Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 12 - Dezember (12.1925)
- Date
- 1925-12-01
- Page
- Seite 232 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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I die Quittung des Vereinsboten, des einzigen unmittelbaren Empfänger^, einzulösen. Sie ii t oft nur ein Mittel, sich auf bequeme Weise abzufinden und sich das Elend aus den Aug(n zu schaffen. Die Kultussteuer und der wohl ätige Vereinsbeitrag sind die moderne Form des O jfers, gegen das die Propheten eifern. Einen beträchtlichen Teil verschlingen die Verwaltungsspesen. Wenn es die Oekonomie der Natur ist, mi: den kleinsten Mitteln die größten Wirkungen; u erreichen, scheinen manche Organisationen beinahe die Kunst zu lehren, wie man mit den grüßten Mitteln recht mäßige Wirkungen erziele. Welche Summen verschlingt nicht das Lokal, der Fapierlieferant.der Drucket; die Post! Da gibt es Tagungen von Vertretern, ^delegierten, Komitees mit teuren Eisenbahnfahrten, Diäten, Festessen und Stiftungsfesten. Das sind die Kehrseiten der Organisation, zweifellos unvermeidliche, aber nicht geeignet, den ernsten, nüchternen Sinn für sie zu begeistern, — Von dem »Ritual« w II ich nicht sprechen. Es wird niemanden anlocken oder fesseln, Mit dem Ritus und der L turgie eines religiösen Kultus kann es natürlich nicht entfernt verglichen werden. Nun denn, du Krittler und Nörgler, warum hast du dich trotz alledem der Loge angeschlossen "oder verbleibst du in ihr? Worin siehst du ihren Nutzen und Segen? Eben in der Möglichkeit, da§ zu pflegen, was sie zu gefährden scheint; m der Pflege des Person ichen. Jene Gefahren liegen größtenteils in der Gesamtorganisation. Aber die einzelne Loge kar n eine Vereinigung von Männern sein, die eine gleichmäßige Gesinnung und sittliche Haltung iusammengeführt hat, die sich gegenseitig in ihr bestärken und befestigen und einander da« wertvollste Geschenk entgegenbringen möchttn, das Männer zu vergeben haben und nach dem sie verlangen: Die Freundschaft. Es sollfe ein Kreis von Freunden s<in, der dich empfängt und dem du selber Freund sein willst. Wir seufzen alle unter der Last-von Pflichten und Arbeiten, die durch strengen Zwang und ewiges Einerlei zur harten Fron Werden. Wir haben .das Bedürfnis uns zu erholen, uns mitzuteilen, xdie Dinge auch einmal n^t den Augen eines anderen zu sehen, den lebendigen Menschen zu studieren, um daraus für uns Lehren zu ziehen, uns durch solche Etnbticke wenri die vor Einseitigkeit, Selbstsucht und Ueb< rschätzung zu bewahren: und selber unter dem erquickenden Anh tuch des; Wohlwollens und der, Achtung zu stehrn, kurz; Mensch unter Mensch :n zu sein, und in einem Kreise zq. leben, in de m wir mindest ms Önen zu finden hoffen dürfe i, dem wir unser Herz öffnen, unsere Geheimnisse und unsere Bedrängnisse anvertrauen körnen. »Wie labe idesj Wasser ist ein Angesicht dem Angesich , und ebenso das Herz des Manschen für das Herz.«; Wie aber heutzutage die Dinge liegen, k^nn der Jude dies alles ntr in einer Vereinigung jüdischer Männer finder. Nur h;er braucht er auf dem tiefsten Herzen: gründe des Nac ibarfl nicht einen Bodensatz von prinzipieller Gehässigkeit argwöhnen, der, für gewöhnlich durch den Zwang der Umgangsfornen zurückgeh« Iteni in unbedachtem Augenblick als trüber Schlimm zur Oberfläche drängt. Durch diese Zustände ist ja überhaupt erst dei Boden für die Gründung jüdischer Logen vorbereitet worden. Nach alledem halte ich für das Wertvollste ah'd :r Loge nicht die sogenannte off zielle Logen- »arb;it«, sondern den nichtoffiziell;n Teil der Sitzi ngen und die persönliche Ant< ilnahme der Brücer für einander im Leben. Dabri frommt es mir im wenigsten, wenn sich die E rüderlichkeit erst bei meinem Tode betätigt — i 1 der feudalen / nzeige meines Hinscheidens, i n feierlichen Leictiengefolge, in düsteren Trai erfeier und rühmendem Nachruf. Auch die Teilnahme'an den Höhepunkten des Lebenden wird ihn nicht erwä'men, wenn sie sich naep dem i eststehenden Sehe na abwickelt, ohne vonf frerzei i zu kommen und zufn Herzen zü sprechen. Nui das’Persönliche tut wohl, und Wohltun soll ja dbch; die erste Aufgabe der Loge sein. Könnte« — »solltet habe ich immer gesagt. Scho 1 <lie Gründung einer Loge in einer kleineren Stadt oder Gemeinde birgt Gefahre r, die vo’rher wohl bedacht sein wollen. Sie sch ifft bisweilen hur erbitterte Feindschaft zwisch :n den Aüfgeno nfnenen und Nichtaufgenomn enen. Denn gegen | nichts ist der Mensch — mit Recht — empf nplicher als gegen gesellschaf liehe Zurücksetzung und Deklassierung. Wenn aber' gar in der; Loge selbst die Berührungsflächen nur Reibt ipgsflächen geschaffen haben, wenn die eine bälfte mit der anderen »brauges« ist, am meisten beschäftigten Kommissio- 232 i