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Der Orden Bne Briss · 1925-10-01 · Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1925) · p. Seite 163

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1925
Issue
Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1925)
Date
1925-10-01
Page
Seite 163 (sequence 35)
Language
German
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Sympathie alles umfaßt, was in verwandtem Geist dem Ewigen zustrebt. Dies bedeutet vor allem der Name Kants, den die würdige Kant-Loge in Königsberg führt. Der tiefer dringende Blick erkennt, daß die Kantisdie Philosophie in der Ablehnung der religiösen Dogmatik, der Auflösung dies Anthropomorphismus in der Gpttesvorstellung, n der Lehre von der Heiligkeit Gottes und seiner sittlichen Weltregierung, der Forderung des Gottesdienstes der sittlichen Tat, der die Menschheit zum Bruderbünde eint, der Anerkennung des sittlichen Wertes als des über den Wert der Persönlichkeit entscheidenden, der Anerkennung der Freiheit des Willens entgegen allen Leidenschaften ..das Gute zu tun, ja selbst in dem Rationalismus jüdischer Lebensanschauung und jüdischem Geiste verwandt ist. Dies so gewiß, als der Calvinismus, der seelische Grund der Kantischen Philosophie, das Gottesbewußtsein des allmächtigen und heiligen Gottes und das Ziel des menschlichen Lebens, durch die sittliche Tat das Gottesreith zu ‘verwitklithen, aus unserer Bibel gewinnt. Kant selbst kam das nicht zum Bewußtsein, er kannte und schalt das Judentum nur als ein Gerüst von Gesetzen. Wohl ist das Temperament des Philosophen ein anderes, als das des religiösen Genius/ sieht jener die Welt vom erkennenden Ich, so die Religion die Welt vom sjdiaffenden Gotte aus. Wie aber die tiefsten Einsichten des Intellekts aus der Sphäre des emotionalen Lebens, der Welt der Gefühle, stammen und die religiösen Intuitionen nicht anders als in Vorstellungen und in sprachlichen Symbolen, die der Intellekt gjebildet, sich kund tun, sind Autonomie und He^eronomie wohl logische Gegensätze, psychologisch aber geeint in dem Geheimnis des schöpferischen Lebens der Seele. So spricht es die Thora aus: Denn dieses Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht ’ verborgen und ist nicht fern von dir. Nicht ist es im Himmel, daß, du sagest, wer steigt für uns zum Himmel und holt es uns, läßt es uns vernehmen, daß wir es tun. Und e; ist nicht jenseits des Meeres, daß du'sagst,. wer geht für uns hinüber über das Meer und holt, e; uns, läßt es uns vernehmen, daß wir es tun. Sonder 1 ganz nahp ist das Wort in deinem Munde und, i 1 deinem Herzen es zu tun« <V. BM. 30, 11—14 . Und Kant läßt nirgends den religiösen- Qrund seiner Philosophie deutlicher fühlen, als 'wenn er die Macht des Sittengesetzes in der Seele des Menschen in der Sprache religiöser Ergrjffenhe it schildert: >Es liegt so etwas Besonderes in d:r grenzenlosen Hochschätzung des reinen, ^ron: allen Vorteil entblößten moralischen Gesetzes,’ so wie ts praktische Vernunft uns z ir Befolgung vorstellt, deren Stimme auch den kühnsten Frevler zittern macht und-11 in nötigt,' sich yot*- seinem Ai» blicke zu i verbergen, daß man sich nicht wundem darf, diesen Einfluß einer bloß in- < * tellektuellen; Idee aufs Gefühl für spekulative Vernunft unergründlich zu finden und sich damit begnügen -zu müsstn, daß man a priori doch noch so vjel einsehen kann, ein solches Gefühl sei unzertrennlich mit der Vorstellung les moralischen Gesetzes in jedem endlichen vernünftigen ’ Wesen verbunden«. <Kr. d. prakt. Vernunft 1. T. I.B.; 3. Hauptst.) j! . Der Orden würde sich selbst aufgeben, wenn er die Mahnung Kants vergälte, unsere Gem:inschafjt nicht zu einer bloß konfessionellen erstai ren zu lassen. Sich kulturell, d. L zu menschliciem Wirken verpflichtet zu fühlen] mit den * tief »terv Kräften der Persönlichkeit nicht! der Welt der Erscheinungen, sondern durch die sittliche Tat lern Ewigen zü gehören, die Eigenart der Völker licht zu feindlichem Gegensatz innerhalb der Mensc »heit zu steigern, sondern an ihrer Versöhnung zi arbeiten und so dem Frieden und der.Gerechtigkeit zu dienen, ist Kant's Forderung upd tief$te| Be-‘ Stimmung unseres Ordens Bnei Briss. Kant- Loge, Königsberg. 163

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