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Der Orden Bne Briss · 1925-05-01 · Nr. 5 - Mai (5.1925) · p. Seite 83

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1925
Issue
Nr. 5 - Mai (5.1925)
Date
1925-05-01
Page
Seite 83 (sequence 7)
Language
German
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Vergangenheit Ober Gegenwart zur Zukunft Brücken schlug, ein Verjünger des Judentums, dem es vergönnt war, in Wort, Schrift und Tat mächtig und nachhaltig in die Zeitverhältnisse einzugreifen. Er kämpfte, ohne m streiten. Er wollte überzeugen, nicht überreden; aufbauen, nicht niederreißen. Obwohl Rabbiner, war Frar kel doch kein Theologe theoreti^ierenderObservanz und brachte, uns zum Bewußtsein, wie das Judentum selbst nicht' eigentlich abstrakt theologisch spekulativ ist, sondern kristallisierter Leben« idealismus, wie er gerade in den Ideen unseres Oidens verkörpert und wirksam geworden ist. Frankels wissenschaflicheBeqeutung wird nur durch seine Charaktergröße übeijtrotfen. Mannhaft und energisch, voll Freimut, Würde und Selbstbewußtsein, scheute er sieb nicht, die religiösen und politischen Rechte | der Juden vor Königen und Regierenden tapfer zu vertreten und zu* verfechten. Er war neben seiner führenden wissenschaftlichen und seiner überragenden Lehrtätigkeit einer der erfolgreichsten Vorkämpfer für staatsbürgerliche Gleichberechtigung und für religiöse Gewissensfreiheit. Zacharias Frankel sprach das Wort: »Die Kürze des menschlichen Lebens mahne, daß unaufhaltsam nach einem großen Ziele gestrebt werde«. Diesen seinen Ausspruch könnte man als Aufschrift über Frankels Leben setzen, aber , zugleich auch über die Pforten unserer Logenln Dresden wärjFrankel in Gemeinschaft mit seinem tempel. j ' - ~ Die Geschichte der religiösen ßewegung im i-" Einer der prominentesten Schüler Frankels gibt von seinem Meister die Charakteristik: »Frankels Sendung, der Grundgedanke, der sein ganzes Leben, seine öffentliche und seine wissenschaftliche Wirksamkeit vom ersten Tage seines Auftretens bis zu seinem Ende durchzieht, war — die Versöfnung —, die Versöhnung des alten Judentums mit der neuen Zeit, mit dem Leben der Gegenwärt, die Versöhnung, der Parteien im ludentpm, die Versöhnung und Verschmelzung der jüdischer Wissenschaft mit der allgemeinen Wissenschaft der Zeit, Versöhnung des Judentums mit Leben und Geist der Gegenwart*. Fürwahr, ist nfcht schon jeder eihzelnedieser wenigen Züg e, die wir >t^m an tausend und abertausend l:arben reichen, von seinen berufenen Jüngern gez;ichneten Bilde des Meisters entnehmen, Analogie, Untergrund und Gleichklang für die Tendenzen unseres Ordens. ' Gotthold iiphraim Lessing, Heinrich Graetz, Manuel Joel, Zacharias Frankel; — ziehen wir den Querschnitt aus dem Wesen und'der Bedeutung dieser vier Geistesheröen, so legen wir damit auch die innersten Verästelungen und Verzweigungen der Ziele unseres Ordens b!oß,'däs Streben unseres Bundes nach Vereinigung und Versöhnung, nach Erhöhung und Versittlichung, mit den Mitteln der Wohltätigkeit,.Bruderliebe und Eintracht. v Währen i seiner Wirksamkeit alsQberrabbiner Judentum der Neuzeit gab Frankel den Ehrennamen: »Friedensfürst«. srsöhnung des' Glaubens mit dem Leben, Fortschritt und zugleich Erhaltung und Veredelung, Regeneration des Judentums aus und durch sich selbst«, das war seine Losung. Frankel haben wir die Deutung zu verdanken, daß die ehrwürdigen alten Formen und Formeln nicht pietätlos zu negieren, sondern zu vergeistigen sind, daß sie aufzt fassen sind als Symbole zur sittlichen Veredelung der Menschen. Wegweiser des Judentums, hat Frankel ihm richtunggebend den Stempel sei nes Wesens eingeprägt und uns ein geistiges Arsenal hinterlassen, das auch für die Ve Ordenszwecke die wirkungsvol bietet. rtifetung unserer sten Handhaben Freunde Dr Bernhard Beer, dem sächsischen Gabriel Ries:ier Initiator, Protektor von jüdischen Bildungs- und 1 Vohlfahrtsvereinen, ähnlich denen unserer Logen. Diese vor mehr als 100 Jahren begründeten Zusammenkünfte in Förth wissenschaftlicher, religiös-moralischer Abendünterhal- * tungen bezweckten, unter den Juden Wissenschaft und Kunst zu pflegen und überhä(upt den geistigen Zustand de' Israeliten zu fördern. Zacharias Frankel schildert in feinem Werke zum Gedächtnis an Bernhard Beer, mit dem ihm eine innige geistige Verwandtschaft verband, diese Vereinigung Gleichgesinnter, der das hohe Lebensziel vorschw eb e, »die geistige und sittliche Vervollkommnt ng der Glaubensbrüder ‘nach Kräften zu fördern« Worte Frankels, die fast schon an die Ausdrucks vi eise unseres Logenritual$ erinnern. In einein Aufsatze über »Religion und Humanität« beklagte einst Zacharias Frankel, «daß 83

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