Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1925
- Issue
- Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1925)
- Date
- 1925-10-01
- Page
- Seite 141 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/6727475-6029128-6074658--0897-4867563- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
dem er schon 1848 — 1852 angehört hatte Im folgenden Jahre wurde ihm, wie bereits erwähnt, das Innenministerium übertragen. Der Eintritt Lameys in die Regierung bildete einen Wendepunkt in der badischen' Geschichte. Es begann eine wirklich liberale A^ra, die damals Baden den Ruf des »Musterlandes« feintrug. Neben einer gründlichen Verwaltungsrefolm wurde das Recht der- Freizügigkeit und Gewerbefreiheit für alle Staatsbürger eingeführt. Es lag in der Konsequenz der Lamey'sehen Gesetzgebung, daß nun auch die für die Juden bestehenden gemeindebürgerlichen'Ausnahmebedingungen fielen. Und so legte er 1862 den Landständen einen Gesetzentwurf »die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten betr.cvor. Das Gesetz sollte den badischen Juden völlige Gleichberechtigung geben. Da hierin lauch der in vielen Gemeinden den Bürgern zustehende Almendgenuß <Aecker> Holz u. a.> inbegrilfen war, erhob sich alsbald ein gewaltiger Petitionssturm gegen das Gesetz. Im ganzen Lande wurde v on unbekannter Hand ein lithographiertes Formular verbreitet, das die althergebrachten Anschuldigun jen gegen die Juden enthielt und den Landtag zjm Widerstand gegen die Vorlage aufforderte. Lamey machte sich unbeirrt an die Arbeit, ,urid die Vorlage wurde in beiden Kammern angenommefi - »Der Umstand, daß dies Gesetz im Lande nichj beliebt ist«, führte Lamey bei den Verhandlungen aus, »darf uns nicht absdiredten/ denn alle Vorurteilsfreien müssen gestehen, daß wir die Verpflichtung naben, die Juden zu vollberechtigten Bürgern des Landes zu erklären«. So war also den badischen Judenl durch Lameys entschiedenes Eintreten endlich völlige G leid iberedijtigüng zuteil geworden. ' - * j Bei Ausbruch des Krieges von 1566 schied Lamey aus der Regierung aus und trai( w eder in diejReihen der Volksvertreter ein. Er gehörte dem Landtage, Jessen Präsident er lange jah e war, bis 1892 an pnd zwischenhinein <1872> auh dem deutschen Reichstage, wo er für die Gisetzesvorlagen zur Ordnung der staatsrechtlichen Stellung von Elsaß-Lothringen zum BerichterSta ter bestellt war. Die letzten Lebensjahre verbuchte er in wohlverdienter Ruhe in Mannheim, bis am 1<4. Januar 1896 »den starken und milden, schliditcn und gerechten Mann«, wie ihn eine ihm vom ,Obe rrät der Israeliten überreichte Dankadresse treffe n.d charakterisiert, dfer Tod aus seinem arfaeitsrei« her Leben abrief — getrauert von allen, die z i schätzen wußten, was er für seine Heimat ur d über sie hinaus gewesen war. i Als ktirz nach dem Hinscheiden Lameys mser Orcjlen auch in Mannheim eine Pflanzstitte zu errichten beabsichtigte, lag es nahe, daß die mil den Vorarbeiten betrauten Brüder sich, an 'lie \X itwe 'des verdienten Staatsmannes mit der Bitti wan dten, der zu begründenden Loge den! Name i »August Lamey« beilfegen zu dürfen. So wird das Andenken des badischen Sttatsunjd sein Werk, solange marines dauert — [und wir wünschen seinen Bestand alle Gabriel Rießers Lebensarbeit Vergangenheit an/ die Fragen, die ihn beschäftigten, die Forderungen, für die er kämpfte, sie bewegen uns heute noch in einer völlig veränderten Welt. Rießer ist der erste politische Führer des deutschen Judentums. Das Beste des deutschen und des ^jüdischen Geistes prägten seine Kampfnatur zur Geschlossenheit eines neuen Menschentypus. Sein Leben reicht noch zurück in die Zeiten des Schutz- Gabriel Rießer* Von Br. Julius Gofdstein, Darmstadt, gehört nicht der Judentums/ sein un; Zeiten' — und überall, wo fr sich luden in Ehren genannt wen len. gust Lamey - L o g e , Mannheim. für. ausbrfeitet. unter uns Au Werk hat den deutsch in Staats» die f 'die er Crden ede sten deu sehe bürger schaffen helfen. Er trägt Kräfte jüdischer Vergangenheit in Zukunft. Rießer gehört zu den schidcsalsvollen Menschen, den'in die Aufgabe seiner. Zeit innere Notwerdigkeit des eigenen Wesens wird. Das gjbt allen seinen Schriften die beschwingte Kralt/ unpersönliche Zeitmächte läutern die jj>ersön iche 141