Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 8/9 - August/September (8.1925)
- Date
- 1925-08-01
- Page
- Seite 133 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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i ist, daß wir nicht Oberflächen-, sondern Edelwir gewinnen einen Standort zum Reiche der menschen sein sollen. Das ist der Gang zu den Gottheit, wo wir das tiefsinnige Wort iprechen: Quellen, zu den »Müttern«, zur Ursprünglichkeit, »Bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem ,wo das Sittliche sich von selbst versteht, und Lichte schauen wir Licht!« , ■ Menschentum und Judentum. Von Br. Rabb. Dr H, k; Als Aristoteles das Wesen derKunst bestimmte, sagte er, sie sei eine Nachahmung der Natur unter Fortlassung des Zufälligen und Herausarbeitung des Typischen: Noch in der subjektivsten Geistestätigkeit verlangte er das Allgemeine : Das ist Klassizität! — Als Goethe die Religion kennzeichnete, sagte er: „Im Innern ist ein Universum auch. Daher der Völker löblicher Gebrauch, Daß jeglicher das Beste, was er kennt, Er Gott, ja seinen Gott benennt!“ Das Allgemeinste, das es gibt, sagt Goethe damit, die Oottesidee, läßt sich nur in persönlicher Eigenart erfassen: Das ist Modernität! — Zwei Pole alles Menschentums kommen in dieser Gegenüberstellung zum Ausdruck, das Allgemeine und das Spezielle, das Normative und das Eigene, Individuelle, die Regel der universalen Wahrheiten, der Schönheits- und Sittlichkeits-Prinzipien, und das Einmalige, das in Millionen Formen der toten und organischen Welt, der Geister und Geistesprodukte lebt. Die Antike, der Humanismus und alle klassizistischen Richtungen halten nur die ersteren für wertvoll. Die Mystiker und Pantheisten der Renaissancezeit, ein Angelus Silesius und Giordano Bruno waren die ersten, die in jedem Einzelnen „die göttliche Zier“ erschauten; und seitdem dann Leibniz lehrte, jede Monade sei ein miroir vivant de l’univera, ein lebendiger Spiegel des Weltalls, gewann das Eigne von Geschlecht zu Geschlecht mehr an Wertschätzung, um in'Goethe und Emerson, Nietzsche und den modernen Expressionisten die höchsten Triumphe zu feiern.. Nun gilt die Persönlichkeit als das „höchste Glück der Erdenkinder“ und die individuelle Nuancierung des Ideals fast für wichtiger als das Ideale selbst, das Oute wird philiströs gescholten und das Wahre und Schöne kitschig; und die Eigenart jedes Dorfes, der Heimat, des Volkstums, der Konfession gilt für lebendiger als abgeklärte Menschlichkeit: Der Subjektivismus, das Reich der Seele, wie Rathenau es nennt, Fuchs, Chemnitz.' hat begonnen, in künstlerischer Kultur wie in Herrenmenschentheorie und Nationalismus. Das Judentum hat unter den Ausschreitungen dieser Zeitstimmung zwar mannigfach zü leiden. Trotzdem versteht es sie nur allzu gut. Unsere Propheten sind herrliche Beispiele dafür,. daß die allgemeine Wahrheit nur in starken Persönlichkeiten sich durchsetzt. Auch die talmudischen Weisen wissen, daß die Tora nicht in Himmel und Erde zu finden war, sondern nur bei dem Sohne Amrams, daß jeder Mensch seiht eigen Paradies hat, und glauben darf .und soll, um seinetwillen sei die Weht geschaffen. Mendelssohn begründet seine Toleranzforderung -mit der Anschauung, Oott wolle im Konzert der Mensch-* heit nicht öde Gleichmacherei und langweiliges Unisono, sondern Harmonie der verschiedenen Völker und Religionen unter Wahrung Ihrer. Eigenart; und Buber stellt als die seelische Grundtatsache der jüdischen Religiosität die Entscheidung für das Unbedingte hin, die natürlich nur im Individuum, in der Einzel- oder Massen- Seele, möglich ist. So schätzt das Judentum aller Zeiten - , neben den allgemeingültigen Geboten und Gedanken, die selbstverständlich seinen Kern ausmachen —., doch auch das Eigene in vieler Hinsicht als einen wichtigen Selbstwert. ' »■ ' Eine praktische Anwendung dieser Denkweise ist die Entstehung unseres Ordens in Deutschland! Während des ganzen Jahrhunderts* der Emanzipation hatte die Judenheit in West-> europa sich Mühe gegeben, „zu werden'gleich' den andern*1, und ihr Eigenstes aufzugeben'Twöil es von derti Moderduft des.Ohetto umwittert schien: Die „natürliche Religion“ des Deismus und die Moral des „gesunden Menschenverstandes“ sollte das Spezifische des Judentums ersetzen. Als aber eine Taufbewegung nach der anderen, erfolgte und der Antisemitismifs furchtbar. lehrte, daß die messianische Friedenszeit noch nicht gekommen, da besannen sich unsere Väter 133 —