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Der Orden Bne Briss · 1924-08-01 · Nr. 9/10 - August (8.1924) · p. Seite 96

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1924
Issue
Nr. 9/10 - August (8.1924)
Date
1924-08-01
Page
Seite 96 (sequence 2)
Language
German
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tird dem empfänglichen jMenschen. Das gilt auch für unsere Logen, die ja eine Wjelt im Kleineren sind; denn auch hier.gibt es Menschen, die geben, und solche, was nichts Geringeres, sondern auch eine Gabe Gottes Ist, empfangen. Nur solche Wechselwirkung bringt Let4n; bringt Bruder-Ltben, bringt* Menschen-Leben Iin die Logen. Auch in den Namen, die die Logen tragen, drücken sich Epochen des Ordenslebens aus.. Jede Loge hat itirejn Namen vom Orden und der’ Großloge als ßrje Briss No.erhalten; den eigentlichen; Namen zum Ztichen dessen, was sie sein will, jgibt sie sich selbst. Dieser neue Kreis von jBrüdern hat für sein Geben und Empfangen den Namen Jehuda H a I e v i gewählt, er will ein Stück wenigstens dieses Mannes werden, dieses Geistesfürsten aus der Vergangenheit des Judentums. Es gibt den einen, dem so etwas nur Vergangenheit bedeutet, aber es gibt auch den anderen, der in der Vergangenheit auch seine Ahnenschaft sieht. Gerade für uns Juden ist es entscheidend für unser Streben und unser Tun, ob wir in den Vorfahren nur die Vergangenheit oder die Ahnen sehen. Ihnen, meine neuen Brüder, soll J ß h u d a Halevi nicht die Vergangenheit sein: Ahne soll er Ihnen sein!. Sie haben seinen Namen gewählt, nicht weil er einem früheren Jahrhundert angehört, sondern weil er noch nach Jahrhunderten für uns lebt und noch für weitere Geschlechter leben wird. Ahnenschaft aber in der Vergangenheit. sehen, heißt Kraft aus ihr ziehen; Vergangenheit , allein ist nur Materie, während Ahnenschaft zur Kraft des Lebens wird. Welches aber ist die Kraft;''die dem Namen Jehuda Halevi entströmt? Einer seiner Gedanken, die er als Einsamer damals ausgesprochen haj^, wie ja die Wahrheit immer zuerst Eigentum eines einzelnen ist, war, daß das Judentum nicht ein System ist, nicht ein bloßes Gefüge von Gedanken, nicht etwas Abstraktes, das man nehmen kann, um es zu betrachten, es ist vielmehr der Gedanke eines ganzen Lebens. Es .gibt, sagt Jehuda, nur so viel Judentum, als es jüdische Menschen gibt; der jüdische Mensch ist das Entscheidende, der Mensch, der die ihm gewordene Wahrheit in sich selbst verwirklicht. Das kündete er einst, das kündet er auch uns noch. Denn was ist heute für viele die Wahrheit, die religiöse Wahrheit zumal? Ein Ding imTerrpel vielleicht, in den sie füj eine Stunde . hineingehen, und in den sie, we^in d t Riegel wieder vorge>choben wird, auch!die Wahrheit verriegeln, auf daß sie wieder gut verschlossen sei! Eingeschlossen wie ein Gefangener, den man lür eine Stunde eines besolden n Tages hervorgeholt hat! Das ist doch für vi:le heute das Jidentum, und doch meinen sie, es zu besitzen. Demgegenüber sagt aber Jehuda Halevi auch rnserer Zeit: Wahrheit ist nur soviel, als es Menschen der Wahrheit gibt, Judentum nur soviel] als es jüdische Menschen gibt; sei ein jüdischer Mensch, dann besitzt du das Judeitum! Was aber, und das ist die zweite Trage bei Jehuda Halevi, ist der jüdische Mensch? Niemand' von jns ist geboren an dem Tage, an dem Vater und Mutter ihn zuerst als ein Stück ihres Lebens sahen, als sie ihm einen Namen gnben. Ein jeder, zumal jeder Jude, ist geboren, ist Mensch geworden vor Jahrhunderten; ein..jeder tritt in das Leben, erfüllt von deni Leben von Jahrhunderten., ein jeder trägt in sich das Kämpfen und Ringen, c^as Schauen und Hören <11 der Generationen, von denen er herkomn ♦, all der jüdischen Generationen, denen-das alles Schicksal gewesen ist. Nur der kennt sich selber, der dieses Leben der Jahrhunderte kennt; nur der komfnt wirklich zu sich selbst, zu < iem diese Jahrhunderte kommen; nur degfindet sich selbst, der dieses Leben in sich selbst wiecer [ findet. Das Ihat tjehuda Halevi erkannt und das! hat er immfer Ausgesprochen: jeder Jude kommt laus der jüdischen Gesamtheit, aus der jüdischen Geschichte Nur wer um diese Jahrhunderte! seines Leb< ns vör seinem Leben weiß, nur <!er| ist ein Mensch, der die Gewißheit seines L:b4ns besitzt nur der Jude, der sich dieser Alinenschaft bewußt wird, ist wahrhaft ein Jude, eir jüdischer Mersch. Aber der Weg des Lebens fuhrt uns ja a ich weiter fort, fort von Geschlecht zu Geschieht, hinaus in die Weite. Vergangenheit, auch wenn es die der Ahnenschaf fst, die unserem- Leben Kraft gibt, ist nodji nicht das ganze Leben. Seine Richtung njuß das Leb:n haben, seih Ideal. Ein Ji dt ohne Ide<l ist ein Jude ohne Menschentum, vielleicht können andere ein Ideal, eine Hoifnuig für die Zul unft entbehren, können die Erfüllung all ihrer Wünsche in der Gegenwart fuidlen; wir Jud^n, die wir nicht Menschen der Macht sein / 96

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