Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 5 - Mai (5.1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 82 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Anlehnung an das hohe.Lied der reinen Menschenliebe, an die lichte Botschaft erhabenen Menschentums, die uns Lessing in seinem Nathan kündet. Auf das Lessing’sche Vermacht lis der Toleranz an die gebildete Menschheit, iuf dieses Evangelium der Duldsamkeit und Humanität ist aller Fortschritt der Aufklärung seit Mendelssohn zurückzuführen. Hat doch Mendelssohn selbst darauf hin gewiesen, zu welch großem Dank die Jüdenheit Lessing verpflichtet ist. f Wie die Parabel von den drei Ringen, in Le$sings »Nathane jüdischen Ursprungs ist, so ist urjüdisch vor allem die Idee der allumfassenden, mild versöhnenden, menscheitseinigenden Toleranz, der Lessing in seinem »Nathan* so 'unvergänglichen Ausdruck lieh, und die das Leitmotiv unseres Ordens ist. Auch bei der Installation der zweiten hiesigen Loge, dfcr Heinrich Graetz-Loge, konnte Br. Großpfäsident darauf hinweisen, wie sehr die Gedankengänge und Ideale dieses größten jüdischen Historikers sich mit den Prinzipien unseres Ordens aufs innigste verkrüpfen. Sein Monumentalwerk der jüdischen Geschichte,, imposant nicht nur duren die gigantische Meisterung.des gewaltigen Sto fes, sondern hinreißend durch die überwältigenc e Macht des Stils und der Begeisterung, die sief jedem Luser mitteilt, ist Gemeingut aller Juden. Von tiefgehender Wirkung unc von nachhaltigem Einfluß auf die geistige I intwickeiing der deutschen Juden und der Jud:n der V /'eit bedeutet das Werk der Geschieht« der Juden von Graetz »einen Waffensaal, dnen Zuflucht und Schutzwall, Trost im Leiden, Kn fl im Dulden, eine Pflanzstätte der Hoffnung, einen Jungbrunnen der Zuversicht.* Graetz wurde in eben dem M iße von den konservativen wie von den liberal :n, von den jüdischen Nationaideutschen, wie von den Nationaljuden, für sick reklamiert, aber sein _eitstern war die allumfassend« Liebe rum Judentum und die Hoffnung auf eir e derein: tige Allverbrüderung der ganzen Welt. Graetz begegnet sich darin mit Manuel. oel, dem Namenspatron Ihrer dritten Br rslauer Lage. Es heißt, um nur -einen Satz aus dessen geistvollen Schriften herauszuheben, in einer wunderbaren Pessäch-Predigt Joels: »Die Ziele des Judentums haben njiit dem Aus::u »n und mit der Weihe Israels zurrj priesterganzen Ajegypt berufe begonnen, mit der Weihe de' hjenscliheit werden sie enden«. > Bei der Begründung der Manuel joel-Loge könnte der Vertreter unserer Groß o. je die innerer geistigen Beziehungen Joelp eu den Gjrundf orderungen unseres Ordens dartun. Er vermochte zu zeigen, wie puch Joel ip allen seinen Lebensbetätigungen ein geradezju klassischer Repräsentant de* Ordenszugeh|örigkeit gewesen ist, vor allem in dem Prinzip d ir Toleranz und de^ Duldsamkeit, wie es dem Wfesen unserer Logen entspricht, in der ausgl sichenden Zusammenfassung aller Strömujigen und Ueberzeugun gen, in Brennglase gleich starketi jüdischen < Bewuß seins und jüdischer Solidarität.! Von des Manuel Joel-Loge führt der Weg ziir Zacharias Frankel-Loge.,, t | An der Bahre' Zacharias Frahkel» hielt Manuel Joel die Gedächtnisrede. Er nannte Frankel ein »Mysterium«!, einen modernen Menschen, der dennoch die fremd anjmuteide Größe einer antiken Persör lichkeit besaß, von einer klassischen Vielseitigkeit, der keine Regung des heutigen Lebens ehIgiiig, voll Anteilnahme auch an den politischen Vorgängen. Indem Joel die schwer zu bear tw artende Fnge auf warf, welcher »Richtung* Frank ri wohl an gehörte, sagte er: »Viele Richtungen; gibt es, aber um berechtigt zu sein, müssen sie einen Sahneiaungspunkt haben, j einen Punkt, pn dem sie sich treffen, und von wö aus dann der Weg eip gemeinschaftlicher ist«. | Schon was Manuel Joel hier übei Za charias Frpnkell sagt, gibt uns eine Folie fiir den Zu- •t .. ge aus satnmerihang zwischen ihm und der ne Zeit der Lockerung, Auflösung und Zerfahrenheit de Ju<3enheit. Die von Mendelssohn gangene Bewegung der Vereinigung ü aerl eferten Judenti tre zu tuen Richtungen von rechts und litil Frankels Auftreten fiel bekanntlich uen Loge. in eine mit moderner Bildung hatte ks geführt, Radikalismus, zu einer Reform, i die einem Auflösungsprozeß nahekam, und auf der andern Seite zu einem Rückschlag in eine jeden Fortschritt unzugängliche Orthodoxie Frankel war ein Mann der goldenen Mitte, well sich ihm das Judentum in seiner Zusammen faspung aller Kräfte darstejlt, ein Seher, der von ausgezu ex- 8?