Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1924
- Issue
- Festnummer zum Ordenstage : Oktober 1924 (10.1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 167 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Das Freie jüdische Lehrhaus. Voii Br. Eduard Strauss, Hermann Cohen -l.oge, Frankfurt a. M. Verehrter Freund uid lieber Bruder!] Sie haben mich gefragt, ob ich Ihnen etwas von der »Lehrhaus bewej ung« erzählen könne. Ich müßte mit einem Neil antworten,-wenn Sie bei dieser Frage beharn n wollten, denn eine Lehrhaus b ew e g u ng gibt es nicht. Um es Ihnen auch ganz offen zu gestehen: ich bin der vielen »Bewegungen« müde. Ich sehe, daß man etwas in weite Ferne wir Ft, um dann danach zu laufen. Und man endet alles damit, erreichts nicht, daß man sich Schließlich um der Bewegung willen— beweg hat. Also Sport. Aus einer Zeit, deren Träger ohne Substanz waren, stammt der Nietzsche-Vers: |» Weltrad, das ro lende, Wälzt Ziel Wir auf 2iel — Not — nehnt’s Cer Grollende, Der Narr nennt’s — Spielsind nicht (prollepde und nicht Narren; wir wollen durch Not und Spiel hindurch sehen auf den Menschen Leben, mit dem gespielt such gewagt, nie und Ziele zu erwalndern, zu bleiben und zu Und so will Freien j ü d i s < furt a. M. sprechen, das der Not hat, und auf das wird. Es sei der Verit nuf immerfort zu werden sondern auch zu sein besitzen. ich h e n — es lichkeit hat, sich gründen und das keine Bewegung gemäßen Fieraklitisrtius Wesen ist sogar l>ewuß|t keine »Bewegung«, es und v e r schließt ist gewiß nicht starr — im Sinjne eines ach, so zeitist. Dieses lebendige und mit| voller Absicht schließt sich keiner an gerade deshalb keiner. Ziel, der muß sip strebige erweisen, sich Welcher Mensch such immer zu uns kommt, auf der Wanderung zi gleiclviel welchem jüdischen Ihnen gerne von dem Lehrhaus in Frankgerade die Eigenfümauf das jüdische Sein zu :h bei uns nicht als der Zieldas heißt als einer, der vom Ziel her sjeinen Namen empfängt — ein Name; der ja doch nur Kennmarke ist, heiße er Liberalismus, Zionismus, Agudismys oder‘sonstwie — sondern er ist bei uns einfach jüdischer Mensch dieser heute und hier tagenden; seienden Wirklichkeit | ’ Als Franz Rosenzwaig, vor etwas mehr als vier Jahren unser Lehrhaus ins wirkliche Leben rief, in das Leben jener Tage und dieser Stadt, da ging er von einer Veranstaltung aus, die in Absicht auf eine jüdische Volkshochschule beglündet war; aber er schuf mit dem Lehrhaus etwas Nepes.. Keine Bewegung/ sondern eine Stätte; in seiner damals erschienenen, viel zu wenig gelesenen Schrift »Bildung — und kein Ende« hat er gezeigt, daß es eine-solche Stätte, einen ganz öffentlichen »Sprdchraum« geben müsse, an der Menschen mit lebendigen Wünschen zu bestimmter, allen bekannter »Sprechzeit« zusammen kommen können, üm.zu fragen,und zii antworten, um einfach aus dem heraus, was sie sind, miteinander zu — lernen. ' > Und Rosenzweig schuf keine Volkshochschule, die in akademisch streng geführten Vorlesungen und Kursen enzyklopädisches Wissen vermittelt, ein Wjssen,. das die Reljgionsstunde zu geben versäumt hat, das die Universität nicht oder noch nicht lehrt und das so vielen ihr Heim und Herkommen nicht mehr,zuführen kann. Ja: gerade diese vielen wollte und will das Lehrhaus erfassen. Es will ihnen nicht etwa so beikommen, daß es von.einem der vielen »judentümer« unserer Zeit ausgeht; es will überhaupt -nicht von einer Sache ausgehen, auch nicht etwa von einer solchen, die in Istolzer Objektivität vom Leben losgelöst werden kann, um jals Sphäre wissenschaftlicher Bildung, meinetwegen diesmal jüdischer Bildung, erdfern im Raume des 'Geistes zu schweben. Sondern das'Lehrhaus will von — ie7 * v