Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1925
- Issue
- Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1925)
- Date
- 1925-10-01
- Page
- Seite 167 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Graetz ist der Livingstone und Stanley (der Geschichte der Juden. Entdecker von Neuland, vermöge einer Gabe, die er in hohem Grade besaß und die zugleid) seine Genialität und seine Verführerin ist: Intuition. Er hat nicht den Ehrgeiz philologischer Akribie und es ließ ihn kalt, wenn ihn Jpeinlichere Gelehrte darum nicht für voll ansahen« Ihm lag' an der Wirkung seines Werkes auf das jüdische Volk.' Ettieher und Wecker zu neuem jüdischem SelbstbeWußtsein wollte er werden. Das “aber vermag nur eine. Persönlichkeit von impulsiver temperamentvoller Subjektivität. Neben seinem Hauptwerk schuf Graetz eine schier unübersehbare Fülle von Arbeiten. Lieblingsneigung trieb ihn in späteren Jahren zur Bibel, deren Goldglanz er durch Konjekturalkritik von Schlacken zu reinigen suchte. Er veröffentliditej auf diesem Gebiet Kommentare mit Uebersetzungi zu Kohelet, dem Hohelied und den Psalmen. Vor! seinem Tode plante er eine tjextkritische Ausgabe der ganzen Heiligen Schrift. Auf dem Gebiet def Bibelexegese feiert seine geistreiche Kombinationst gäbe die größten Triumphe, verleitete ihn abep vielfach zu phantastischen Hypothesen. | C f VCrie als Gelehrter war Graetz grpß un l von , fruchtbarer Anregung als Lehrer. Vielen Sciülem ward er ein Freund, und wem er,einmal Freund geworden, der konnte seiner sich nie verleugn :tjden, stets bereiten Freundschaft sicher sein. 1 j Sein äußerer Lebensgang ist der typische der großerj jüdischen Gelehrten von älters her; »Brot Iz essen, zugemessenes Wässer trinken, auf •de schlafen, dürftig leben und unter Mühen ’isSen erringen « Vom altorthodoxe t Tal» len in kleinen Posenschen Gemeinden — er ist Il8jl7 in Zerkow <Posen>, geboren — fühle ihn seiij^Weg über die Neu-Orthodoxie Samson I aphael Hiijscn's, zu dessen Füßen ,er lernend sa), zum Lehrer am Breslauer Seminar und Honprarpr afessor an | der Universität Breslau <dort 189t gesr.X In allgn Wandlungen ist er der großen Liebe zu seinem jüdischen Stamm und dem Glaubet). an die geschichtliche Mission des Judentums treu geblieben unjl ^ar' 'n<^ern er dem Judentum in seinem Gettswerk ein monumentales, Denkmal gestiftet sich selber ein Denkmal gesetzt aere pe ennius. H( inrich Uraetz-Loge, Breslau.. n cj na Hermaki t l V on I Br. Jacob jKlatz Viele jüdische Denker gingen darauf aus, Fried zwischen der Forschung und dem Judentum zu stiften, Sie und suchten lange nach einem befriedigenden Ausgleich, bis es ihnen zur Not gelang, eine kleine Dosis auswärtiger Philosophie dem starken Organismus des Judentums zuzuführen/ Sie räumten ihr eine untergeordnete dienstbare Stellung im Judentum ein uhd beschwichtigten damit ihr philosophisches Gewissen, befriedigten das Bedürfnis nach Versöhnung des Glaubens mit der Forschung. Hermann Cohen <1842—1918) aber suchte nicht nach einer Legitimation für das fremde Denken und nach Beziehungen zu ■ihm in der Lehre Israels. Er kam von der Philosophie zum Judentum, und nicht umgekehrt. Seine Weltbetrachtung, die Forderung einer Ethik auf dem Grunde der Idee und dek Absoluten, hatte ihn zur Lehre jdes Judentums geführt, die er zu einem System erhjob, um es in die Philosophie einzugliedem. I •j- 167 ohen£ n, Berlin. j So hat er dieser Lehre einen neuen Weg gebahnt, hatte sich bisher in Selbstbeschränkung ui rÜ natioer Begrenzung erhalten können, anderersiits vermähle sie nur in Entstellung zu dem Gemisch der Viölker und Völkersplitter zu dringen, die hf Wort verkehrten, ihre Lesung fälschten und ihre V eedienste leugneten. Jetzt erst kann diese Lehre^ da sie durch die Weiten und Tiefen der Philosophie geg inigen ist, zü einer Weltanschauung werden. Wird' lie Lehre Cohens die ihr gebührende Stellung emnei)rtten,.so w|i rd sie der jüdischen Ethik vor dem Fpijnm der Wissenschaft methodische Anerkennung ve rschaffen. Man wird ihr in den Geisteswissenschaftleri, in ihren Spriften und auf ihren Lehrstühlen Platz gewähren m issen — als einer besonderen -IJlenkart, einer besonderen Wertungsart. Hermann Cohen-ist der Ausgangspunkt einer philosop hischen Schule der jüdischen Et h i k>i Er ist qer erste