Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1924
- Issue
- Festnummer zum Ordenstage : Oktober 1924 (10.1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 148 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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imaginären Reichtumswelle. Die kaum dem Kindesälter Entwachsenen verdienten Geld in Hülle und Fülle,, das sie ebenso schnell verschleuderten, wie sie es verdienten. All diese furchtbaien Schäden zu heilen, sowohl bei der Jugend, die sich uns innerlich aus idealem Ueberschwing entfremdet hat, wie auch bei denen, welchen die Erschütterung der Zeit ihren sittlichen Hat raubte, ist unsere, der Mütter, wichtigste Aufbauarbeit am Judentum. Wir müssen die Brücke Wieder schlagen zwischen Eltern und Rindern, es für unser Judentum Familienleben mit se Achtung vor dem Alter, jener Ehrfurcht, die unser größter deutscher Dichter die adeligste Tugend nennt, zerrüttet wird. Dann wären die Fundamente des Judentums zerbörsten. Zurückschrauben tönnen wir die Zeit nicht. Wir können nicht taub sein gegen den Sturm, der durch die Seele jder Jugend braust. Wir können keinen blinden Gehorsam von dieser ' Jugend fordern. Immer tiefer würde sonst der Abgrund werden, der uns von ihr trennt. Aber wir können und dürfen .auch nicht wider unser besseres Wissen, ge£en unsere gereiftere Erfahrung, alles gut und recht und schön heißen, "was unsere Jugend gut und recht, und schön findet- Etwas aber kpnnen wir: Der Jugend, die sich voll Ekel angewandt hat von all den Aeußeriichkeiten einep überzivilisierfen Lebens und die den Sinn des Daseins sucht, müssen wir zu folgen versuchen in das Neuland ihrer Sehnsucht. Es geht ein heißes Sehnen nach religiöser und sittlicher Vertiefung durch diese Jugend. Sie will wieder selbst aus den Quellen unserer Religion trinken und die heilige Sprache erlernen. Ich kenne ijAütter und Väter, die dieses Wunsches spotten und da einen tiefen Abgrund aufreißen.zwischen sich und ihren Kindern. Da muß eä unsere heilige Frauenaufgabe sein, unsere Kinder von uns aus immer mehr hinzuleiten auf diesen Weg religiöser Verinnerlichung. Dies ist zugleich der einzige Weg, den Teil der Jugend zu beeinflussen, der unbekümmert in Euxus, Vergnügen und Genußsucht dahinlebt Zwingen können wir auch diese Jugend nicht; aber ' wenn wir ihnen ein echt jüdisches Familienhaüs schaffen, wenn wir ihnen ein Beispiel nnd Vorbild sind in allem Guten, zeigen als die nden, dann er- ^ichts Schlimmeres kann geben, als wenn unser ner selbstverständlichen wenri wir ihnen edlere Genüsse die sie draußen auf der Straße fi füllen wir auch an ihnen die Pflicht, die wir als Mütter und Mithelferinnen am Aufbau des Judentums haben. Freilich ist die Vorbedingung, daß wir selbst erzogen sind, selbst all den Aeußerlichkiiten und der "Genußsucht abhold, die gerade uns _ üdinnen so vielfach zum Vorwurf gemacht werd;n. — Aber nicht nur als Vorbild für unse e Kinder. Wir Frauen* haben auch als Gliecer der jüdischen Gemeinschaft die Pflicht, dem neuentflammten Judenhaß keine Waffen in die rfand zu geben. Unser Fra lenstreben muß es seip, nicht durch Kleidung, Schmuck und lautes Benehmen aufzufallen. müssen in Wir Wori und Schrift zur Einfachheit und Bescheieit mahnen, aber auch, wenn es sein in edlem Stolz für unser Judentum ein denl muß tretep. (Mehr noch als bisher müssen wir auch unser Wissen vom Judentum vertiefen, dam t wir unseren Widersachern, wenn sie uns entgegentreteri, die richtige Antwort'nicht schuldig bleiben aus Unwissenheit und Unkenntnis. Uns:re Kinder, die oft so früh schon in der Schule unter dem Gift des Judenhasses leiden, müssen wir mit dem Stolz erfü len, daß sie das älte< te Adelsgeschlecht auf Erden sind, und daß sie vor keinem die Augen niederzuschlagen \ brai chen, .aber freilich - nur darin, wenn sie so leben, wie'es'die jüdische Gimeinschaft von ihnqn verlangt. Noch ein Zweites, durch las wir am Aufbau unseres Hauses und dadurch auch am Aufbau des Judentums helfen können und darum mü; sen: Die »Esches chajil«, von welcher der jüdische Spruchdichter begeistert singt und die siet müht, vom Morgen bis in die sinkende Nacht, für Gatten und Kinde’ und Haus, .sie sch en ausgestorben in unseren Tagen, wenigstens in den begüterten Familien der Großstädte. Wir brauchten nicht mehr selbst Hand anzulegen Haufshalt. Es gab Für uns arbeiteten. unc uns zu mühen im ja < ienstbare Geister genug, die — Das ist nun meistens von selbst schon heute wieder anders geworden. Wir Frauen, reiche oder minderbemittelte, ob wir vollen oder nicht, wir müssen und sollen uns wieder daran gewö inen, selbst zuzugreifen. Eine führende 148 —