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Der Orden Bne Briss · 1924-12-01 · Nr. 15 - Dezember (12.1924) · p. Seite 204

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1924
Issue
Nr. 15 - Dezember (12.1924)
Date
1924-12-01
Page
Seite 204 (sequence 10)
Language
German
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Bischof fordert die Juden auf, entweder die Taufe anzunehmen, oder die Stadt zu verlassen. Nach dreitägigem Zögern, nachdem viel Blut geflossen ist, lassen sich 500 Juden taufen, die übrigen flüchten nach Marseille. Aber auch in Marseille erfahren die Juden später die gleiche Gewalttätigkeit, so daß Papst Gregor I, sich veranlaßt sieht, dieses Verfahren zu tadeln. König' Chilperich läßt 582 viele Juden taufen und steht selbst Pate bei mehreren. Den Juden Priscus, seinen Vertrauensmann, wirft er’bei seiner wiederholten Weigerung ins Oefängnis. ln. einem Zeitalter der größten Verwilderung, in einem Lande, wo Könige und Königinnen diä grausigsten Missetaten begehen, darf man sich nicht wujri^ern, wenn bei Bekehrung der Juden auch die Faust der wilden Barbaren stark mitwirkt. Wir dürfen uns auch nicht wundern, wenn der Dichter Fortumatus, vom Bischof Gregor aufgefordert, die Blutund_ Gewalttaten gegen die Juden in einer langen Hymne verherrlichte. Endlich gelang es der Kirche, zu bewirken, .daß König Dagobert, der alle Teile der fränkischen Monarchie unter sich vereinigte, im Jahre 629 sämtliche Juden seines. Reiches zur Taufe oder Auswanderung zwäng.- Ob Dagoberts Befehl wirklich zur vollständigen Ausführung gelangte, ist bei der Schwäche der merovingischen Könige zweifelhaft. Gewisse Umstände lassen vermuten, daß auch noch später Juden in Gallien blieben. Tatsache aber ist, daß -.wir beinahe anderthalb Jahrhunderte lang fast nichts von Juden in Frankreich hören. Nur in dem zum westgothischen Reich gehörenden Teil Frankreichs, im Gebiete von Narbonne, finden wir noch Juden, die erst König Wamba 673 nach der Niederwerfung des gegen ihn ausgebrochenen ‘Aufstandes und der Einnahme der Stadt Narbonne vertrieben hat. Wie es scheint, hatten sich die Juden-an dem Aufstande beteiligt. Die Ursache wäre leicht zu erklären. Während die westgothischen Könige die Juden in Spanien bedrückenden Beschränkungen unterzogen, lebten die Juden in Narbonne in guten freundschaftlichen Beziehungen zu den Christen, und es sollen sogar manche Christen zum Judentum übergetreten sein. Auch noch später müssen Juden in Narbonne gelebt haben, wie eine Grabschrift aus dem Jahre 689 beweist, Tod dreier jüdischer Oeschwister achten ist, daß wir alle unsere Nuchin die Aden verkündet. Zu bd; richten über die Juden im Frankenreich unserm Zeitraum nur aus nichtjüdischen Quälten erhalten, aus den Lebensbeschreibungen bedeutender Bischöfe, aus Chroniken, Akten der Kirchenversammlungen, aus Briefen, Oeseuen. Nichts aber erfahren wir aus jüdischen Quellen, weil die ßujden des Frankenreicbes jener Zeit, ebensowenig wie die Italiens und Spaniens, Literarisches Unterlassen haben. UnseF Wissen über sie isj daher einseitig. Wir erfahren nur manches ibjer ihre wirtschaftliche Tätigkeit, ihre gesellscha fliehe Stellung, über das Verhalten der Kirche und der Könige gegen sie. Wir wissen aber nichts von ihrem innern Leben, von ihrer geistigen Tätigkeit. Wir hören nur, das sie in mehreren Städten Bethäuser hatten und daß sie im große] i und ganzen dem Glauben ihrer Väter treu warei. Nur durch zufällige Bemerkungen erfahren ivir, daß sie am Sabbat keine Waffen trugen, daß sie ihre Gebete in hebräischer Sprache verrichteten. Dagegen ist die einzige uns bekannte in Narbonne aufgefundene jüdische Grapschrift aus'jener Zeit, dem Jahre 689, lateinisch geschrieben. Was an ein jüdisches erinnert, das sind die hebräischen rriede mit Israel« und das Bild des jii^en Leuchters. Die drei toten Oedenen die Inschrift gilt, tragen, epenso idern uns mit Namen bekannten .luden, einer den germanischen Namen Wir finden aber keinen einzigen biblische^ Namen. Das Zentrum des jüdischen Volkes befand sich in unserem Zeitraum noch im Orient. Die Juden des Westens waren noch zu schw tclvum geistige Arbeit aus ihrer Eignen Kraft zu schaffen. Aus einem Religionsgespräch zwischen [dem Bischof Gregor von. Tourä und den) Jud:ri Priscus in Oegenwart des Königs Chilperich ersehen wir, daß der Jude es gut Grabdenl Worte siebenar schwisteii wie die lateinisch^, Sieg rieh. verstand; die. Waffen gegen Lehren zu führen und den Qlauben Väter zti (verteidigen. Es werden aber Jahrhunderte vergehen, ehe wir auf dem die christlichen seiner noch Boden eines Galliens jund Germaniens den Beginn jüdischen geistigen Lebens wahrnehmen.

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