Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1924
- Issue
- Festnummer zum Ordenstage : Oktober 1924 (10.1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 156 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6727475-6029118-6074624--0637-4867313- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
große Einkommen der jugendlichen hat in dieser Zeit den j Einfluß und die Autorität I des Alters und diej Achtung vor höherer Bildung und gefestigte^ Lebenserfahrung geschwächt ynd dieser Ufrstand führt: nachdem die erwähnten ’ . I Einkommenquellen geschwunden sind^ zu weiteren bedenklichen Erscheinungen. Ganz; besonders aber macfit sich in diesen Schichten die Not der aüsi dem Berufsleben ausgeschiedenen Altrentner und der Witwen bemerkbar.. Demgemäßtreten andere Fragen der Beruf sschichtung, die besonders bedrohlich erschienen, mehr und mehr zurück. Die Flüchtlinge aus dem abgetretenen Gebiete.haben sich, soweit es sich übersehen läßt, meist überraschend schnell wieder neüe Heimat und neueExistenz.schaffen können. Auch das Ostjuden-Problem wird, infolge der seit einiger Zeit einsetzenden starken Abwanderung, wenigstens in wirtschaftlicher Beziehung, vielleicht eine leichtere find natürlichere Lösung^ finden, als man befürchtet hatte. Das j Problem der Berufswahl und Berufsumschichtung gewinnt'sonach jetzt ein wesentlich anderes Aussehen,' als man seiner Zeit erwartet hatte, pie hauptstelle für Berufsberatung hat anfangs des Jahres 1021 ihre Tätigkeit eingestellt und ihr Aktenmaterial der Zentralwohlfahrtsstelle der deutsichen Juden, als der berufenen Vertreterin in allen Wohlfahrtsfragen übergeben. Eine großzügige Tätigkeit auf dem* Gebiete jüdischer. Berufsberatung erweist sich gegenwärtig-kaum als möglich. Die konfessionelle Beratung kann nur eine | Ergänzung der allgemeinen sein. Die allgemeirte Beratung aber, für deren Ausbau während, und näch dem Kriege gleichfalls große Propaganda gemacht war, ist schon durch Abbau und Sparmaßnahmen ziemlich lahm gelegt. Sie ist außerdem auch weiter, soweit sie noch ausgeübt wird, dadurchbehindert, daß sich über die wirtschaftlichen Aussichten eines Berufs und über die; Möglichkeit,'in ihm sein Fortkommen zu findeh, bei der gegenwärtigen Zeitlage wenig Sicheres I sagen lasst. Die allgemeine Beratung kann sithalso, nur auf -die subjektive Seite, d. h., insbesondere auf die gesundheitliche und intellektuelle Eignung des zu Beratenden für den von ihm!in Aussicht genommenen Beruf erstrecken. Fürdie Spezielle jüdische.Berufsberatung erhöhen sich di$§e Schwierigkeiten noch mehr. Ihre spezielle! Aufgabe muß es ■ sein, darüber auf-! zuklären, 'ob der zii Beratende als Jude in jeinetn Beruf besondi :re Schwierigkeiten haben winjl, und ob es ihm insbesondere möglich sein j wird, religiöse Pflühtert, zu deren Erfüllung et sich nach seinem jewissen für verpflichtet hält, auszuüben.. Auth hier wird der Berater fast vor Unmögliches gestellt. Ueber die zukünftige gesellschaftlic de und wirtschaftliche Lag£ der deutschen Ju ten läßt sich jetzt, auch npr mit annähernder Sicherheit, nichts sagen. St^tt der antisemitisch« n Schwierigkeiten, die vot dem Kriege freist von Seiten der Behörden zu befürchten war m, steigt jetzt die Welle voni unten herauf. Daß die in den gesetzgebenden Körperschaften gestellten Anträge auf Aufhebung der Gleichberechtigung der Juden und ihre Unterstellung unter Fremdenrecht irgenwie [jesetz werden könnten, ist zwar nicht ernsthaft zu befürchten, welche Schwierigkeiten aber namentlich, wenn inan den Zeitpunkt erst auf einige Jahre späten abstellt, sich für einen Berufskandidaten hinsichtlich der Möglichke t des Unterkommens etwa in einer einzelner kaufmännischen Branche, oder gar in der Landwirtschaft, oder einer bestimmten Industrie ergeben können, ist natürlich jetzt nicht voraus zu sagen. Ebenso ist es mit der Frage der Möglichkeit der strenger Innehalturrg des Religions-Gssetzes, die schon zum Teil davon abhängt, ob ein geeigneter entgegenkommender Lehrheir oder Prinzipal zu finden sein wird. Dies gilt sogar auch von den höheren Berufen. Wer kann z. B. sagen ob ein strenggläubiger Student, der jetzt s :in juristisches Studium beginnen will, in 4--5 Jahren die Möglichkeit wird, das zuhalteny w schreiben? haben preußische Referendariat durchertn er es ablehnt, am Sabbat zu Trotzddm kann auch jetzt eine jüdische Berufsberatung Nutzen stiften; sie kann siich vor allem der Persönlichkeiten an nehmen, die sich aus vielleicht unberechtigtem Mißtrauen scheuen, an die intetjkonfessionelle Berufsberatung; heranzutreten, und die sich über die vielen hinein¬ •Y spielenden einer ihnen ersönlichen ifrd Familienfragen mit näherstehenden Person aussprechen wollen. Si: muß ferner ihre Aufgabe in sbesondere dahin sehen, nicht blos abstrakten Rat zu erteilen, sondern auch geeignete Ausbildungsmöglichkeit :n und Lehrstellen zu; vermitteln, bei 156