Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 2 - Februar (2.1925)
- Date
- 1925-02-01
- Page
- Seite 35 (sequence 11)
- Language
- German
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während diejenigen, die obige Bedenken erörtert und aufgeklärt wissen möchten!, zu denen gezählt werden, die noch nicht | bis zur wahren Brüderlichkeit vorgedrungen sind. Dies Beispiel ist typisch für den Mißbrauch des Begriffs »Brüderlichkeit«, typisch für jede Methode, mit der man — wie Lessing sagen würde — den Gegtjer wohl überschreien und) zum Schweigen bringen, aber nicht überzeugen'kann. - W$r in der Geschichte 'unseres Ordens nachliest, wird erkennen, daß cjler Steibekassengedanke am allerwenigsten - geeignet ist, die Brüderlichkeit zu fördern. Bel keiner anderen Frage platzten die Geister vehementer aufeinander, als in der Stet bekassenangjelegenheit, wobei die Befürworter sowohl, als ^uch die Oegner im Namen der Brüderlichkeit~au|ftraten. Da heute das Problem der Sterbekasse da| oder dort wieder aktuell ist, so kann es nichts sjchaden, wenn in diesem Zusammenhang einiges ajus der Geschichte des Ordens ins Gedächtnis zuj-ückgerufen wird. Am 18. Januar 1886 wurdej ein Entwurf der Lebensversicherungsgesellschaf^ Viktoria für eine Sterbekasse von der Großloge einstimmig' angenommen mit dem Hinweis, Großartigste geschaffen werde, kommen werden noch im zehnten Glied auf den t 18. Januar segnend zurückblicken«. Dieser Jubel war von kurzer Dauer! Schon am ^27. Januar prptestierte die Germania-Log^ und drohte mit Massenauätritten aus dem Ord^n. Andere Logen schlossen sich dem Proteste später an, so daß es zu den erbittertsten und w drigsten Kämpfen zwischen def Großloge und den Einzellogen kam. Im Verlauf dieser Kämpfe ließ man dann den Vertrag mit der Viktoria fallen und stellte sich auf ein Umlageverfahren um, derart, daß bei jedem einzelnen Sterbefall soviel erhoben werden sollte, um einj Sterbegeld von 1000 Ml*, an die Hinterbliebenen bezahlen zu können. Hiermit1 war eine Anhäufung von überflüssigen Geldern vermieden. Aber, aujch dieses Umlageverfahren erweckte Widerspruch. Die Frankfurt- Loge hatte nämlich vor ihrer Installation sich das Recht ausbedungen, nach freiem Ermessen sich für oder gegen die Sterbekasse zu erklären, ohne an die Beschlüsse der Großloge gebunden zu sein. Als sich nun Frankfurt gegen die Sterbekasse aussprach und darin voft Köln und Mainz unterstützt wurde, wa| auch die Sterbe¬ »daß damit das und unsere Nachkasse mit dem Umiageverfahren bedrqht. Aus der Begründung, die Frankfurt der Großloge gegenüber äußerte, verdient hervorgehoben zu werden, daß die freudige Bereitwilligkeit der tatkräftigen Hilfe bei vorhandenem Bedürfnis der Hinterbliebenen den Ordenszielen viel näher komme als eine obligatorische Sterbekässe, und »daß es ausschließlich ideale Interesse’n sind, welche den Eintritt in den Orden und das Wirken in demselben beeinflussen sollend. Nicht eher trat Ruhe und friedliche Entwicklung im Orden wieder ein, als 'bls in der Groß; logensitzung vom 9. Februar 1800 der Antrag Mayer angenommen wurde:' »Eine allgemeine Sterbekasse darf innerhalb des 8. Distrikts, unter welchem Namen es auch sei,, nicht existieren.« Dieser Beschluß der Großloge brauchte nun an! sich nicht verhindern, ‘daß heute in-i den Eintellogen die Frage der Sterbekässe geprüft werde. vEs gehört aberkeine große prophetische Gabe dazu, um vorauszusagen, daß sich das, was s. Zt. die Großloge erleben ' mußte;, in. gleichem oder verstärktem Maße bei den Einzellogfen abspielen und daß dann der Sterbekassengedanke mit dem gleichen Fiasko enden werde; es sei denn, daß jemand den mathematischen Nachweis erbrächte, daß die heutigen Brüder weit engelgleichere Menschen seien als die Brüder der achtziger Jahre cles vorigen Jahrhunderts. Ich wagedaher die Ansicht auszusprechen, daß der Sterbekassengedanke, so* sehr er von echtem brüderlichen Geiste durchdrungen ist, nicht dazu angetan ist, die Brüderlichkeit innerhalb einer Loge auf die Dauer zugkräftigen und zu erhalten. '■ Ob nun mit Hilfe des Baumann’scheti Nahbruders die Brüderlichkeit, ' die ich als eine /wesentlich geistige und Herzensangelegenheit betrachte, eine entschiedene Wandlung zum Besseren 'erfahren , wird, erscheint mir sehr zweifelhaft. Nach meiner Ansicht läßt sich wahre Brüderlichkeit überhaupt nur. unter ganz wenigen Brüdern üben. So wenig, wie man wahre Liebe und wahre Freundschaft zu vielen hegen kann, so wenig kann sich unter‘lß0| bis 200 oder mehr Angehörigen einer Loge {wahre Brüderlichkeit entwickeln. Auch unsere Logen sind in Bezug auf Mitgliederzahl der Inflation zum Opfer gefallen, und äußerlicher Glanz und äußere Größe ist meistens gepaart mit innerem Nieder-