Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1924
- Issue
- Nr. 9/10 - August (8.1924)
- Date
- 1924-08-01
- Page
- Seite 102 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6727475-6029118-6074602--0581-4867251- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Welf nur segensreich sein könnendes -ist wahres Menschentum. Es hat dies mit Krieg und Politik nichts zu tun. Wenn sich in - den Freimaurerlogen in der Gegenwart mehr als bisher Regungen des Antisethitismus zeigen, ist dies nur Verletii ng üblicher Höfh'chkeitsformen oder Verletzung ewiger Grundsätze des Freimaurertums, Verletzung «ähren'- Menschentums? 1 Dr. A I f f e d G o I d s c li in i d t. i,- Rathenau. Von Emil Ludwig. Ein.Vhnn muß. stark genug seirr, s cti ans d^r fjigenart seiner Unvollkommenheit die Vollkommenheit seiner Eigenart zu schmieden. Schmal war die Tür seines;edlen Hauses, zu schmal, um,Zwei Menschen zu gleicher Zeit einzulassen. Das Glück der‘Gemeinschaft, die Gnade der Liebe blieb ihm und seinem Haus vorenthalten.. Aus diesem Fluch naturgesetzter Einsamkeit hat et die hohen Werte seines Werkes, seiner Tat gezogen. ’ ' Ich weiß nicht, wer ihn etwa liebte; er selber liebte nur die Mutter. Vergebens haben sich Frauen um ihn bemüht, und ob er sich selbst zuweilen um irgend einen Grad von Wärme bemüht hat oder nicht', gilt völlig gleich, sein Inneres blieb einsam. Keineswegs war dies ein strenger Philosoph, der. sich den Frauen im Salon entzog und nicht lächeln kpnnte; aber erließ niemand ein in die Cella seiner Seele, zu diesem Tempel war die Ttir so sichmal wie die seines Hauses. In diesem, abarischen Felde, das um ihn gebreitet lag, hörten, wie in jenem andern phantastischen umden Nordpol, die Gesetze des Magnetismus auf zu wirken; inj dieser dünnen Luft lebten und w.irkten nur noc^h zwei Kräfte: Geist und Wille zur Macht, und wie die Wellenkreise dieser psychischen Gase.jhn umwehten, und wie er sie irr jedem Augenblick, ein ganzes Menschenleben lang, einsog, verkümmerten immer mehr die andern Triebe der Seele, Güte, Freundschaft. Heiterkeit; Am Ende, als er sich — ’ * Aus: Genie und Charakter1,' Zwanzig männliche Bildnisse von Emil Ludwig. 1924 m Verlag. Berlin. — Mit Erlaubnis, des -vfiedergegeben. Er st-| Rorwohlt Verlages( gekürzt ganz gestählt und unangreifbar fühlte um noch in dünnster Luft zu atmen, erstiegenen Caurisankar seiner Träume und kam oben um »Handeln ist leicht, denken' schj' dem Gedachten handeln unbequem.« Deutsche haben die Tiefe dieses nur z wjer, nach Wenige tr Hälfte mystischen Anfangs von Wilhelm Meisters Lehrbrief ganz begriffen, noch weniger jiaben Volke von poets änd critics vermocht, zu denken und zu handeln.' Rathen:iu nur von Nation ein Deutscher, nicht vdn Rasse, hat es vermocht. Während er den Pclajst seines Wissens und Denkens in die Breit? ließ, baute er unablässig an dem Handelns, den er aus einer Ec|<e däs emporhob. Alles zu wissen, was hindert faßt, noch einmal den gesaiüteln Schatz des Abendlandes in der kleinen Kugel eines ipm nicht war sein int Grunde begann: Haus zu Turbinen war Menschenhirnes zu versammeln, genug. Zugleich universal zu händetyi, Ehrgeiz, und in der Tat gelang ihm alles, was er mit Haupt und Händen Er wußte Porträts zu malen, se n zeichnen, den Stuck darin zu formen, jn diesem zugleich freilich wachsen T^rnn des Palastes dies Jahrzu bauen; Holzplastiken zu bestimmen Montaigne anzugreifen, EJilanzen zu entschleier i, Fabriken ufnzustellen,. Verse zu schreiben, Stialsverträge zu schließen,' di^ Waldstein-Sonate zu spielen. Nicht auf Genie, es kam ihm auf einen gewissen Grad des Könnens an, der meist roch größer War, als was der tüchtigste einzelne i n einfachen Fache zu leisten vermag. Sein Feld w ar die Welt, das darf man sagen, in seiner Vie lfalt war er überraschend. Rathenau, der ein G< nie: zu sein Wünschte, war vielleicht der talentnol ste Kopf seiner Epoche. - 102 -