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Der Orden Bne Briss · 1926-02-01 · Nr. 2 - Februar (2.1926) · p. Seite 23

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1926
Issue
Nr. 2 - Februar (2.1926)
Date
1926-02-01
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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ein, sie der Musik zu versagen, ohne sie zu nlwurzeln? Durch Arnold Schönberg sind die Worte Atonalität« und »linearer Kontrapunkt« in iie Welt getreten. Was Atonalität bedeutet, t durch das Vorhergehende bereits erklärt, er lineare Kontrapunkt aber ist das Neben- . nanderlaufen selbständiger Stimmen, das eben urch die romantische Entwicklung gestört war. I’enn sie hatte den Vertikalschnitt des Kunst-- erkes in den Vordergrund gerückt. Indem jnmehr selbständige Stimmen nebeneinander eführt wurden, erhielt der Horizontalschnitl das ebergewicht. Die Fiage nur war, ob das neue -ystem auch' eine neue Oliederung des Werkes ermöglichte; ob die Phantasie hinreichte, über iie bloße Verneinung zur Bejahung in Gestalt erledigender Kunstwerke fortzuschreiten. Betrachten wir das Schaffen Schönbergs,;o müssen wir sagen, daß seine Theorie nur ,ehr selten mit der letzten Folgerichtigkeit durchgeführt worden ist. Das ist sein Glück. Wäre :s anders gewesen, hätte sich die Phantasie nmer und überall durch Kritik und Dialektik inden lassen, so wären wir um einige Werke Schönbergs ärmer. So aber finden wir zwar .-eine Forderungen nur sehr selten verwirklicht, rfreuen uns jedoch an Schönheiten, die nur durch die SelbstvergessenKeit des Künstlers nöglich wurden. ,Schönberg hat zwei Streichquartette geschrieben, eines in D-moll, ein anderes in is-moll; das letzte, unter Hinzuziehung der nenschlichen Stimme. Man könnte diese beiden trejchquartette als Weiterentwicklungen des tzten Beethovenstils betrachten; ’ es ist aber jch etwas anderes darin, was sie wiederum iarüber hinausführt. Wir bemerken in diesen eiden Quartetten, von denen das zweite natürlich :eder eine neue Stufe Schönbergscher Kunstetäiigung zeigt, eben den Kampf zwischen usdruckswillen und neuem architektonischem efühi. Wir empfinden diesen Widerspruch 'hon in der übermäßigen Ausdehnung dieser erke, die gewiß auch darum etwas Einmaliges nd. Ein Schritt* vorwärts ist die systematische ferwendung des Intervalls der Quarte. Der jnterschied zwischen Dissonanz und Konsonanz . i der Musik wird nunmehr völlig aufgehoben. >amit scheint dem Schaffenden unbeschränkte •reiheil in der Verwendung der Ausdrucksmittö) Igewähr eistet. In j der Kammersinfonie, di; " zwischen den Quartetten liegt, mischt sch das Tristanische mit diesem Quarteninterval, ohne daß eiine befriedigende Wirkung erreicht wird Während Schönberg unbeirrt , auf seinen Wege weiterschreitet, vollendet sich;eir Werk das wie die stärkste Verknüpfung des f üheren Schönberg mit dem jetzigen erscheirt:^ die »Gurrelieder«, deren Entstehung weiter zurückreicht, deren: letzter Teil aber sehr stärk von (*••» inzwischen eingetretenen Wandlung 'spricht. Man (Spürt,,:'wie tief Schönberg in Wägnerj wurzelt, wie sehr er s,ich an dessen färben-1 glühendem Orchester berauscht hat, aber welche; reuen! Möglichkeiten sich für den OKhester-- klang eröffnen. t — \ ’ Zu sagen ist freilich, daß Schönheit sich; ji weiter er vorrückt, desto mehr .natürlich vom Koloristischen entfernt. Es kann ja aüfcli nicht anders sein. Wer zur reinen Musik "strebt, muß. sich zunächst vor dem Orchester mit . seinem gefährlichen Zusammenklang fürchten; indes* sind atiicn fünf Orchesterstücke entstanden,- die. das Wesentliche in Schönbergs neuerti <Drcresterstil ausdrücken. Aber wieder hängt sfeh I ichönberg an einen Text: Pierrot Lunaire; ein Zyklus von 21 Gedichten, ist vielleicht der votierdetste' Ausdruck des künstlerischen Wiilens. .Arnold* 'Schönbergs. Noch immer lebt hiefromanlisches' C iefühi, selbst in der Umkehrung Ins Pärodis' fsche, z jgleich aber ist die Unabhängigkeit eines lineare^ Kontrapunkts auf die letzte Formil gebracht.! Hier ist die Musik atonal; aber, doch eindrucksfähig. Nie vorher ist Aehnliches gewagt worden. Es ist auch der letzte Schluß int der Eehandtung der Menschenstimme gezogen,' die. alem Gesang entsagt,. aber doch rhythmisch gebunden bleibt und die Intervalle beachtet. Klavierstücke Schönbergs drücken « skzzgh-* hift sein Wesentliches aus. Gesangszykder, /wie die übef Stefan Oeorgesche Texte,'ranken sich d rrch sein übriges Schaffen. Monodramen, »Erwartung* und »die glückliche Hand« sind dieUmdeutung seines Stils ^uf die Bühhei'-'. Ue jetall bsmerkt man den Kampf um die ..neue f:orm. Se wird zuletzt mit Konstruktionen gesucht. Etwas Antidionysisches will schöpferisch werden. , SchAnbergs Wirken fadt sich in Öer Kraft z usammen, mit der er eine abschließende Epoche — 21 - I

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