Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1924
- Issue
- Nr. 7/8 - Juni/Juli (6.1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- Seite 88 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachtrag zu den Ausführungen des Br. Großschatzmeisters Maxi^nilia; anläßlich der Beamteneinführung bei der Installation der Schwäbisch; in Augsburg.') n Stein h Loge kt seiner Festschrift zur Einweihung der Synagoge hat der w. Mentor der neuen Loge in Augshurg, Br. . Rabbiner Dr. Grünfeld,' ein fesselndes Bild der bewegten schicksalsschweren jüdischen Vergangenheit Augsburgs geboten. So selir Augsburg in Handel, Gewerbe, Kunst und Wissenschaft ein Mittelpunkt deutscher Kultur war, so weist die Geschichte der Juden in Augsburg alle blutgetränkten, Wehmütigen Merkmale des Mittelalters auf; Entrechtung und Bedrückung,' ' Brandschätzung und i Verfolgung aller Art. Dennoch weiß der Historiker vielfach auch von Lichtseiten, von »Denkmälern schöner Denkart der Augsburger Bürger gegenüber ihren verfolgten jüdischen Mitbürgern« zu berichten, die der Judenschaft Augsburgs einen gewissen Vorrang vor anderen Sjädten verschaffte. Augsburg zeichnetje sich durch eine große Anzahl berühmter Männer, angesehener Gelehrter, edler, gesinnungstüchtiger Vorkämpfer und führender jüdischst Persönlichkeiten aus. Vor Kaisern und Königen, angesichts der glanzvollen Reichstage 1 in Augsburg, auf zahlreichen Notablen-Versammlungen, Kongressen und Synoden haben, wije in keiner zweiten Stadt des Deutschen Reiches, in Augsburg £esinnungstreue große Männer, hervorragende Geisteshelden freimütig für die Ehre und für die Rechte, für Schutz und Schirm des Judentums, für dessen Fortschritt und Fortentwicklung das Wort geführt. Die bewegte Vergangenheit der jüdischen Gemeinschaft in Augsbiirg bietet nicht nur für Gegenwart und Zukunft die eindrucksvollsten Lehren, sondern gewährt in ihren fesselnden Einzelzügen wertvolle Hinweise auch für die anget. gefaßten Aufgaben zur Führung, Leitung ünd Anordnung einer' Gemeinschaft, wie sie unsere Logen darstdlenl ln jenen düsteren Zeiten der Judenverfolgung, «fer judengassen,. Judenabzeichen ünd Judenreglements erfreute sich die jüdische Gemeinde H— I | *) Wir bringen diese Ausführungen (in gekürzter * nit Rücksicht auf den historischen Hintergrund, Je neue Loge erwachsen ist. Redaktion. eines kostbaren Gutes, nämlich der 'inneren Einheit. Innerhalb des Qhettos fungierten selbständige Vorsteher und Beamte und schufen j unvergleichliche segensreiche InStituti men, die I alle mittelalterlichen Verfolgungenj überdauerten. Bei aller politischen Unfreiheit füllten sich die Juden innerhalb der Gemeinde als freie Männer, respektierten die religiöse Autorität und übten~~unter sich Gehorsam und Disziplin als die Schutzmauer aller Ordnung. Der berühmte Rabbi Meir aus Rcthenburg, Rabbiner in Augsburg, trat mit Entscl tiedenheit und flammender Beredsamkeit gegien Zerklüftung, gegen Parteihader und Trennungen linier den Juden ein und wirkte in ganz Deutschland für Eintracht und Einheitlichkeit Wie anpere lehrte er, daß jeides Vorstandsmitglied einer Gemeinde sich als Vei treter__der gesamten Gemeinschaft ohne Unters chied der individuellen Parteirichtungen und Anschauungen zu fühlen habe. . ln dem Kunstwerk des Augustusbijunnens in Augsburg wird das Zusammenfließen der vier Flüsse um Augsburg symbolisiert So < haben' bei uns in der Lege die vers :hiedenen Auffassungen'und Ueberzeugungen z jsammenzuflleßen in brüderlicher Harmonie.! A Es kann für die Führung einer neuen LOg^ keinen besseren Hinweis geben, * als den auf diese jahrhundertalte Mahnung zur' Zusammenfassung aller strebenden Kräfte, aller Sti ömungen und Meinungen im Brennglase unserer Ordens-, tendenzen. Dieu-alten Geschichtsquellen der Gemeinde Augsburg erzählen von vielseitigen und; vielfältigen Funktionen der Gemeinde-Beamt;n> Eine besdtfkrs eigentümliche, interessante Einrichtung war “die Erscheinung der sogenannten »Schulklopfer«, deren Aufgabe darin bestand, Gemeindemitglieder zur Synagoge zu rufen, eine Einrichtung, die sich in alten kleinen Gemeinden zum Teil bis ztim heutigen Tage erhalten hat. In gewisser Beziehung dürfen wohl die Beamten der Loge organisatorisch ei n; wenig als die geistigen Schulklopfer der Log« apostro-