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Der Orden Bne Briss · 1924-10-01 · Festnummer zum Ordenstage : Oktober 1924 (10.1924) · p. Seite 168

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1924
Issue
Festnummer zum Ordenstage : Oktober 1924 (10.1924)
Date
1924-10-01
Page
Seite 168 (sequence 34)
Language
German
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den Wtjnschfen und Fragen seiner Menschen ausgehen und. es dahin bringen, daß ihr Sein alle jene Sachen als lebendige aufnimmt, bis die Menschen merken, daß es sich um etwas handelt, das ihre ganz eigene Sache ist und sie a n g e h t und nicht bloß um etwas, für das man sich interessieren kann oder nicht und auch nicht um etwas, das man aus anefzogener Gewohnheit tut oder hat. Ja: das Lehrhaus ist eingebildet genug, zu glauben, daß auch die jüdischen beati possidentes einejf solchen steten inneren Auseinandersetzung und Zwiesprache nicht entraten können! Also: dieses unser Lehrhaus ist keine Bewegung mit herrlich fernen Zielen — herrlich vidieicht bloß, weil und solange sie ferne sind — und keine Volksakademie mit - Bildungsgegenständen. Aber es ist, Gott behüte.! auch keine Gdegenheit fürein »Erlebnis, des Judentums*. Wenn ich etwas noch mehr, als den akademischen Charakter und den Titel einer »Bewegung« für das Lehrhaus ablehne, so ist es jenes trübe seelische Spülicht, das seine'.Unklarheiten und Verworrenheiten mit dem schönen deutschen Worte »Erlebnisdeckt“. Das freie jüdische Lehrhaus wagt es, aus den vorhandenen jüdischen Menschen, alten und jungen, die persönliche Frage herauszulocken und dieser Frage die sächliche Antwort suchen zu helfen.. So ist es eine lebendige Angelegenheit seiner Angehörigen geworden, ja, es besteht in. diesen Angehörigen und es ist genau so wenig »Organisation« (seine innere Gestaltung und Führung ist denkbar einfach), wie eine Familie noch etwas anderes ist außer der ganzen Gemeinschaft ihrer Glieder! Was die Lehrenden den Lernenden bieten, das ist nun aber genau so sachlich, so streng undj gründlich, wie irgend etwas »Akademisches«: Auch bei uns muß, um ein Wort Hermann Cohen^ zu gebrauchen, »das •Philologische immer in Ordnung sein«. Jedoch — alle Lernmalerie ist noch etwas mehr, und das entscheidet: sie ist i| n s e r e Sache, unser persönlicher!Stoff,' wünsch- und willensverknüpft mit jedem von ujis, sie ist unser Eigentum von den yätern her.; Und so wird aus der Materie — Substanz.; _ Alles, Wovon wir in Unseren Arbeitsgemeim schäften, Gesprächen und Vorlesungen handeln, wird zu unserer jüdischen {Sache: auch das Nichtjüdische, denn es gehörr^u unserem Leben mit dazu. — und deshalb nennt sich das Lchrhaus m einem umfassenden Sinn »frei«. Und ebenso wird alles gan i lebendig: der Unterricht in der heiligen Sprache unserer Väter, wie etwa eine Arbeitsgemeinschaft über das Neue Testament, eine Vorlesung B ubers aus chassidischen Quellen, wie das seit Jahren fortgesetzt« Lesen der Heiligen'Schrift. , _ Es ist b< reits vielfach soweit gekommen,1 daß wir nichl mehr Lehrer und Schüler unterscheiden körnen; wir lernen zusammen und unser Tin ist immer mehr »Lernen« im echtesten jüdischen Sinn geworden. Wenn Sie das Bewegung nennen wollen, dieses immer stärkere Sichan :ignen unseres eigensten Besitzes, und wenn Sie es als »Aufbau« bezeichnen mögen, daß jeder von uns stets aufs neue eine glühende Freude an der Arbeit empfindet — ich habe nichts dagegen, Wünsche, die Rosenzweig damals, als Bolen des Vertrauens, zu uns gesandt 'hat, sind zu le »endigen Kräften in uns geworden. Unser Judese n ist uns im eigenen Tun offenbar, ganz und gar ohne jede Begrenzung ich oder und Beschränkung — beinahe hätte »Beschränktheit gesagt — in Parteien Definitionen. Nun: war und wie ist denn wirklich gearbeitet worde 1? Es ist besser, ich gebe keine Stoffbezeichnungen, sondern Menslchennamen und sa:;e Ihnen, wer arbeitet! Rotenzweig selbei gab dem Lehrhaus seine ganze Kraft; An toi Nobel sei. And. lieh ihm den unvergeßlicher Zauber seiner Persönlichkeit; Martin 'Bu >er fand und findet im Lehrhaus seine begeiste ten Hörer; Leo B a e c k s klassisch-klare Ge danken, Julius Goldsteins meisterlich r:ife Beredsamkeit wirken hier; Nathan B rnbalum und der jüd sehe Dichter Agnc n, der Historiker Ernst Simon, ein Schüler Nobels und der deutsche Dichter Alphons Parjuet, die Rabbiner Benja nin May und Georg S a 1 z b e r g>e r, der Arzt Richard K ich und der Philologe Rudolf Hallo, sie slle arbeiten im Lehrhaus, ein jeder in seiner Wese und mit ihnen noch andere, junge Mensel en, die gebend empfangen kaum wissen, ojo sie L|hrer oder Lernende sind. Ich weiß, daß ich es nicht vermag, lt nen eine vollrundü Vorstellung von dem allem geben. . Aucf wenn ich die Programme zu ab- 168

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