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Der Orden Bne Briss · 1924-08-01 · Nr. 9/10 - August (8.1924) · p. Seite 97

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1924
Issue
Nr. 9/10 - August (8.1924)
Date
1924-08-01
Page
Seite 97 (sequence 3)
Language
German
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wollen, sondern cer Kraft," wir bedürfen der Ideale. Auch das hat Jehuda Halevi erkannt und ausgesprochen und darin vollendet sich sein Denken und Empfinden. Er hat das jüdische Ideal besungen und verherrlicht, er hat sich danach gesehnt unld uns das Wort Zion wieder neu geschenkt. Eip Jude, der nicht ein Mensch der’Sehnsucht ist, jein Jude, der nicht das starke Hoffen in sich trägt, d.is ist kein ganzer Jude. Und dieses Ideal ist es, was Jehuda Halevi den Glauben genannt hat. C lauben ist kein System, auch kein bloßer Aufbau der Vergangenheit, kein bloßes Erneuern des Früheren, es ist etwas ganz anderes; es ist d|sr weite unendliche Horizont, es \%t das Wissenj des Menschen, daß er nicht dem Heut allein i lebt, sondern der Ewigkeit, der Unendlichkeit und fürr sie; Glauben ist die seelische Gable, die hinter dfcm Sichtbaren das Unsichtbare sieht, hinter dem Vergänglichen das Ewige, hinter dem Wechselnden das Bleibende. Nur der besitzt d*n Gla iben, dem jeder Tag zur Offenbarung wird, dem das, was die Stunde spricht, etwas von der pwigkeit kündet. ■ Als eine Gemeinschaft von wenigen, meine Brüder, haben Sie Ihre Loge gegründet. Zu wenigen zu gehören, das kann ein Ideal sein aber es könnte auch eine Armut im Geiste bedeuten. Von Ihnen, vjn Ihrem Tun hängt es ab, was hier gilt, ob Kümmerlichkeit oder Vornehmheit,' ob j Armseligkeit oder der Adel der Juden, die ja immer cie wenigen unte^ vielen gewesen sind. I ’ Wir leben Ungewißheit die nach der Ruhe in einjer Zeit, wo Unriihe und Welt erfüllen. Die Sehnsucht des 1 ieals und des Glaubens beginnt darum in viele pemüter wieder einzukehren. Auch Jejhuda Halevi hat so empfunden. Er hat'das Meerj und sein Toben oft besungen, wenn der Sturnt über die Wellen fährt. Aber immer hat er dabei dss'eine gefühlt: oben, da steigen die Wogen nach an, dort ist Ringen und Streiten, aber unten in der Tiefe, unter der Oberfläche des |wildbewegten Meeres, da ist die Stille, da ist der Frieden. In die Tiefe hinein dringt nicht der Sturm des Tages, in der Tiefe drunten ist es still und ruhig. Wer nur die Obeifläche des Lebens kennt, den zerreibt das Leb?n, wer aber um die Tiefe weiß, dem kann es n chts anhaben. Der Jude, der sein jüdisches Letten hat, der es weiß, daß es nur soviel Wahrheit gibt, als es Menschen der Wahrheit gibt, nur soviel Judentum.*, wie.es jüdische Menschen gibt, der hat den Frieden der Tiefe, in seiner Welt gibt es eine Harmonie, ihn kann der Sturm nicht niederwerfen, sein Lehen wird nicht zerrieben. So spricht Jehuda Halevi zu uns. Er hat den Sturm* über das Meer dahinfahren sehen, aber-er wußte, daßder Sturm seinen Tag nur hat und daß Oolt über allem waltet. Er sang: »Erwach}, erwacht, aus trüber Nacht, ihr Kinder der Treue. Der Herrder Ehren will wiederkehren, zu leuchten uns aufs neue.«- . , Die Zeichenerklärung gab den neuen Brüdern Expr. Br. P i n c ü s-Köln mit-interessanten neuen Deutungen und unter Bezugnahme atif das Lie‘d Jehuda Halevis »Ach, was fürchten sie und zagen!« Die dann nach der Vorschlagsliste gewählten Beamten der neuen Loge führte Expr. Br. Maximilian Stein in ihre Aemter ein •* und fügte auch seinerseits Worte der Freude über die Neugründung und Worte der Hoffnung und Ermahnung an unter Berufung auf den freimütigen Kritiker, der Jehuda Halevi allezeit war. Neben diesem Namensgeber, der, ja auch Arzt war, stehen drei weitere Aerztp an der Wiege des Neugeborenen, eine Sicherheit für die sorgfältige Betreuung desselben. Alj die neuen Brüder haben die Antwort unseres-Erzvaters Abraham * freudig wiederholt, die den Titel bildet einest der blühendsten Gedichte Jehuda Halevis >Hter bin ich«, und nun soll wahr werden ein Wort, das der junge Präsident Br.. V ritz Kahn in einem seiner Werke selbst geprägt: »Eine neue Epoche beginnt, wenn ein neuer Geist sich regt.« Br. Kahn, der Sohn eines unserer verdienstvollen Logenbrüder, geistvoller Vertreter idealster Weltanschauung und erfüllt von' glühendster Begeisterung für das Judentum* Literat, und Arzt, steht vielleicht durch seine Neigung' alles zu verklären, ein wenig weltfremd über den Dingen; deshalb ist es gut, daß det zweite Arzt, der'als Vizepräsident ihm zur Seite steht, Br, Werner, der als alter »K.C.er«, Begründer des Frontbundes und Wortführer im C.V.,. steh bereits als Organisator bewährt hat. Ebenso haben ja die übrigen Beamten, die BBr. L a z a r u s, J u 1 i u s Schlesinger, Aron ade, Eugen Schl esinge'r, Artur Peltescihn bereits den Befähigungsnachweis einer verständnisvollen Füh- - .97. -

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