Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 2 - Februar (2.1925)
- Date
- 1925-02-01
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Franz was in ihm ist, üftc durch die Inhalte ai Werfe Von Rudolf Die Welt jfärgt im Menschen an.« Werfel. Lyrik ist ,‘die.Eitfaltuni aller menschlichen Tiefen. Sie ist Getang. Sie läßt Worte aufklingen und gibt'Schmerz, Lust, Rausch. Sie verdichtet den Augenblick zur Ewigkeit; rum Allerseelenland der Klänge, i Leidenschaften und •Hjunten Flüge. | Jede Lyrik ist raligios, jedes Gedicht Gf bet. Ob Oott angerufen .wird oder die Dämmerung städtischer Abende; ob Innerlichkeit oder Hingabe an kosmische Gewalten £ich vollzieht; ob seelische Erfülltheit s;ch [ausströmt in fre em,? schamlos freiem Bekennen oder sich objektiviert zur Form: immer geschieht Religiosität; Sinn und Wege der Welt werden befragt. Lyrik ist direkte .Dichtung: sie bedarf wader ’der räumlich-körperlichen Symbole des Dranas noch der zeitüch-ps ychologischen des Rom ins. Sie verwandelt nicht Welt, die außerhalb des Ichs kreist, sondern strömt eine Musik selbstischen Wissens aus. Keine äußere Gesetzlichkeit beherrscht sie, sondern, aller Logik abgewendt schafft sie in jedem Klang ihr eigenes einmal ges Recht: die Form. Mehr denn jeder andere Dichter ist der.Lyricer Redner. Er spricht lus, (ayser. Franfc Werfel verständlichen; u jener dadurch Dichtung ist motorisch, keine abgezirkelte Gestaltung, kein ormulierl rares Wollen, sondern Müssen /italität. erweckt Resonanzen; nicht ein, aber auch nicht durch *) ist Ethos. der Dichter eines selbst- Er gehört des halb nicht die aufgeregt Gebote ’ delerlei Aufwand »Menscheit« singen allen, mit um sich mit den Attributen fortgeschrittener schmücken zu dürfen. We fels Ethos von Forderungen, sondern die wilde Musik eines Müssen, fas aus der Zwiespältigkeit c er eigenen Seele zur Menschheitseinheit strömt. Werfels erstes Buch »Der. Weltfreund«-(1911) irdisch. Leise leben in diesen Versen ln diesem 'Realitäten die Form allein, londern durch die Einheit beider (denn sie allein bedeutet Kunst). Deshalb kann i tan den Umriß eines Lyrikers nicht anders zeichm:n,‘als wenn man mit dieser Einheit von- Inhalt und Form beginnt. Nicht die psychologische Untersuchung über die Herkunft der Erlebt-isse, nicht die Formulierung des weltanschaulichen Gehalts, aber auch rieht die Beschreibung d :r Gedichtform führen allein zum lyrischen Wesen heran. Die Wirklichkeit des Gedichts ist das Resultat von Herz und Form. Erlebnis unc Sprache. Seele konkretisiert sich, und Gefühl wird Gedicht. •J Aus „Juden-in der deutschen Literatur“, — Essays über zeitgenössische Schriftsteller. Herausgegeben von Gustav Krojatiker. lc.22, Welt-Verlag, Berlin. Auszugsweise wiedergegeben. Sein Pathos ist nicht das' Ei nhämmern st ganz die Dämmerungen der Stadt Prag, zumeist i i ihren Bildern, umarmen sie jende Fü le der Erde. Etwas Neues Städtisch die leuchgeschieht Gedichtsband: die Durchdringung der m beson- Werk ist ossenheit, mit Schicksalhaftem und de Jeren Rhythmus der Jugend./i Werfel«; _yrik in Dynamik, derartiger Stärke und Gesch faß ein Versuch zu breiterer Epik problematisch »rscheineir muß. * Welches ist das Werfelsche Grundproblem? Wieder das der Entzweiung, dies Zerspaltenseins fes Ichs in polare Elemente, der furchtbaren 3egegnung mit dem eignen Selbst. Die Ueberwindung der Zweiheit "ist ja der tragische Ruf, der imim r.wieder aus den letzten Oedlchtbänden dringt. Er ist auch das Schicksal der Hauptgestalt des Dramas:-Thamal. Sein Gesetz ist die zweite Schau«: | Wer sie erlebt, der verfällt der Nacht, Die in e nein Morgengrauen oder um Mitternacht .Dem tielsten Feind ihn gegenüberstellt. Von Stund an ist er entzweit, Und mul blutig und mit zerrissenen Händen ringen. Zu bezwingen sein Geleit, Das ihn schleppt durch Mord und schuld’ge Taten. Diese Verse enthüllen bereits die Handlung der Dichtuhg und das Schicksal Tfi imals. Er, der aus einem magischen Spiegel se ine andere Wesenshälfte — die bösere, irdische, erlöst, muß einen ph mystischen Passionsweg. schreiten, um schließlich im Bußetöd den inneren Feind, den 30