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Der Orden Bne Briss · 1925-10-01 · Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1925) · p. Seite 132

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1925
Issue
Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1925)
Date
1925-10-01
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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,4_. Im Sommer bezog Auerbach die Universität | Tübingen zwecks Studiums der jüdischen Theologie. Gleichzeitig schloß er sich der Burschenschaft »G?r» i mania« an? welcher er auch dann seine Treue be-! wahrte, als der Staat sie wegen ihrer demokratischen | Tendenzen zu verfolgen begann. Ein rechtzeitiges j Ausscheiden aus der Verbindung hätte dem jungen : Theologen Imancherlei Ungelegenheiten erspart,- er 1 aber lehnte ein solches mit der Begründung ab:; »Auf unserer Konfession ruht der Vorwurf der | Zaghaftigkeit. Ich fürchtete deshalb aus falscher i Scham den Spott. Es hätte gleich geheißen: D I seht, die Juden!« Unter Verzicht auf ein ihm verliehenes Staats» | Stipendium übersiedelte Auerbach auf die Universität! München. Hier ereilte ihn das Schicksal: mitten j aus seinen theologischen und philosophischen Studien; heraus ward er'verhaftet und bei der Rückkehr! nach Tübingen von der Universität relegiert. Eine j ihm zudiktierte achtwöchige Festungshaft auf dem Hohenasperg traf ihn weniger'hart als dje behörd»; licherseits angeordnete Ausschließung von der Rai bi» \ natsprüfung. War es ihm nicht vergönnt, von der : Kanzel herab Wahrheit und Liebe zu verkünden, so stellte er fortan seine Feder in den Dienst fder Aufklärung über Wert und Wesen der Gemein» Schaft Israels. Gehässige Angriffe wehrte er| in seiner Schrift »Das Judentum und die neueste Literatur« ab,- Charakterfestigkeit, die eine ehijen» volle Stellung nicht um den Preis des Glaubens» Wechsels erkaufen will, empfiehlt er in seinem zweibändigen Rdman »Spinoza« zur Nacheiferung,- den Kampf zwischen starrem Festhalten am Althergebrachten und freudigem Zugreifen zu dem lockenden Neuen spiegelt sein »Dichter und Kaufmann. Ein Lebensbild "aus der Zeit Moses- \Jen^" delssohns« wider. - j Diese' tastenden Versuche verblassen gegenüber der Dichtungsgattung, die später seine ureigenste Domäne werden sollte, den »Schwarzwälder Dorfgeschichten«, die trotz ihrer Lehrhaftigkeit -und des stellenweise* theatralischen Aufputzes ihrer Gestalten nicht nur bei ihrem Erscheinen ejinen beispiellosen Erfolg zeitigten, sondern auch hieute noch ihre dankbare- Leserwelt finden. Gusfav Frey rag nannte die »Dorfgeschi&iten« ein > literarisches Ereignis, ja eine wahre Erlösung von der öden Salonliteratur, die französischen Vorbildern nacheiferte«,- Jakob Grimm begrüßte jhren Verfasser als »einen der großen deutschen Dichter«. [Ein weiterer Band Dorfgeschichten, »Her u. a seine berühmte Novelle »Die Frau Professorin enthalt, zeigi ihn weit sicherer in der Technik künstlerischen Gestaltens, markiger und khapper in v seiner Darstellung. Diese Fortschritte sindl in seinen Meiiternovellen »Joseph im Schnee«, »Birfüssele-. Und Vor allem indem erschütternden Charaktergemälde »Diethelm von Buchenberg« (allesamt bei Reclam in Neubearb :itungen erschienen) unverkennbar. ISeine Romane »Neues Leben*, »Auf der Höhe« und »Das Landhaus am Rhein« haben trotz, "ifired Umfanges nicht im entferntesten die Beliebtheit der Dorfnovellen gewonnen. Obwohl Auerbach! in den siebziger Jahren bereits eine Abnahme seiner dichterischen Kräfte spürte, kehrte er do<jh noch) einmal — freilich ohne nennenswerten Erfolg — zur Dot-fnov eile zurück. Dazu lähmte ihm das Widdererwa hen der judenfeindlichen Bewegung in Deutschland, unter der er — der Vorkämpfer für Toleranz und Humanität — besonders Spwer litt, jede seelische Kraft. Verbittert und gekrankt durch die gehässigen Anfeindungen, denen er seine Glaubensgenossen ausgesetzt sah, .schien er gern aus diesem! Leben, als er am 8. Febquar 1882, kuri vor seinem 70. Geburtstage, zu (Cannes in Südjfrankreii h die Augen zum ewigen Schlummer schloß. Seiner letzt willigen Verfügung entsprechend, wurde er auf dem jüdischen Friedhqfe seines Heitnatsdor es Nordstetten beigesetzt. Weil ihn sein Lebensweg mit defi Hochge borenen dieser Erde zusammenführte er war eine! Zeitlapg Vorleser bei König Wilhelm I. und ein jjemgesthener Gast im Hause des Kronprinzen Friejdrich \ Wilhelm — hat Auerbach Idoch zeitlebens der Kämpfen um die Beseitigung aller bürgerlichen Trennungsschranken zwischen^ Juden und Christen willig seine glänzende Feder und seine feurige Beredsamkeit geliehen. Wenn Buden tim ihrep Glaubens willen litten, war er den erste, der das; Gewissen der deutschen Judenheit wachrüttelte. Alsj die T almudschulen infolge ihrer unzeitgemäßen Lehrmethoden verödeten, verursachte ihm das Fehlien des; rabbi tischen Nachwuchses schwere Sorgen. Die Bestei in Israel, Abraham Gefcger voran, waren seine persönlichen Freunde/ und als er sich auf der Höhe seines Ruhmes, abei bereits jm Gefühl nahenden Feierabends, nach einem Tusku« lunj ums ehr, um hier seine Tage riedlich zu besthließeii, will er dies Heim nur im Schoße einer jüdischen Gemeinde wählen. Sein Wunsch ging

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