Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1924
- Issue
- Nr. 14 - November (11.1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 193 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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z,u fördern. An uns liegt es, den liier schon beschrittenen Weg weiter zu wandeln, zurri Segen der Kleinen und Kleinsten. Oehen wir nun einen Schritt weiter zur Fürsorge für die schulentlassene Jugend! Das wichtigste Kapitel n diesem Zweig der Fürsorge ist die Stellenvermittlung, übrigens zur Zeit ein äußerst schwieriges Kapitel, weil es durch den allgemeinen Abbau ungemein schwer ist, neue Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Hoffen wir auf bessere Zweiten, um uns hier mit mehr Eifolg betätigen zu können! Eine weitere Möglichkeit der Hilfe besteht in der Errichtung von sogenannten Toynbee- Hallen, in der Oründung von abendlichen Klubs. Es bedarf keiner großen Mittel, solche Einrichtungen ins Lebenf zu rufen, da unsere Logen ja doch fast alle ihr ‘eigenes Heim haben. Wir haben dadurch leichter die Möglichkeit, junge Leute, die im Erwsrb stehen, einmal wöchentlich abends dorthin eiuzuladen, sie mit Vorträgen zu erfreuen, sie unterrichten zu lassen,1— kurzum: mitzuhelfen ihre geistigen Interessen zu wecken _ und zu pflegen, und mitzuhelfen in den gefährlichen Jahren körperlicher und moralischer Entwicklung ihre Gedanken von schlimmen Wegen ‘ abzulenken. Wenn wir den Lebenslauf eines Menschen von früher Kindheit bis zum hohen Alter verfolgen, so werden wir sehen, daß es in jeder Phase tausend und abertausend Gelegenheiten gibt zu stutzen und zu helfen. Wir kommen zurFürsorge für dieErwachsenen. r . Auch hier können wir durch Arbeitsnachweis viel Gutes schaffen; auch hier können wir durch Freiplätze in Erholungsheimen manchem zur Kräftigung und Gesundung verhelfen. Ein großes Arbeitsfeld bietet uns die Fürsorge für die Ernährung. Ob wir nun Mittelstandsküchen gründen, ob wir schon bestehende Küchen tatkräftig unterstützen, ob wir durch private Mittagstische' helfen, durch die sogenannten «Tischlern, deck dich« oder ob wir Naturalien geben, — das ist vollständig gleichgültig. Der Weg, der in einem solchen Falle eingeschlagen wird, ist nebensächlich. Die Hauptsache bleibt, daß auf diesem Wege das Ziel erreicht wird. Neben der Fürsorge steht die Sorge für die Bekleidung. Vielleicht darf ich in diesem Punkte einen Vorschlag machen; der Gedanke kam mir jüngst ganz plötzlich. iWie wäre es, wenn wir in unseren Logen Sainmelsteilen für abgelegte oder ausgewachsene Kleider errichten würden? Es gibt bestimm: Schwestern und Brüder unter uns, die eine solche Sammelstelle unterstützen wüiden und wir hätten auf diese We.se immer einen gewissen fonds, wenn einmal besonders große Not an Uns herantritt. — Wir könnten hier noch einen Schritt weilergehen; indem wir die allwöchentlichen Zusammenkünfte dazu verwenden, die geschenkten Sachen auszubessern.! ■ - m Eine besonders heilige Aufgabe muß es den Schwcsterqlogen sein, unseren Frauen hilfreich die Hand zu reichen, sie nicht nur vor materiellem Untergang zu bewahren, sondern ihnen auch in ideeller Beziehung eine Stütze zu sein. Wie müssen das Gemeinschaftsgefühl ejner jüdischen Frau zur anderen wecken und pflegen. Auch alleinstehende Frauen könnten wir in un* ' sere Logenräume einladen, sie dort mit leiblichen : und geistigen Oenüssen erfreuen. ' Dies wäre j eine dankenswerte Aufgabe für den kommenden Winter, wo diese Frauen vielfach vergrämt und verbittert ihre Abende allein zu Hause verbringen würden. Ich bitte Sie, meine Anregung nicht zu vergessen, wenn Sie nun an die Ausarbeitung eines Winterprogramms gehen. Es ist ganz klar, daß in einer Zeit, wo niemand für die Zukunft aussorgen kann, das Alter unserer dringendsten Hilfe bedarf. .Die ideellste Art hier zu helfen, besteht in derSchaffung . von Altersheimen. Solange die Errichtung von' Altersheimen, insbesondere für Logenbrüder und -Schwestern, an der schlechten finanziellen Allgemeinlage scheitert, müssen .wir es uns genügen lassen, bestehende Altersheime zu verbessern, sie weiter auszubauen, ihnen uns£ft Hilfe in jeder Weise zu leihen. Auch hier handelt es sich nicht nur darum, für Ernährung und Bekleidung zu sorgen -und den alten Leuten möglichst viel Arbeit abzunehmen, wir müssen vor allen Dingen das Gefühl des »Verlässenseins«- vertreiben. Wir müssen durch 'unser Verhalten* den alten Leutchen die Ueberzeugung geben, daß wir nicht nur Schwestern-Logen heißen, sondern daß wir uns alle tatsächlich als Schwestern und Brüder einer großen, Familie fühlen und darum gern bereit sind, einer-für den anderen einzutreten. Wir jüdischen'Frauen wollen beweisen, daß dje Zeiten nun vorbei sind, da es als das Richtige galt, nur vergnügt zu sein, nur im fröhlichen Gesellschaftsleben die- Tage btngehen zu lassen, wie leere Oeschwäize. - Wir jüdischen Frauen woHen beweisen, daß wir uns des großen sittlichen Zusammenhangs menschlichen Daseins bewußt sind. . , ♦ * ' Ob wir in politischer Beziehung rechts oder 1 links orientiert sind — ob wir in religiöser Beziehung liberal oder konservativ denken — wer fragt danach? Es ist nicht unsere Aufgabe, hier zli richten. Unsere Aufgabe ist es, uns ernsthaft zu prüfen, welches die Triebfeder unseres sozialen Handelns ist. Nicht Langeweile darf es sein, nicht die Sucht, nach außen zu glänzen — nein, wir müssen das Gefühl ih uns haben, daßjhier pur eine soziale Verpflichtung gelost wird. Wer dieses'selbstverständliche Oefüh/l sozialer Verpflichtung in sieb spürt, der ist für eine segensreiche* Logenarbeit ge-