zu erneuern, nur geschehen, indem Melodie, Harmonie, Rhyth mus eis Grundelemente völlig verär dert wurden Daß < lies ein gefährlicher Weg war leuchtet ein Man hönnte sich darauf berufen, diß alle Arch: tektur von der Wiederholung lebi. In jeder Bauwerk finden wir die Symmetiie in irgem einer 3estalt durchgeführt. Wird es möglicl 22