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Der Orden Bne Briss · 1925-10-01 · Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1925) · p. Seite 147

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1925
Issue
Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1925)
Date
1925-10-01
Page
Seite 147 (sequence 19)
Language
German
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Michael ^Sachs, Vön Br. S. GoldsAmidt, Breslau. In der Reihe religiös-schöpferischer Persönlichkeiten, die das deutsche Judentum •im 19. JahrV hundert bei der Umwandlung und weitgehenden Veränderung seines! Geisteslebens hervorgebracht har^ steht Michael Sachs, der große Prediger und Gelehrte, nicht an letzter Stelle. Er war ein Bürger zweier Gedankenwelten. Seine Kindheit erhielt durch den Geist, der in Seiner Heimat» // gemeinde Glogau lebendig war, jene Ausprägung, die sein ganzes Wesen und Leben bestimmte. Das alte überlieferte Judentum, das er aus Bibel und Talmud kennen lernte, besonders die Bibel, ihre Gedankenfülle, * die Schönheit ihrer Sprache und Form, haben nicht nur tauf die Seele des Knaben starken Eindruck gemacht, sondern die ganze spätere Geistestätigkeit des Mannes beeinflußt. Mit dem Geistesgut des alten Judentums verband sich die Welt der Griechen, ihrer Dichter und Denker, besonders Platos zu vollkommen harmonischer Einheit in seinem Geiste. So konnte er, mit den besten Kulturgütern der Antike ausgestattet, Führer zu neuem Leben werden. j Sachs hat die Bewunde* Atng der Mit» und Nachwelt vor allem als Prediger errungen. In .Prag und vor allem in Berlin durfte er jahrzehntelang eine reich gesegnete Tätigkeit entfalten. Auf der Kanzel kamen seine Geistesgaben vollkommen zur Geltung, Kraft und Würde, Begeisterung und Schwung, Schönheit der Form und Gedankenreichtum haben seinem Wort Herrschaft und Wirkung auf das Gemüt seiner Zuhörer gesichert, von denen -wir uns aus den begeisterten Berichten derer, die sie miterlebt haben, die rechte Vorstellung machen können. Damals war eine Predigt in Berlin noch ein Ereignis. Die darin vorgebrachten Gedanken wurden lebhaft, besprochen. Noch viele Jahre nach Sachs' Heimgang erzählten seine Zuhörer mit leuchtenden Augen von dem Erlebnis, welches Sachs' Predigt für sie bedeutete. Mit unerbittlicher Strenge, beseelt von lauterster Wahrhaftigkeit, te kämpfte er die Hohlheit und Oberflächlichkeit, die damals die ihm teuren Heiligtümer des alten Jjudeh» tums zu verdrängen versuchten. Er war ejn entschiedener Gegner der Reform, die unter Hqldheim> Führung sich als »deutsch-jüdische Kirche«’ konstituierte. Er verfolgte diese Neügründung mit Hohn und Spott, und sicherlich ist /«st. seinem Einfluß mit zuzuschreiben, daß sie keine weite Verbreitung finden konnte Sein Wort hat, wie Grätz mit Recht betont, dem Judentum viele treue Anhänger zugeführr. Als Schriftsteller und Gelehrter ist Michael; * 1 Sachs nicht in demselben Maße bekanrjt 'geworden Seine Studien galten - det hebräischen Sprache ünd‘Dichtung. Seine eigene, poetische Veranlagung drängte, ihn, die Blütezeit' religiöser Dichtung dem größeren Publikum durcf schöpferische Nachbilderg.uTic Ausgestaltung näher zi brim gen und zu vermitteln Di« | »religiöse Poesie der* Juder in Spanien«, die’’ »Stimmer vom Jordan und Eitphrät« und in gewissem ' Sfnn« ' auch seine . U^berSetzunj der Festgebete , und de i Gebetbuchs verfolgter!' da; gleiche Ziel : sie sollten beweisen, daß die Geistes < arbeit des jüdischen Stammes niemals-aqfgehör t, hat, und die dunklen und trüben Zeiten, int denen Not und Verfolgung die Schwingen des Geiste > hätten lähmen müssen, gerade die wundervollste 1 Blüten der Poesie hervorgebracht haben; J Sein: eigenen; Dichtungen zeigen vollendete Herrschal t über die Form, tiefes Gemüt, eine abgeklärt» Lebensanschauung und hohe Gedankeh. AlsjUebei» setzer zeigt er eine nicht leicht zu überbietende Meisterschaft, 'und viele seiner poetischen JUebei - tragungen im Festgebetbuch sind Gemeingjut und Quell religiöser Begeisterung und frommer Gesinnung geworden. ’ Kämpfe sind Sachs in seiner Amtstätigkeit nicht erspart geblieben. Er hat auch Kjänkur g — 147 -

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