Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1925
- Issue
- Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1925)
- Date
- 1925-10-01
- Page
- Seite 189 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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Wer kannte wie er den schweren Weg die fremden Treppen auf und ab, wer wie er die Irrfahrten von Ort zu Ort und die Qijal der Heimatlosig. keit, die das Schicksal des Dichters'war? Aber al< er jetzt zum zweiten Mate den Tajo überschritt nannte er einen großen Difhternamen sein. Denn ein tiefer Glaube an die göttliche Hand, die übe ’ ihm waltete, hatte ihn rein durch Feuer und Wasser geführt und an einem Bettlerschicksal seinen Genius erprobt. So kehrte Jehuda Halevi damals in die Heimat zurück, um künftig als Arzt und Helfer dem Leben zu dienen, nachdem er jahrelang dem Ru hme gedient und allen Phantomen der Welt. ' III, In einer Sommernacht des Jahres 1141 saß ,h einem der Marmorhäuser, die die VorstädteJ Kordobas zierten, der alte Mann, den der Norde i nicht hätte f^sthalten können, und der nun in der schönen Stadt am Guadalquivir die Muße genoß, die ihm ein glüdtlicheres Alter veigönnte. Da saß er in der Stille der Nacht und schrieb beim Scheint einer Ampel die letzten Zeilen eines Buches nieder, das ein volles Jahr lang seine Seele ’ bedrückt hatte. Das Buch hatte die Form eines Zwiegespräches angenommen, das der sager •> hafte Fürst der Chosarenf der die Wahrheil suchte, mit dem Rabbi hatte, der sie ihm bringe r sollte. Er brachte sie ihm, indem er ihm d c: heilige Lehre der Offenbarung, des Prophetentum >j der Seelengluf, der Inbrunst und Gottesliebe bracht und nun schrieb er die letzten Zeilen nieder urcjl es wurden Zeilen der Sehnsucht, die er schriet j: Was der Dichter gesungen ein Leben lang, sag e hier noch einmal der Weise und sprach von Zio j. Draußen leuchtete die perlmutterne Nacht, d;|e Sterne waren zum Greifen nah, dunkel ragten d je Zypressen,'als er diese Worte dem Rabbi in'dcp Mund legte : i »Es ist Zeit, Zion zu begnadigen, und die Stünde ist da, wo deine Knechte seinen Staiib und seine Steine wieder umarmen werden, vjo Israe ls Kinder mit der Sehnsucht aller Sehnsucit nach Jeruschalajims Trümmern schauen werdet, das aufs neue ersteht.« »Ist dem so,« schloß der Chosare, »wer wilj dich dann halten, ohne zu sündigen, wer dir nicit helfen, da Helfen Gebot? So gebe dir Gott, wis du begehrst, er schirme dich, er stütze dich, it lohne Ja, ich Allieb^i gleich. dir dein reines Her* und was.es trabtet! bekenne nun, er ist der AHgütjge, <r der ' :nde, er der Allohnende, fimd keiner Amen, Amen und Selah!« Als der Dichter diese Worte geschrieben entfiel ihm die Feder, er atmete, tief schwer, lehnte sich zurück... und -starrte ihm hatte, lind in die Ampel. Die Burg Zions tauchte vor ‘ seinen Augen auf, ihre Türme und Zin/len, die. er so besun jen hatte, er sah( im Geiste di^ Herden weiden auf den heiligen Stätten der Väter, und hörte das Summen der Bienen auf .defi Triften Kana ms. Da erlosch plötzlich die jAmpel, - ein kühle1 Wiridstoß fuhr durch das offene Fenster 4§d wehte das letzte beschriebene Bläh.von Tisch herab, Da schauerte ,der alte Dichter - zusanmen und uchloß schmerzhaft im Dunkel dieAugen;? I 1V- -/.'j ror den Toren Jerusalems saß auf einem J ein Wanderer. Er stützte die Hän Je -auf einen Stock und das Kinn äüf die Hände, aber seine Augen gingen aufgeregt hin und her. Viele Menschen zogen durch das Tor an ihm vorüber, e Stadt, aus der Stadt, Pilger mit Fahnen, ende Eseltreiber, Karawanen mit Kspielen, in d sdire er sa(h sie nicht. Er hatte eine weite Reise hinter sich, weiter als irgend einer vori denen> die; n ihm vorü jereilten. Er gedachje des Abschieds von der span sehen Heimat, der trauernden Freunte, die noch einmal seinen Ruhm gefeiert, ' des engen . SdiiFs, das ihn über die Fluten des hiittc imeers trug, des Sturms, der ihn an die Küste Aegyptens vers hlug und schließlich der rauschenden feste, mit denen man ihn dort empfangen r’und;;efeiert hatte. Durch all diese Monate aber-, hoch über Absfdiied, Sturm und Ehre hatte er die Fahne seiner Sehnsucht nach Zion getragen — bis hierher. I Nun war er am Ziele und hörte ar abische Esdyeiber Holla schreien, christliche Pilger Li aneien murmeln und saß da im Staube der Stra 5e und seine Augen gingen aufgeregt hin und her. Er wußte, in wenigen Minuten -würde et du ch das Tor gehen und bald auf der Stätte sein, wo einst der heilige Tempel stand. Er wußte, in der nächsten Stunde würde er die letzte Waid dgs Heiligtums küssen, die noch da war, u id die Brüder begrüßen, die in ihrem Schatten weinten Tag und Nadir. Aber nun laß er da und rührte sich nicht, nur seine Augen gingen aufgeregt hin und her und sahen das fremde Volk, das vor ihm 189