Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1924-10-01 · Festnummer zum Ordenstage : Oktober 1924 (10.1924) · p. Seite 145

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1924
Issue
Festnummer zum Ordenstage : Oktober 1924 (10.1924)
Date
1924-10-01
Page
Seite 145 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/6727475-6029118-6074624--0626-4867302
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wenig mehr a tagte in Wien eine W Frauen, einberufen vom Jewish Women of Alles Trennende w Wir waren Frauen, tragen und zu linpern. noch so dankbar s ein America wurden dort die Fi den wieder angeknüpft, die der furchtbare Krieg sq jäh zerrissen hatte, zwischen uns, deu sehen Schwestern in den uns lurde wir w ander helfen wollten, die Not der Zeit zu er- Frauenbestr£bungei^. Von Ella Seligtnann, Frankfurt ä- IW Jahr ist vergangen, da eltkonferenz jüdischer National' Council of Zum ersten Male Frauen, und unsere», feindlichen Ländern. \ bewußt zurückgestellt aren Jüdinnen, die ein- Aber wenn wir auch anerkennen, daß die Frauen desAuslandes uns ihre hilf« bereite Hand entgegenstreckten — bei dem innerlichen und wahrhaft notwendigen Wiederaufbai alles dessen, was in diesen Jahren des Elends zerstört wurde, vermag uns niemand zu helfen. D is können, dem tiefsten Sinne nach, wir deutschen Jüdinnen nur aus eigener Kraft. Niemand da draußen vermag ja (las schwerste Erleben der deutschen Frauen, also auch der deutschen Frauen jüdischen Glaubens zu begreifen: dieses Arbeiten in nieder-1 drückender Hoffnungslos gkeit, dieses Wissen, daß all unser Tun gleich dem Wasserschöpfen der Daainden war. Wir schütteten all unser heißes Wollen, all unseie Liebesarbeit in ein bodenloses Faß; wir arbeiteten, und mühten uns. > Und die Zerstörung alles dessen, was uns des Lebens Glück und Wert und Schönheit bedeutete, f ging doch weiter. Was wollte es wohl besagen, wenn wir wirklich verlassenen Menschen, verlorenen Kindern, Elite brachten, wir alle versanken in der Flui dieses Elends, die immer höher anschwoll ind mit dem Ende des Krieges kein Ende fand. ' , Aber jetzt ist die >e Hof fnungslosigkeit irgendwie von uns genommen. Ganz unmerklich, nach und nach hat unser: Fraienarbeit das Schwankende, Ungewisse, Tastende der letzten Jahre verloren; wir fühler wieder festen Boden unter den Füßen und müien uns, das, was wir vor dem Kriege schon aufgebt ut hatten, weiter auszugestalten und Nei es, Vtjertvolles der früheren Arbeit hinzuzufügen Ueberall zeibt; sich aufblühendes Leben im dtutschen Judenjtum. Nicht mehr wie" zu den’ Zcifen unserer Qroßmütter sehen wir Frauen aus unserem engum^riedeten Heim, das einst unsere gänze Welt einichloß, tatenlos zu, wie unsere Männer schäften:am Wiederaufbau des deutschen Judentums,; das; ebenso wie unser" deutsches. Väterland, cier Kräfte und der Arbeit aller, also auch der Frauen, bedarf;' ’ , ‘ | Das politische Reifezeugnis, das die Novemberrevolution den deutschen Frauen bescherte, hat , bdi den jüdischen Frauen den selbstverständlichen Wunsch iausgelöst, nunmehr auch als gleichberechtigte Mitglieder in den jüdischen Gemeinden mjtzüarbeiten., Des fjlugbtatt, das der jüdische Frauenbund anläßlich der irri März d. Js. in| ganz Deutschland veranstalteten jüdischen Filauenstimmrethjtswoche herausgeschickt hatr sagt klar und c^eutlich, weshalb wir die Forderung der Gleichberechtigung in den Gem6inäerf,stellen. Es schließt sos v*. .. >Nicht aufe j theoretischer Fräüenrechtlerei, sondern aus der] Ueberzeugung heraus, daß zur ki lturellen Entwicklung unserer Gemeinden Frauenarbeit notwendig ist, daß wir, gerade weil w r Frauen si^id, in den Aeqitern der Gemeindevertretung! Rechtes und Gutes wirken kennen.t i Nur wenn wir Frauen uns mitverantwortlich fünlen für die Arbeit in der Gemeinde, wird auch di: — wir leughen es nicht — noch bei sehr vielen Frauen vorhandene Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit; gegen Ereignisse und Dinge, di^ sie oder ihre Nächsten nicht, persönlich tröffen, immer mphr schwinden. Alle Frauen werden verstehen i lernen,, daß die Gemeinde im Mittelpunkt des überall von Haß umbrandeten jüdischen Lebens: slteht und daß es unsere Pflicht ist| zum Bestehen jdieser Gemeinde b’eizutragen. Alle soziale und (erzieherische Arbeit, die wir leisten, tun wir letzten Endes für das Fortbestehen der jüdischen Gemeinde und so verlangen wir, diese Pflichten gegen unsere Gemeinschaft voll und ganz erfüllen zu können als' gleichbeijechtigte Mitglieder der Gemeinde. Wir wollen“ 1 145

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.