Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 2 - Februar (2.1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/6727475-6029137-6074686--1064-4867713- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
dt Charakteristischen und des Wohlk es dar. Der Mann, von dem hier gesprochen werden so Arnold Schönberg, geht merkwürdiger Weise vv eben diesem Wagner aus, der ja alle in je Zeit Oeborenen in seinen Bannkreis zieht; e> rnt sich aber von ihm so weit, daß er den ch. ikteristischen Wohlklang hinter sich läßt ur den größten Teil der'Menschheit durch die V\. itinung eben dessen, was gang und gebe is. »efremdet. In dem nunmehr einundfünfzigjährigen St »nberg also wirkt eine Kraft, ind eine Oegenk- Als stark empfindender Wagnerianer kann er ..larakteristischen Wohlklang außerordentlich st;em. Es ist aber noch eiie andere, eine D »kkraft in ihm* die sich geger alles Sybaritenti; auflehnt. Es lebt auch in hm ein Streben n. i Eigenart, das ihn immer weiter treibt. Schönberg ist schöpferiscti und kritisch zt.;;eich. Diese Doppelanlage wirkt in ihm un führt ihn ganz abseits alles dessen* was di große Mittelschicht der Musikfreunde liebt. E, ist so zwar zum Meister, aber auch zum lebendigen Oottseibeiuns in der Musik unserer E' che geworden. Der Ausgangspunkt für alle nach wagnerischen siker ist der »Tristan«. In ihm hat unendliche Sehnsucht einen Ausdruck gefunden, der k lerlich und unkörperlich zugleich ist. Er l>. Jeutetden höchsten Oipfel de » Romantischen, ' leich aber auch den Punkt, wo die Krise der diesem Wege ist systematisch wer in gleicher otwendig Nachder Künstelei 'ik beginnt. Ein Weiter au es nicht. Der Ausdruck die Spitze getrieben, und weiter schaffen will, muß nie er, Epigone werden oder allen.» Rein musikalisch gesprochen: der sogenannte ialt, der die Sehnsucht anzeigt, ist so methoh ausgenutzt, daß jede weitere Ausnutzung es Mittels notwendig zum Mißbrauch wird. Schönberg hat längere Zeit im Sinne des stan«, und zwar sehr begabt, komponiert, e ersten Lieder sind noch des Wagnerischen Seine Sehnsucht nach dem letzten Ausdruck » ihn zu Texten, die ihm gestatten, sich rz auszuleben. Er ist von Hause aus ein ünstlerischer Mensch. Er malt Bilder, ohne >e Grundlagen der Kunst sich angeeignet zu haben!; Und er kann, seitdem ‘'er sich gahz Musik gewandt hat, keine anderen als bedeu fun volle Tejcte in Musik übertragen.- SoT geliingt zur »Verklärten Nacht« Richard Dehmels. Dl ist ein Streichsextett, aber vollgfesogeit wagnerischem, tristanischem Ausdruck, das Schwellende und Quellende, alle Sehnsucht »us dem Irdischen ins Unendliche ist in dies Kamm trmusikwerk ausgesprochen. So se □aß die Grenzen {der Kammermusik fgesprerii werden. Kein Wunder, daß Schönberg nühmel^r sich zum Orchester, zur sinfonischen Dichtui entschließt. Es ist gerade die ZeiC wö die Gattung blüht; die Epoche der P/ogrammu deren wirkungskiäftiger Anwalt Richard Strai ist. Aber wenn Schönberg* eine sinfonische Dichtung »Pelleas und Melisande« Schreibt, sl ifet gnnz klar, daß er ganz anders gestimnt isjt, ajls die Programmusiker, die nach Strauß’ schei ezept arbeiten. Die Vertreter dieser Rkhtun ögen uns noch so sehr versichern, daß usik nur von innen her begreifend es i^t wiß, daß eine sinfonische Dichtung Wie d »Heide lieben« von Richard Strauß 'in erster Linie mit äußerlichen Mitteln arbeitet. Das kam Schönterg nicht tun. Seine »Pelleas und Mel sunde« ist ganz Innenmusik. Um., etwa dil g eiche Zeit wird des Franzosen DebusSy-Musi di-ama i Pelleas und Melisande« der Welt bekann Der Impressionismus setzt seine reifste 'nich| ab. Mi in begreift, daß das Impressiopi! tisch sich au< h dem ganz anders gestimmten Sehr riberi mitteilt. Was ist musikalischer Imptes lionisjmus? Wie in der impressionistischen Malerei die Atmosphäre der Dinge aufgef^ngerrwird,' sc scII auch in der Musik der atmosphärische Reh: ali» das Wesentliche erscheinen. MüSika ischer In presstonismus soll Musik der-Reflexe sein, D:bussy, eine Spätblüte französischer Musik" Zivilisation, hat hierin ein Letztes, Unüberbietbare! geleistet Aber für Deutschland, wo cfei Kern der Mupk eine Melodie, ein Thema, ein Motiv blnibt, is t der Impressionismus kaum ein£Mode. Min findet ejn paar Schaffende, die deri 'idiprissionistischen Klang feinhörig und bewußt lai scheu. Aber einen musikalischetvJmpres!iönismtis kann es in Deutschland nicht geben. Doch kam die Erscheinung eines Debussy, rein musikalisch genommen, auch an Deutschland nicht sp jrlos| irorübergehen. Indem*Debussy die Ak- •I 21