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Der Orden Bne Briss · 1924-11-01 · Nr. 14 - November (11.1924) · p. Seite 174

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1924
Issue
Nr. 14 - November (11.1924)
Date
1924-11-01
Page
Seite 174 (sequence 4)
Language
German
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auch Gelegenheit erhalten, sich an den Aussprachen zu beteiligen. Es will scheinen, daß dies auch heute noch die Auffassung und der Standpunkt der Mehrheit unserer Logen und Logenbrüder sein dürfte, wie dies auch der Stellungnahme der Versammlung der Großpräsidenten in Karlsbad entsprach, so daß es sich kaum empfiehlt* die Frauentage jetzt schon wieder im Plenum der Großloge aufzurollen. Die Tagesordnung siehtferner Referate über das Thema Orden und Kunst« vor. Die in letzter Zeit von. der Großlöge ausgegangenen, in unseren Großlogen-Monatsberichten mit viel Verständnis und Geschick propagierten Bestrebungen (zur Erweckung des Kunstinteresses haben in weitesten Kreisen unserer Brüderschaft ein lebhaftes Echo gefunden. Man sagt uns Juden nach, daß wir uns zwar gut auf Ethik, aber wenig auf die Aesthetik verstehen, und daß-wir allen Problemen der Kunst mit geringem Verständnis gegenüberstehen. Die Juden mögen zwar ursprünglich nicht besonders künstlerisch veranlagt gewesen sein, da ihre Psyche auf das Religiöse eingestellt war. In neuerer Zeit haben die-Juden aber auch ganz bedeutende Künstler hervorgebracht und ein starkes Kunstverständnis bekundet. Die Pflege der Kunst gehört zum Wiederaufbau unserer Kultur. Es gilt nicht nur Künstler zu unterstützen, sondern das Kunstempfinden zu beleben. Auch die Kunst ist ein Spiegel der Zeit. Sie umfaßt unser Leben und Erleben in all seinen Höhen und Tiefen, seinen Leiden und Freuden, und ist so recht geeignet, uns über das Wirrsal des Tages herauszuheben. Es ist wärmsfens zu begrüßen, daß sich im Orden ein regeres Interesse für Kunst bemerkbar macht, nicht nur, weil jüdische Kunst gewürdigt und schaffende: jüdische Künstler gefördert werden sollen, sondern weil es durchaus den Ordenstendenzen entspricht, die Kreise unserer Brüderschaft einzuführen in die erhebenden Sphären des künstlerischen Milieus, Verständnis zu wecken und anzuregen für eine Welt des Schönen und Erhebenden. Ein wichtiger Punkt der Tagesordnung ist schließlich die Frage der Jugendbewegung. Die Großloge hat im Jahre 1908 einen Antrag angenommen, den Lögen aufzutragen, neutrale jüdisthe Jugendvereine zu begründen, die zu einem ei jenen Verbände zusammengescnlossen werden sol ten. Im Verfolg dieser Bestrebungen entstanden weit über 150 neutrale jüdische Jugendvereine mit etwa 50000 Einzelmitgliedern, deren Spit;:e der Verband der jüdischenlugendvereine w ir. Krieg und Nachkriegszeit] haben die erfolgreiche und imposante Tätigkeit dieser Jugendorganisationen schwer geschäd gt, sie ihrer besten Führer beraubt und einje Stagnation hei beigeführt. Es gilt nun, diese neutrale Jugerdorganisation zu neuem Leben zu erwecken. Oie Aufgabe, die eine selbstverständliche Pflicht des Ordens ist, stößt in einzelnen Kreisen auf einen gewissen Widerstand. Es wird geltend gemacht, daß die heutige Jugend mit einem neutralen Jugendprogramm nicht mehr auskomme daß sich die Jugend nach bestimmten Richtungen orientiere und durchaus Partei zu nehmen wünsche. Ein farbloses neutrales Programm wjre nicht mehr zeitgemäß. Die Wortführer dieser Opposition gegen die neutrale Jugendbewegung sind einseitig interessiert, weil sie von der neutralen Jugendbewegung eine Schwächung ihrer bestimmte Richtungen vertretenden j idischen Jugendvereine befürchten. Es mag erklärlich sein, daß Führer der Jugendvereine desCentra Vereins, der liberalen, orthodoxen, zionistischen Ju jendvereine sich gegen neutrale Jugendvereine erk ären. Sie erblicken in ihnen eine gewisse ideale Korkurrenz. «Durchaus mit Unre cht. Det Großloge st jede jüdische Vereinigt ng, ganz gleich, auf welcher programmatischen Grundlage si_e aufgeb aut ist, an sich sympatisch, sofern sie dem Juder tum dient. Wir bleiben jedoch der Ueberzeugung, daß man die jüdische Jugend nicht nur und ausschließlich in parteipolitischen Vereinen zusammenführen dürfte. Nach dem Vorbilde t nserer Logen empfehlen wir neutrale Jugendvemine, in denen sich die gesamie jüdische Jugend zusammenfinden kann zur Betätigung gemeinsamer, allgemein-jüdischer Interessen, die nicht -nur durch die Brille einseitigen Parteistandpunk :es betrachtet werden sollen. In diesen neutralen J ugendvereinen soll den separatistischen trennenden Parteivereinen nur insofern entgegengewirkt werden, als eine gemeinsame Plattform geschaffen wird zur Pflege der Zusammengehörigkeit aller, zur Pflege jüdischer Geschichte und Literatur, von Bildung und Wissen über- 174 —

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