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Der Orden Bne Briss · 1924-08-01 · Nr. 9/10 - August (8.1924) · p. Seite 100

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1924
Issue
Nr. 9/10 - August (8.1924)
Date
1924-08-01
Page
Seite 100 (sequence 6)
Language
German
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selbe gilt von Polefi, woi man vom Schutz der Minoritäten gesprochen hat, aber den Juden ihn nicht gewährt. In Litauenj werden die jüdischen Minister fortgejagt uswJ So besteht bei uns Kindern der Jetztzeit dje Ueberzeugung, daß unser Judentum urfs wie! eine Dornenkrone auf dem -Haupt liegt, daß fü* uns Juden von außen keine Rettung zu.-finden! ist. Kein Heldentum an der Front, keine Mitarbeit und Aufopferung zu Hause-, keine Friedenskonferenzen, kein Rathenau, kein Einstein, riichts kann uns helfen, nur wir uns selbst. Diese traurige Erkenntnis hat sich jetzt auch im Orden den Brüdern eingeprägt; aus der Fata morgana des! Optimismus der Gründer des Ordens in Deutschland sind Wir zur nüchternen Erkennung der Tatsachen gekommen. Mit größten Besorgnis blicken wir in die kommenden Jahrzehnte, selbst in dieser feierlichen Stunde können wir es nicht vergessen, daß anstelle v~n Ahfwart und Liebermann jetzt 150 Judenfeinde in . die deutsche Volksvertretung einziehen und mehr als 10 ‘ Millionen Wähler hinter ihnen steheh. Wir dürfen das nicht ansehen als eine Modeströmung, die Vorübergehen wird, es ist eine entscheidende Wendung, die sich noch furchtbar an uns Juden auswirken wird. All die jetzt noch j jungen Leute im Stahlhelm, im Wehrwolf. und ^Deutsch-Orden! Mit Grauen müssen wir darin denken, wenn sie in die Amtsstellen-einrückefi. Und unsere Kinder, was wird aus ihnen in dieser Welt danrt, die schon jetzt ausgeschlossen werden von Wandervögeln, keine Satisfaktion erhalten von Studenten, die als Männer wie Gemeine-- behandelt werden und nicht als Offiziere des Geistes? Doch all das-darf uns nicht mutlos machen. Was mich nicht umwirft, das macht mich stark, das muß unser Grundsatz sein. Freilich^ es gefügt nicht mehr, das Judentum“ anzusehen als em Ding, dent man gleichsam als Jährespensum einmal eine i, Anstandsvisite macht am Rosch Haschonoh und Jom Kipur, ohne sich sonst ejarum-zu kümmern, jetzt heißt es: Bereit sein i^t alles. Mit aufrichtiger Bewunderung schauen wir auf all die Binder, die bei der Neugründung mitgewirkt haben; mit Stolz haben >vir uns die Aufgabe gesteHt, den Orden nicht! nur zu erhalten, sondern zu festigen. Dankbar sind wir auch den Führern der Großloge für das Verständnis, das sie füj unsere Bestrebungen gezeigt haben durch die Erteilung des Freibriefes, j Dankbar spid wir auch all den Gästen, die urjä ihre Wünsche dargebracht haben. Und wir gdlöben, die Ordensgesetze streng einzuhaltem die würde und die Disziplin in der Loge zu fahren, und ich persönlich füge auch hier nochj hinzu daß ich d e Loge unparteiisch zu leijen jnich allezeit bemühen werde. Auf meinen besonderen Wunsch hat ja Br. Werner das Amt des Viziepräsi: enten übernommen, und die Zugehörigkeit von Br. Alfreijl Wiener zu uns dient wohl auch « s Beweis |dafür, daß bei uns keine einseitige Parteipolitilc getrieben werden soll. Njcht A'ißvergnügpn hat uhs zusammengeführt, sondern das Streben nach eihdhten Leistungen, nie t der Geist der Verneinung, sondern die Kraft der Bejahung. Sie ist 'das Programm für unsere Arbeit; positive Arbeit wollen wir leiste i; ihr wolUn wir all unsere Kraft widmen, [lies ist der einzige Grund, daß" wir die Zahl unserer Brüd:r so niedrig gehalten haben, fast bis auf den letzten Minjen-Mann. Wir wqllen ijie Bekann schaft aller pflegen mit allen; ein jeder soll dem andern persönlich näher treten. Ind für jeden unserer Brüder wollen wir gleichsam ein peinliches Archiv anlegen. Jeder Brucer soll verpachtet sein, irri Dienst der Loge jositi.ve. Arbeit zu leistenZeitungen lesen un I Vorträg4 besuchen, Bücher lesen oder "heater besuchen usw, aber über alles Bericit erstatten in der Loge. Unsere besondere Aufmerksamkeit wollen wir natürlich der antisemilischen Literatur zuwenden. So wollen wir das g:samte jüdische und nichtjüdische Leben durch ein Sammelbecken der Logenarbeit hindurc ileiten. Wir] wollen aber für dieses Becken auch ein Sieb] einschalten, das ist das M e r k b I a 11. Mit jedef sachlichen Meldung soll uns ein kurzer .Bericht zugehen, und diese Berichte wollen wir untet einzelnen Stichworten sammeln. Ja[ wenn genügend Stichworte da sind, wollen wir die Berichte zusammen auch drucken lassen und diesfe Drucke auch den Brüdern der imderen Logen zugänglich machen gleichsam s|s Gesamtarchiv des jüdischen Lebens. Damit (wollen wir das Wissen vertiefen und neues verbreiten, Anregungen geben iind empfangen. Als Ideal schiebt uns die Vollständigkeit des Allaterials vor;und ihre Herausgabe gleichsam als bexikon — too

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