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Der Orden Bne Briss · 1925-01-01 · Nr. 1 - Januar (1.1925) · p. Seite 3

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1925
Issue
Nr. 1 - Januar (1.1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 3 (sequence 4)
Language
German
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mit zu dem Besten und Unvergeßlichsten, was die neue dramatische Literatur hervorgebracht hat. Die Schäden und Bösartigkeiten unserer Zeit hat Heijermans wie wenige aufgezeigt. Darin war er ein wahrh.ft »guter Europäer«. Wieviel unermeßliches Ur glück wäre der Welt erspart geblieben, wenn seine Warnungen und sein un¬ Regierungen nicht Schon ein Jahrnoch unmodern ermüdliches »J’accuse« bei den taube Ohren gefunden hätten, zehnt vor dem Kriege, als es war, Pazifist zu seii, hat er in ^inigen Broschüren auf die Folgen des Militarismus hingewiesen und prophetisch das Unglück des Weltkriegwahnsinns voraus jesagt, wenn die Führer der Völker und. Klas sen zu keiner Verständigung kommen würden. 1 In dem — künstlerisch belanglosen — Tendenzstück »Der Panzer« hat er mit beredter Stimme vpr den Folgen des Wettrüstens gewarnt; in einem andern kurz nach Erfindung des Flugzeugs erschienenen Buche warnte er vor einer Verwendung dieser neuen Waffe in einem zukünftigen Kriege.' Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts schrieb Heijermans eine Menge größerer Bühnenwerke, von denen viele in Deutschland aufgeführt wurden. Es sind alles entweder Stücke mit sozialistischer Tendenz oder interessante Milieu-Schilderungen. Es wäre ermüdend, alle Bühnenwerke Heijermans aufzuzählen und ihre Wirkung und Verdienste gegeneinander abzuwägen, er hat bei seinem ungeheuren Fleiße ihrer zu viele geschrieben. Bei allem Tälent .und bei aUler Virtuosität der Beobachtung sind fast alle seine Stücke doch zeitgebunden und keine Kunstwerke geworden, die die Jahrzehnte überdauern können. Sie wirken heute — ähnlich wie die meisten Hauptmannschen Stücke — schon stark abgeblaßt und werden mit Ausnahme der »Hoffnung auf Segen« in kurzem lediglich nur noch literarhistorisches Interessefür sich in Anspruch nehmen können. " Als Romanschriftsteller, Novellist und vor allem als Verfasser unendlich vieler Skizzen hat sich aber Heijermans einen dauernderen Platz in der Weltliteratur erworben. In verschiedenen umfangreichen Bänden — zum Teil unter dem Namen »Falklandsskizzen« — sind seine Kurzgeschichten erschienen. Hier hat der unerschöpfliche Schnellzeichner bewjesen, daß auch eine Kleinkunst.groß sein kann. Viele dieser Skizzen werden noch eine, Fundgrube für dje . Psychologen und Soziologen der Zukunft sein; in ihnen ist sein Stil ganz persönlich. Durch ganz neue eigene Wortbildungen weiß er in außerordentlich glücklicher Weise zu typisieren, in wenigen Sätzen viel zu sagen, Lebensprühendes und Neues rasch und frisch zusammenzudrängen. In seinen größeren Prosaarbeiten hat Heijermans vor allem da Ausgezeichnetes und Wertvolles geboten, wo er zu d£m jüdischen Milieu seiner Vaterstadt, das er sö ganz von innen ‘heraus kannte, 'zurückkehrte. Die erschütternde größere Erzählung »Diamantstadt spielt wieder IrhÄmsterdamer Ohetto unter den armen jüdischen’ Diamantschleifern des östlfchen Stadtteils. Sie ist aus einem tiefen sozialen Empfindenheraus geschrieben. Hier ist er wieder zum Dichter geworden und hat mit Tränen in den Augen in das ganze Elend und die Verkommenheit dieser Parias der Gesellschaft hineingeleychtet. Die Schilderung und Charakteristik dieser noch in Schmutz und unsagbarer - innerlicher und äußerlicher ^.Jämmerlichkeit dahinvegetierenden gedrückten Juden hat et wa^ Ergreifendes. Dieses Buch kann ganz nur von Juden verstanden werden. Bilder von düsterer und schwerer Tragik hat der Autor hier aufgerojlty nicht nur mit der an Photographie .erinnernden Defailkunst des damals modernen Naturalismus, sondern yon einem anderen höheren Geisichtspunkt a'us, inniger, wärmer, anteilvoller. Es ist sehr viel heiße Liebe und Herzblut und weniger von seiner »zeichnerischen Griffelkunst« darirr.—Erschütternd ist in dieser ganz und gar jüdischen Dichtung das an uralte Zeiten erinnernde Ringen um Gott. Es ist ein sehr quälendes und trübes Buch, aber > voll hoher dichterischer Schönheitund subtiler Zeichnung der Hauptgestalten; es hat keine toten Stellen. Auch das Nebensächliche ist bedeutungsvoll und für das Ganze wichtig. Als gereifter Mann gründete ‘Heijermans in Amsterdam ein Theater, das nur. der Kunst dienen, das keine Ge scfhä f t e machen sollte. Ganz ähnlidli wie Brahtn,t — anders als gewisse moderne j Berliner Kunstkaufleute heutzutage. Mit bewundernswertem* Idealismus hat diese Bühne geleitet und, sich und _ sie natürlich arm ge wirtschaftet. Mit reinem Wollen und mit ausschließlichem Streben

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