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Der Orden Bne Briss · 1925-01-01 · Nr. 1 - Januar (1.1925) · p. Seite 2

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1925
Issue
Nr. 1 - Januar (1.1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 2 (sequence 3)
Language
German
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zeigte sich das g Sarg legen, Befreiungskriege der ute Judentum dieses Mannes. Auch -er durfte —fwie Heinfe — von sich sagen: »Ihr könnt mir ein Sehwert auf den dehn ici war ein btiaver Soldat im Menschheit!« Ein flammender Protest gegen die russischen Pogromverbrechen war der Ausgangspunkt seines dramatischen £ chaffens. Er war in Rußland gewesen, hatte die. fu -chtbaren Judenverfolgungen mit angesehen unc die russischen Zustände studiert. In einer in vielen Tausenden von Exemplaren verbreiteten Broschüre erzählte er von diesem' namenlosen Elend der Verfolgten, und in dem Drami »Ahasver» (1890 verfaßt) schildert, er. dapn die Kischinewer Judenmetzeleien und den seeischen Untergang einer zu Tode gehetzten Farrilie. Jüdisches - Fühl :n und Empfinden bleibt dann für lange Zei: der Ausgangspunkt seines Schaffens;» aber bei ihm bewahrheitet sich das Moritz-Lazarus’scfu: Wort, daß die Juden das klassische Volk'der S elbstkritik sind. Immer wenn er jüdisches Milieu schildert, wird er vergrämt und bitter. Etwas von der Weiningerschen Selbstzerfleischyng st zuweilen in ihm. Ersiehtüberall im Geist da» ideale Judentum vor sich, das für ihn höchste Harmonie und Ethik ist, und bei der Ausmrlung der realistischen Wirklichkeit führte ihm dann schmerzlich enttäuschte Sehnsucht die Feder. In Amsterdam h atte er reichlich Gelegenheit, das Leben der verschiedenen jüdischen Volksklassen in allen seinen Schattierungen zu beobachten. Und der Mensch und der Künstler wird von bohrenc em Mitleid und eifervollem Streben, zu helfen, verzehrt. Er schildert jüdische Fehler; aber nicht Haß ist die Triebfeder seiner Anklagen, sondern im letzten Grunde Erbarmen und Liebe. Er will heilen’ und reinigen. In den Drarntn »Ghetto«, und »Sabbath« stellt er mit peinlicher Realistik, die an einigen Stellen unmerklichi n unkünstlerische Tendenz ütiergeht, das Lebe n der jüdischen Trödlerfamilien im holländischen »Jodenhoek« dar. Aber in diesen Bühnenwerken gibt es nur graue Töne; beklemmend wirktj das absichtliche Weglassen der Lichtseiten dieser sozial deklassier tenMenschen. »Ghetto«,, das 1898 in Holland erschien und erst 1905 mit großem Erfolge in Berlin aufgeführt wurder ist jedoch auf alle Fälle lein überaus interessantes S< hauspiel, eins der besten natu -alistischen Stücke, die nach Ibsen und Strindberg über die I iühne gej;angen sind. Für die' deutschen Auff ihrungen hat der Dichter — ähnlich wie Ibsen es einst bei »Nora« tat — den tragischer Schluß ins •hrasenha te und Künstliche umgfbogen; in er bei?eklam erschienenen Urfassung des rauerspids kommt jedoch die Idee les Werkes in zum Ausdruck. Eine geradezu seelenaufwühlend«: Vergrämteit steckt auch in der Novelle »Ein Juiienstreich«, * die Wir in Deutschland nur in einer statk gekürzten (Jebersetzung zu lesen bekamen. In iiesef Errählung wurden die seelischen Zerwürfnisse geschildert, die sich als Folge der religiösen Unstimmigkeiten in einer M i s c h e h e entwickeln. Hier hat Heijermans Konflikte aus dem Leben assimilierter wohlhabender und »studierter« Juden geschildert.— In dieselben Kreise führt auch 'die trübsinnige 'dramatische Studie »Das Begräbnis«, die sich einem wie ein quälender AI )druck auf die Brust legt. Was muß Dichter gelitten haben, bevor er dieses aus einer »besseren« jüdis:hen Familie der »Interieur schrieb. Erst Schaffens langsam, nach vielen Jahrm emsigen löste sich Heijermans von der ausschließlic len Gestaltung jüdischer Probleme und wandte sich allgemeinen Themen zi. 1900 erscheint sein »Siebentes Gebot«, dieses deprimierende Trauerspiel aus dem holländischen Kleinbürf erleben, 1901 sein bekanntestes Werk »Die Ho fnung auf Segen«. In diesem Fischerdrama, las, ebenfalls billig, in der Reklam-' bibliothek zu haben ist, und das in alle kultursprachen übersetzt worden ist; hat d( t Autor vielleicht seit Bestes gegeben. - Es hatt( nicht nur in Berlin einen ganz außerordentlict en Theaterfolg. Aach dieses Werk krankt an dem Fehler, daß sich mit der bewifhdernswerten Wirklichkeitskunjt eine bestimmte Dogmatik mit Bezug auf gesellschaftliche Fragen verbindet; Licht und Schatten: sind zu eindeutig verteilt. Nichts von Shakespiare’scher Gerechtigkeit! — Der Mittelakt des Stüdkes aber, dieses naturalistisch breit hingepinselje Bild von der furchtbaien (Nordseesturmnacht, in der die Heimgebliebenen rwach bleiben {und vor namenloser Angst Schicks,;! ihrer auf idem Meere Angehörigen fast verzweifeln, gehört zweifellos über das befindlichen

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