Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1924
- Issue
- Festnummer zum Ordenstage : Oktober 1924 (10.1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 141 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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einander verbnnden sein. Alles, was Menschen einander bedeuten, hängt davon ab. Ist es nicht d'e Geschichte so manchen Zusammenlebens von Menscher, daß sie sich und einander aufreiben und er;chöpfen in all den Kleinigkeiten, die sie aneir ander finden und einander zuwenden, in all dem kleinlichen. Denken und Empfinden? Das gilt oft vom Bunde zwischen Mann und Frau, es gilt oft von dem Verhältnis der Elfem zu ihren Kindern, und es gilt von aller Verbincung zwischen Menschen und Menschengruppen, zwischen Parteien,Ständen und Völkern. Au :h unser jüdisches Gemeinschaftsleben leidet leute so oft unter diesen*) Kleinlichen,. das d; s Leben beherrscht. Was unsere Religion der Gegenwart geben soll, ist dari m vor allem der große Gedanke. Unser Judent jm hat die Lehre von der großen selbstlosen I flicht, um Gotteswillen, von dem, was mit ganzem Herzen und ganzer Seele und ganzer Kraft geleistet werden soll, von dem, was d'e Menschen bis zum Menschheitsziele, bis zur Erfüllung der Zeiten hinführen wird. Nur in .«•'eser Fähigkeit, sich für etwa$ einzusetzen, was über den Tag und die Alltäglichkeit hinausgeht, kann dem Mtnschen der Respekt vor sich selber, die Achtung vor seinem Dasein gegeben sein. •'Und nur, wesich achten kann, vermag dann vor andern gehoben zu Streit, über w Menschen gegeben sein kann, mag «.ein Dasein auch in begrenztem Kreise verlaufen, da? ist der Gedanke d :r großen Pflicht, der Pflicht, [wie die Religion si: V«pm Menschen fordert, lind durch die dann jede kleine Aufgabe, auch djej welche die Stunde) mit ihren Sorgen Und Noten bringt, geadelt wirb. Das isjt es, dessen unsere Zeit bedarf und in ihr wir; Juden ganz besonders.- Wir haben so mancheh Kampf gegen Feindschaft und Uebelwollen zu j führen, und es Scheint oft, daß es unsere erste Aufgabe ist, abzuw'ehfen ynd Uns zu vefteidigen[ Aber alle Abwehr kann schließlich erniedrigenl, wenn wir nicht groß von uns, von unserem Ideal und unserem Glabberi*Jru denken vermögen, wenn wir nicht wissen, um wessen willen wir) den Kampf gegen viele führen. Es scheint oft, daß eine Zelt schweren Ringens ums Dasein für1 viele unter uns npdl bevorsteht, daß viele unter uns wieder Mühen! und Sorgen werden kennen lerpfcn. Müheh uncl^Nöte drücken den Menschen Jierab, wenn es nur /Mühe um der Mühe will :n, nur Not der Not wegen ist. Aber 1 sie erheben den Menschen, Wenn er wisseij darf, wenn eri_an sein Leben' zu denken wer fer ist. such Achtung zu hegen, emporsein über kleinlichen Hader und niedrige Eifersucht und Mißgunst. Emen großen Gedanken gibt es, der jedem 1 vermag, wenn er Respekt. haben darf vor sich und seinem Dasein. ( « Jude sein, bedeutet das Bewußtsein seelischen Adels in sich tragen, diesen großen Zug des Denkens und Empfindens, dert-großen Stil des Lebens haben. Daran immer wieder zu gemahnen, ist jüdische Aufgabe der Gegenwart. iederaufbau im jüdischen Von r | Br. I s ni a r Freund^ Berl Gemeindlichen. f L Krieg und Nachkriegszeit mit ihren wirtschaftlichen Folgen haben auf das jüdische Gemeindeleb m besonders verhängnisvoll eingewirkt. Traf sonst der Zusammenbruch auf bis; dahirr' gesunde Verhältnisse, so mündete er auf dem Gebiete des jüdischen Gemeindelebens in einen Prozeß ein, der schon seit langem zu ernstester Bejsorgnis Anlaß gab. n i Dieser Prozeß nimmt seinen Ausgangspunkt etwa von der Mitte' des Vorigen. Jahrhunderts und der gi undlegendeh Umstellung des deutschen Verkehrs- und Wirtschaftslebens Die Arieinanderrückung der Menschen und die Erleichterung des Verkehrs durch die Eisenbahn, die 'neuen Möglichkeiten des Erwerbslebens, dazu nicht selten politische und soziale Gründe, haben zur Abw. anderunß aus den kleinen Städtenih' die Groß- 14t