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Der Orden Bne Briss · 1925-11-01 · Nr. 11 - November (11.1925) · p. Seite 207

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1925
Issue
Nr. 11 - November (11.1925)
Date
1925-11-01
Page
Seite 207 (sequence 13)
Language
German
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wurde, da enthüllte Sich jedem früher oder später die ganze Sinnlosigkeit des Krieges. In dem Chaos,; das sich in der seelischen Not und Ratlosigkeit des einzelnen widerspiegelte, wurden viele von! den wesentlichen Werten des Lebens erfaßt, sie} sahen, wie viel Flitter und Schwindel früher den Hauptteil ihres Scheinlebens ausgefüllt hatten, wieviel wahres Leben hinter den Erscheinungen steht, wie viel Realität die unsichtbare Welt inj sich trägt. Viele fanden da zurück zum alten Glauben, viele.entdeckten ihn neu, alleabersehntei sich aus der Friedlosigkeit und Unordnung heraus) nach einer höheren Ordnung und Harmonie, nac! dem Frieden. Die Friedensbewegung unserer Zeit hat diese: grundlegende Erlebnis vor der früheren Epoch voraus. Ihre Menschen kommen aus schwerei Prüfungen; sie haben gerungen, nicht nur mi dem Feind, mit den Nöten und Widrigkeiten ihre: äußeren Lage, sondern mit sich selbst. Und ersj indem siesich selbst irgendwie überwunden haben} sei es ihre Bequemlichkeit und Schlaffheit, sei es ihre Eitelkeit und Ehrsucht, sei es ihre Eigensuchjt und Bosheit, erst auf diesem Umwege sind sit gute Kameraden, mutige selbstbeherrschte freip Menschen geworden, die sich heute nicht mehl so leicht in eine kollektive Feindschaft hinein!- hetzen lassen, die auch im Gegner den Menscheh achten und durch großmütiges Entgegenkommen ihn zu entwaffnen und ihn sich zu verbünden suchen. Der Typus des aktiven Pazifisten fängt si bei sich selbst an: er bekämpft den Gewaltgei^t in der eigenen Brust, er weiß aus eigenem tragisch Erlebnis, daß in der menschlichen Seele Trieb Anlagen, Neigungen, Strebungen von verschiedenstem Werte schlummern; s|e können beherrscht und harmonisch entwickelt zu Kraftquellen werdeji, sie können aber auch eruptiv losbrechen und alles, was ihnen jn den Weg tritt, überwältigen uqd zerstören. Nur die Unterordnung unter ein höheres Prinzip, die freiwillige Disziplinierung urjd die Einordnung in ein größeres Ganzes vermäg die natürlichen Anlagen zu organisieren, und säe so zur vollen freien Entfaltung zu bringen. $o wird es dem Einzelmenschen möglich, sein Triebleben zu zügeln, und den Einbruch in die Persönlichkeit des anderen zu verhüten; so findet sein Erwerbsegoismus eine Grenze an den Rechtsansprüchen seines Kontrahenten. Mit anderen Worten: der Konflikt, in den die, Menschen raturnotwendig täglich, stündlich getrieben werden, wird gelöst durch Entgegenkommen und Aus* .gleich; aus dem Gegner wird ein Verbündete ■ und dadurch die Eigenexistenz in höherer und dauerhafterer. Form gesichert, wie das durch Gewalt und Ufcbervorteilung möglich war. Dieser Weg der Behandlung und Löfung von Konf ikten ist von noch viel größerer •Tragweite bei Differenzen zwischen Mensehengrüpffen, seien es Parteien, Klassen oder Völker; ^uctrhü r handelt es sich'darum, die Gegensätze zu übirbmcken dadurch, daß man bei aller Wahrung de; eigenen Standpunktes Verständnis zu gewinnen;ucnt für. die Schwierigkeiten und Lebensnotwendig! :eiten des Gegners und auf Grund dieser Einsicht eine gemeinsame Basis anstrebt. Solch ehelicher, auf Liebe und Gerechtigkeit gegründeter Versändigungswille führt ohne weiteres zur Wiird gung der Motive des^Gegners, zur Achtung vor s ‘inem Standpunkt, zu gegenseitigem großmütigen Ve rzicht und zum Bündnis. Ich glaube, daß auch für jüdische Parteien eint solche geistige Auseinandersetzung auf dem Boden gegenseitiger -Achtung und liebevollen Verstehens möglich wäre. Man könnte hier den nahejiegenden Eir wand machen, diese Vorschläge seien Hirngespinste ideal stischer Schwärmer, die ebenso wie die früheren Pazifisten die fealen Lebensbedipgungen außer acht lassen. Die Realisten sagen dagegen: Die Beziehungen von Mensch zu Mensch mögen durc i moralische( religiös determinierte Grundsätze geregelt werden können. Die Kämpfe von Parteien, die Konflikte von Völkern spielen sich auf einer anderen Ebene ab, in der Politik , gibt eis keine Moral, da gibt es bloß eines: sich rücksichtslos durchzusetzen, sei es mit physischer Mac hf,.sei es mit geistiger Vergewaltigung. - Der große englische Staatsmann Glaristqne, der licht im Verdacht steht, ein wirklichkeits*- frem Jer Ideologe zu sein, faßt das Ergebnis seiner reichen politischen Erfahrung in die V^ort;: was m o ■ a I i s c h falsch ist, das kann gar nicht politisch richtig sein. In unserer Zeit ist esFricdrich WillielmFörster, der auf Grund seiner um Fassenden tiefen Kenntnis der menschlichen &ee)e 1 larlegt, daß nur eine Politik, die das Sittengesetz-berücksichtigt, auf die Dauer erfolgreich sein und gesicherte Zustände schaffen kann. Ich w ill versuchen, seine Gedankengänge in Kürze darzuleden. 207

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