Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 6/7 - Juli/August (7.1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 109 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6727475-6029128-6074653--0833-4867495- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und für alle Schrullen. Nirgends ist darum eine solche Fülle religiöser und kirchlicher Gruppen und Gebilde, der großen wie der kleinen, zu finden wie in der neuen Welt. Es ist ein freies Nebeneinanderleben, eine Demokratie der.Ueberzeugungen, in welcher jede Art ihre Möglichkeit und ihren Bereich schließlich haben darf. Und sie können alle in freier Luft wachsen und sich gestalten. Zwar hat die christlich-protestantische Kirche, zumal in ihren alten Richtungen, eine gewisse besondere Stellung. Es ist ungefähr so wie ein berühmter Rechtsgelehrter, Dr. Brype, es benannt hat, daß das protestantische Christentum zwar nicht als Staatsreligion, aber als Nationalreligion, also als nationale«, öffentliche Angelegenheit, anerkannt sei. Es gib) freilich, begreiflicherweise, auch kirchliche Kämpfe, dogmatische Streitigkeiten, die mit großem Eifer und oft mit hallendem Lärm ausgefochten werden, Kämpfe in den Kirchen und zwischen ihnen, und es ist dann meist so wie der große amerikanische Denker Ralph Waldo Erherson es charakterisiert hat: »Eine Verhandlung über Ketzertum ist Wie der Kampf zweier Hunde in einem Blumenbeet, er entscheidet über nichts als über die Blumen.« Aber das bedeutet doch nichts gegenüber jenem großen freien Nebeneinander, und vor allem der Staat als solcher identifiziert sich mit keiner Religion. Er tritt neben keine und.gegen keine; es gibt keine Landeskirche und keine herrschende Kirche. Der berühmte erste Zusatz zur Konstitution der Vereinigten Staaten ist in das allgemeine Denken und Fühlen übergegangen; er bestimmt: »Der Kongreß darf kein Gesetz geben, das eine religiöse Einrichtung betrifft oder deren freie Wirksamkeit hindert«. Jene große Mannigfaltigkeit wirkt ja auch in dieser j Richtung. Sie gewährt und verbürgt das Nebeneinander. In aufrichtiger Art und oft in herzlichem, .ehrlichem Zusammenarbeiten respektieren die religiösen Richtungen einander. Die Juden zumal, die das freie Land aufnahm, haben es so erfahren und in Dankbarkeit immer empfunden. Man kann es daher begreifen, was ihnen die amerikanische Flagge ist, warum sie ihr den Ehrenplatz in der Synagoge und im Logentempel zuweisen. Aus dankbarem Herzen kommt es, wenn das Lied angestimmt wird, welches diese Flagge rühmt und preist. Man I muß die Lebensgeschichte jener Menschen kennen, die aus der Bedrücktheit und Bedrängtheit, aus Verhältnissen der4 Kleinlichkeit und Engsinnigkeit einst in jungen Jahren fortgezogen waren und hier, in der neuen Welt dann ihren Weg in die~Weite und Fjöhe gefunden haben, um zu verstehen, daß ihnen ihr Land Amerika wie ein geweihtes Land, »Gods own country«, ist und das Sytnbol des Landes, die Flagge der Sterne und Streifen, wie etwas Religiöses ersdheirit. In der frischen Luft des Landes werden die Menschen zudem in ihrem Geistesleben und ihrer, religiqsen Art rasch neu bestimmt; sie werden hier geformt und gestaltet, und sie nehmen . Farbe und Gepräge, Ton und Ausdruck des Landes an. Von allen religiösen Gemeinschaften gilt dies, - sie werden in die große Eigentümlichkeit des Landes hineingefügt. Selbst von der katholischen Kirche ist dies zu sagen, auch sie ist drüben in. dfer neuen Welt amerikanisch geworden. Darum ist es nicht ein äußerliches Programm nur, wenn die Logen drüben in Amerika die Amerikanisatipn der neuen Ankömmlinge sich zur Aufgabe gjesetzt haben. Sie sind-überzeugt, und die Gesjchichte und die Erfahrung ihres eigenen Lebens gibt ihnen diese Gewißheit, daß sie damit ein wahres, sittliches Erziehüngswerk vollbringen; slie sind davon überzeugt; daß sie hierdurch das; Wohlwollen und die Brüderlichkeit beweisen,: welche zur Einigkeit führt.' Diese Einführung und Eingliederung in das Leben und, in den Geist* Amerikas ist die große Leistung, weiche der O den drüben vollbracht hat; -es ist ein großes historisches Werk, das damit getan worden ist. 1 Was ihm zuteil geworden waf, _ wollte jeder Bruder dem, der neu ihi*Land kam, gewähren, und von jedem Irrweg, den er selbst gegangen wat, wallte er ihn femhalten. Die Tore1 dgs Tentpels waren in Wahrheit abfgetan, um Israeliten zu vereinigen zur Wahrung der idealen Gütet der Menschheit. Denn diese idealen Gütelr der Menschheit, schienen in Amerika ihre Heimstätte, in "der Art und iu den Gesetzen Amerikas ihre Verwirklichung gefunden zu haben«, So konnte die Loge dem, der fremd in das Land hineingezogen war/ eine Botschaft ' geben, und ihm es bereiten, daß er in 'der neuen großen Heimat bald heimisch wurde. Es ist ein Ruhmestitel der deutschen Juden irf Amerika, daß jsie diese große Arbeit, die wahrhaft eine kulturelle Arbeit ist, vollbracht haben. Die deutschen — K9 -