Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1924
- Issue
- Nr. 14 - November (11.1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 192 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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in sozialer Beziehung etwas zu leisten. Soziale Leistungen können aber nur dann vollbracht werden, wenn jede einzelne von uns ihr „Ich“ zurückstellt im Dienste für die anderen.^ Wir dürfen ein. Lieb'eswerk, das wir heute beginnen, nicht morgen wieder vernachlässigen, weil uns ungeahnte Hindernisse in den Weg treten, nein, mit zäher Ausdauer; mit anhaltender Treue müssen wir den uns vorgezeichneten Weg gehen, bis wir zum Ziele gelangen. Unsere Ziele aber können 'wir uns gar nicht hoch genug r*tecken; denn nur wer vieles will, kann j |e t w a s erreichen. I Wenn ich mir nun die Frage gestellt habe: Auf welche Gebiete kann, sich die soziale Tätigkeit der Schwesternvereine erstrecken? so ließe sich diese eigentlich mit einem Satze beantworten, nämlich: die Tätigkeit unserer Schwesternlogen kann sich auf alle Gebiete erstrecken, die in das Bereich sozialer Arbeit gehören. Ich möchte es aber doch nicht bei diesem einen Satze bewenden lassen; ich möchte Sie vielmehr bitten, mir in das Reich sozialer Arbeit zu folgen und ichwürde mich unendlich freuen, wenn dieser unser gemeinsamer Spaziergang auf dem Gebiet sozialer Tätigkeit für die eine oder andere Schwesternloge doch noch eine Anregung enthalten würde. Ich möchte Sie aber von vornherein um eins bitten : Kommen Sie mir nichl mit dem, übrigens leicht widerlegbaren Einwand: In unserer Stadt gibt . es keine Not; unsere Gemeinde hat keine Bedürftigen oder: bei uns wird die gemeinnützige Arbeit von anderen ■ - Vereinen geleistet. . Meine lieben Schwestern! S Unsere Zeitverhälthisse sind leider so, daß es* „überall viel, viel Not gibt. Es liegt einzig und allein an uns, ob wir die Augen haben, diese! Not s.e h e n zu wollen, ob wir den ehrlichen' Willen haben, diesevNot zu finden. Und nun lassen Sie mich beim Kinde beginnen! V Wer schon einmal sozial gearbeitet hat, der weiß, wie viele Kinder, auch jüdische Kinder, es gibt, die ohne Luft und Licht aufwachsen. Rufen uns diese armen Kleinen nicht zu, ihnen zu helfen? —. Ich denke an ein Gedicht, dessen Wortlaut ich nicht, mehr im Kopfe habe. Der Inhalt des Gedichtes schildert in ergreifenden Versen das düstere Milieu solcher Kinder, die nie das Lachen: .gelernt haben, die wild und trotzig aufwachsen, ohne daß ihnen jemand einen -Half -für das Leben mitgibt, ohne daß ihnen jemand etwas gibt, jvas ihnen das Leben lebenswert erscheinen ließt. Und das Gedicht schließt mit den Worten: .1 »Weit, weit davon'predigt die Sonnenpracht: Ich bin das Licht, das alle glücklich macht.« - Ist es nicht eine Selbstverständlichkeit für uns, alles daran zu setzen, um diesen Kindern das Leben zu erleichtern? Wir müssen Uns bemüh’n, möglichst viel Sonne in solch trostloses Kinderdasein zu tragen. ■* Wahrlich, welch’ schöne Aufgabe erwachst uns hier: Schaffen wir Jugendheime, schaffen wir Horte, damit jene Stiefkinder des Schicksals eine Stätte finden, wo sicH ihnen das Leben von leichter Seite zeigt, wo sie mit den Fröhlichen froh sein dürfen. Wenn wir mit ehrlichem festen Wollen an solche! Aufgaben herangehen, dahn müssen sie gelingen. Und wenn auch die Ziele meist größer sind als unsefe Mittel, wenn wir auch nicht mit einem Schlage (dies erreichen können, was) wir wollen, so darf uns das nicht den Mut zum Weiterbauen nehmen. Wir dürfen nie vergessen, daß viele k I e i n e; Hilfsleistungen auch ein großes Werk zu schaffen imstande sind! H ^Es gehört vielleicht nicht zu meinem heutigen Thema, ‘das nur allgemein die Öebiete streifen sollte, aiff denen wir uns betätigen können, hier nun mit Tatsachen zu kommen, schon bestehende Heime zu nennen. Ich möchte aber doch ganz kurz auf das jüdische Kleinkinderheim in Breslau hinweisen, weil es meines Wissens das einzige derartige; Heim in Schlesien ist. Wie schön und wie notwendig wäre es, für Oberslchlesien eine derartige Stätte zu erschließen. Wenn ich mir überlege, wie oft in Beuthen allein die Frage an uns herangetreten ist, für Unterbringung jüdischer Kinder zu sorgen, die in christlicher Umgebung auf wachsen, so möchte ich sagen: die Gründung eines jüdischen Kleinkinderheims n Oberschlesien ist dine dringendeNotwjsndigkeit, damit wir aus der »Provinz« nicht immer wieder als Bittsteller an Breslau herantreten müssen. Gewiß, die Zeiten sind augenblicklich so schlecht, daß wit froh sein müssen, schon bestehende Anstalten durchhalten zu können. Aber wir hoffen doch alle, daß auch wieder einmal bessere Zeiten 'kommen und dann würde hier dem Distriktsverbande oberschlesischer Schwesternlogen eine gemeinsame Arbeit winken, die durch ihr Gelingen in sich selbst den schönsten Lohn für uns alle tragen würde.! Eine notwendige und dankensjwerte Aufgabe für unsere Schwesternloge besteht in der Fürsorge für die Gesundheit der Kinder. Viel ist in diesem Punkte schon getan worden: Ferienheime Wurden angekauft, Freiplatze in schon bestehenden Heimen erworben; j\ustaiisch vor. Ferienkindern wurde schon des öfteren angeregt und zürn Teil auch durchgefünrt. Man versuchte jauch die Kinder durch Sport zu stählen, indem von der Loge aus Freikarten zum Erlernen Von Schwimmen zur Venügung gestellt wurdeni Einje weitere Möglichkeit für die Gesundheit der Kinder zu sorgen/ besteht darin, daß siqh unsere Logen der Ernährung von kinderreichen Familien annehmenj sie regelmäßig mit Lebensmitteln versorgen, um so indirekt durctr bessere Kost die Gesundheit der Kinder 192 i