Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1924
- Issue
- Festnummer zum Ordenstage : Oktober 1924 (10.1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 159 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Das kranke Wirtschaftsleben, die Schwierigkeit, einen eigenen kaufmännischen oder industriellen Betrieb aufzubauen, die Stellenlosigkeit und Not vieler Angestellter, die zunehmende Ausschaltung d:s Zwischenhandels durch Annäherung des Produzenten an den Konsumenten, ung der Kopfgegenüber der Handarbeit, däzü' die Ueberfüllung dCr akademischen Berufe und die den Juden sich entgegen- Hemmnisse, im öffentlichen Dienst qen großen Privatbetrieben Anfür den, der es vielfach ertönten des Handwerkes denkenden von abgesehen davon Handwerker und stellenden oder auch in Stellung zu findejn, andererseits der auf Deutschland lastende Z duktion, teils zu Wiederherstellun fallenen Sachbes den jüd. Nachw wang zu immer größerer Pro- Reparationsleistungen, teils zur und Ergänzung unseres zertzes, alles dies ruft laut auch uchs auf den Plan, sich produktiven Erwerblsarten zuzuwenden. Der Geist der Zeit drängt immer mehr dazu, den Anteil an dem Ertrag aus dem Arbeitsprodukt zu erhöhen schafft. Auch die früher so Unkenrufe über den Untergang mußten sich, wie dem Nachvorriherein klar war, in ihrer allgemeinen Fasslung als falsch erweisen. Gewiß ist durch die' Großindustrielle Entwicklung im in manchen Zweigen des Handwerks eine völlig: Umgestaltung eingetreten, weil viele Gebrauchsgegenstände und -artikel besser und billiger in Fabriken gemacht werden. Aber daß auch in diesen ausgebildete gerade die bessern als Betriebsleiter, Werkmeis er, Vorarbeiter usw. benötigt werden, gibt es eine große Zahl handwerklicher Betriebe, die vor der Konkurrenz der Fabrik geschätzt sind, stallateure, Male ditoren etc., tei der werk bietet den genten Menschen ihm andererseits nächst erstrebte gesicherter Existenz heute eher erreicht teils ihrer Natur nach, wie In- Polsterer, Bäcker und Koni s weil sie individuellem Ge- .schmack und Bedürfnissen dienen müssen. Und gerade die heutzutage fortschreitende Fortbildung handwerklichen Betriebe zum Kunsthandkünstlerisch begabten intellir ein fruchtbares Arbeitsfeld, wife die Benutzung von Maschinen und der Gas- und elektrischen Betriebskräfte-den Aufstieg zu größeren Leistungen und Erwerbsmöglichkeiten gestattet. Jedenfalls kanrr das zu- Ziel nach Selbständigkeit und in Handwerk und Technik werden, als tm Handels- . gewerbe, falls {nicht von Haus aus große Kapitalien zur Verfügung* Stehen. . Mit diesen Ausführungen . soll nun beileibe nicht d£r wahllosen Zuführung der jüd. Jugend zu '{handwerklichen und 'technischen Betrieben das Wort geredet werden. Weit entftrntf Solch Beginnen stände auch im Widerspruch zu dem Wahlspruch der Zeit -Freie Bahn dem Tüchtigen« und der so dringenden Zeitfotderung, jedermann enlsprechend seinen A'nlagen an die Stelle zu bringen, wo er für die- Allgemeinheit und für sich das Bestmöglichste leisten kann. Der für den kaufmännischen Beruf gut vorgebildete, dem Anlagen und Neigung zu technischer Arbeif fehlen, soll im Handel sein Fortkommen suchen und finden. Aber energisch anzukämpfen gilt es in unseren Kreisen gegen das leidige ur>d gemeinschädliche *Vprurtefl, als. ob de»-der handwerkliche Beruf in geistiger und sozialer Hinsijchf minderen Ranges wäre. Die geistigen Ansprüche, die^an einen jungen Mann gestellt werdep, der nach Erlangung einer guten Schulbildung eine handwerkliche oder technische Lehrzeit antritjt, um sich später auf einer. Fach¬ oder Kunstgewerbeschule fortzubiJde’n, sind nicht geringer als 'die für einen Kaufmann erforderlichen, seine Aussichten für {Fortkommen bei^dem heutigen Wirtschaftsleben aber größer. Und die* große Zahl von Knaben, denen durch lokale oder wirtschaftliche. Verhältnisse die Möglichkeit eines längeren Schulbesuchs nicht ,gegeben * ist, und die Knaben, die der Arbeit auf. einer höheren Schifle nicht folgen können oder wollen, aber zur Handarbeit veranlagt und geneigt sind, diesen allen sollte man unter Voraussetzung ifjrer manjuellen Befähigung den Weg zürn Handwerk weisen. Entwickelt sich bei ihnen mit der Zeit auch kaufmännisches. Talent,,ürti‘so besser. Sie können es zum wirtschaftlichen Aufstieg oder zum industriellen Ausbau ihres Unternehmens’ später gut verwenden. Aber laut zurückzuweisen ist die noch vielfach herrschende Neigung, geistig Unzulängliche und Minderwertige,-die für den kaufmännischen Beruf untauglich oder darin bereits gescheitert sind, zum Handwerk ‘ihre Zuflucht nehmen zu lassen. Jedes Handwerk, verlangt neb^ri Handfertigkeit auch einen gewissen Grad geistiger Regsamkeit.. Bei Mangel dieser Eigenschaften können sich nur bemitleidenswerte {Existenzen entwickeln, die wirt- - I