Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 8/9 - August/September (8.1925)
- Date
- 1925-08-01
- Page
- Seite 134 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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wieder auf ihr Erbgut,, sie schlossen Karree um die altheilige Fahne und. gründeten — neben ändern zentripetalen Institutionen wie Zentralverein upd Literaturvereinen — die Logen, um in ihnen, m neuer Form, doch gesinnungstreq, ihr Eigenstes zu pflegen. Und häute dürfen witgestehen: Das Werk ist gelungen! Haben auch andere Faktoren dabei mitgewirkt, — der Orden hat doch Hunderttausende zur Selbstbesinnung begeistert; und gerade auch in Kreisert, die für die Gemeinschaft fast schon als verloreh galten, wird heute nicht bloß der Name Jude, sondern jüdische .Wesenheit, das spezifisc^i Jüdische, wieder geliebt uind verehrt!.|. Nun wjrd aber in unseren Tagen die Fra^e mit stärkerer Bewußtheit aufs neue gestellt: Wie soll für die nächste Zukunft das Verhältnis van Eignem und Allgemeinem, von Jüdischem und Menschheitlichem geordnet werden? In den Logen wie. außerhalb derselben? Hat eine dpr extremen Parteien recht, von denen die eiie nicht weit vom jüdischerr^Chauvinismus sieh entfernt, und die andere nicht weit von der Selbstaufgabe? Oder ist ein Mittelweg not-- wendig und möglich? j Wenn ich michfür diesen letzteren entscheide, so tue ich es nicht bloß, weil er seit Aristoteles allüberall für das wahrhaft Beste gilt, sondern weil die Begriffe des Allgemeinen und Eignen selbst es fordern! Denn das Individuelle, so wichtig es auch ist, bedarf doch' des idealen Einschlags als notwendige Ergänzung: sonst bleibt es eine hohle Form ohne Inhalt, eine Kraft ohne Richtung und Ziel, und muß ausarten in eigensinnige Sondierbrödelei und bizarre Donquichoterie. Auch die knorrigste Eiche hält sich an die Regel und trqibt Wurzel und Stamm und Blatt und Blüte! Eigenart ist das Gewürz in der Speise, und als solches notwendig, damit der Geschmack nicht fad wird; -aber vom Gewürz wird man nicht satt, und zuviel davon verdirbt die.Speise! Es ist nicht wahr, was Verlaine sagt: La nuance best tout; die individuelle Nuance ist v i e I, aber nicht alles: der Träger der Abweichung ijiuß eine normale Farbe bleiben! So wird auch das Judentum seine allgemeine sittliche und religiöse Wahrheit, die als Gemeingut für alle Menschen gedacht ist, allerdings für sich eigenartig färben dürfen durch das Brudergefühl einer Gemeinschaft, die über die ganze Welt verstreut ist, und durch seine geschichtlichen und religiösen Ueberliefe ungen: Wer nicht sagen kann Elohaj. mein Gatt, und Elohenu, unser Gott, der wird wohl Adönui. den lebendigen Gott aller Welt, nie erkannt haben urid nie erkennen! Wer aber desf alb nun immer nur sprechen würde: Sei Jude!; ' ver sich in die Brust wirft: Ich bin ein guter Juc e! Wir äind von Geburt Juden — und weiter nichts: ^der macht die Gemeinschaft zum Idol, und er wird di« zarte Maschine des Judentum; durch Leerlauf bald ruinieren: „Doch auch :in Sinn muß bei dem Worte sein!“ Dasselbe gilt auch für unser Logenleben! (Jnser Crden ist ja eine Judenheit im Kleinen: ^Jeber die ganze Welt zerstreut, eine gesc llossene Gesellschaft mit bestimmten Symbolen, so i^t er die Kerntruppe des priesterlichen Volces,: zumindest seiner Tendenz nach. Will er sich $elbst Und seinem Auftraggeber, der J jderiheit, treu bleiben, so darf er ganz gewiß seine jüdische Note nicht aufgeben, am wenigsten in einer Zeit, wcj Feinde von außen — und von innen! -r $ie zu Versetzen drohen. Jüdisch missen wir Sein und bleiben, — in der Zusammensetzung Unserer Bibliotheken, in unserer geistig« n Arbeit., in unserer sozialen Betätigung, in ihrer Art;und in dem Kreis der Menschen, denen wr sie zu-i ljute kobimen lassen. Wir wissen: Las heiße, weiße Sonnenlicht allgemeiner Wissenschaft und Güte ist! für den Menschen zu stark: Mur |„am arb’gen! Abglanz haben wir das Lebei“:;,Gar manches Herz verschwebt im allgemeinen, Doch widmet sich das edelste dem einen!* — Poch wehe uns, wenn nun die Farbe ihre (ilanz verlieren, und wir über dem Judentum das Menschentum vergessen würden, Kunst und Wissenschaft, Vaterland und Menschenverbrüderur g! Was nützt uns jüdische Geschichte und Literatur, wenn sie nicht neben unserem jüdischen Oefühl auch unseren Charakter verfeinert, vi rtieft und stählt! Was nützt uns alles jüdische uid Logen- Uruderftm, wenn es nicht unser Menschentum weiht und Herz und Hand uns heilig:! Wir haben vielmehr das Menschentum als |lie HauDtfarbe und das^Judentum al > ihre uns zemäße Nuance zu fassen (um das Bild noch einmal anzuwenden) und danach unsere Tätigkeit einzurichten. Um ein paar Beispiele anzuführen: 134