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Der Orden Bne Briss · 1924-06-01 · Nr. 7/8 - Juni/Juli (6.1924) · p. Seite 80

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1924
Issue
Nr. 7/8 - Juni/Juli (6.1924)
Date
1924-06-01
Page
Seite 80 (sequence 18)
Language
German
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Br. Goldschmidt: Der vorgelegte Ent- \ wurf Baer bedeute .keineswegs eine Neuerung,! sondern lediglich eine Erweiterung des bisherigen Rituals. Das' alte würde dadurch nicht aufgei hoben, jeder Loge müßte es freistehen, welches . Ritual sie wählen wolle. Br. B a e c k’ stimmt den Ausführungen der BBr. Leszynsky und Hirsch zu. Die Großlogentagurig sei nicht weniger als eine Logensitzung, daher sei die Einführung eines Rituals zu empfehlen, ohne daß der jeweilige Großpräsident in. seiner Rede beeinträchtigt zu werden braucht — Die Bedenken, die gegen die Einführung des vorgelegten Rituals für die Logen erhoben worden sind, teilt 'er. Richtig ist, daß den Brüdern in den kleinen Logen Redestoff gegeben werden müsse. Aber der Berliner Enti wurf könne in dem beschränkten Raum der I kleinen Logen nicht zur Ausführung kommen, i Daher ist bei der Ausarbeitung eines Rituals die Rücksicht auf die kleinen Logen erforderlich. I' Br. G i n s bc r g hält das Einleitungs-Ritual (für die Großloge für gut. Den gezogenen Rahmen könne der jeweilige Großpräsident nach eigenem Ermessen erweitern. Dagegen schließt er sich ‘ dem Wunsche des Br.' Timendorfer an: den Satz im Ritual »Es i$t nicht Ueberheblichkeit.... . von dein alle Weisheit kommt« zu streichen. Ferner möchte er in dem diesem Satz vöraufgegangenen Satze das Wort »jüdischen«! gestrichen sehen, weil der Orden höchsten allgemeinen Menschheitsidealen zu streben solle und nicht nur jüdischen. Br. K o p f s t e i n tritt für die Wahrung des religiösen Momentes 'ein. Ein Bruder, der nicht jüdisch-religiös empfinde, könne auch nicht Großpräsident werden..' Er ist für die Schaffung würdiger Formen, für die Eröffnung der Qroß- Jogentagung, bittet aber, von allen Uebertreibungen abzusehen. B e s c h I u ß ::; Zur Prüfung des vorgelegten Rituals wird | eineKommission von 5 Mitgliedern, bestehend j; aus den BBr. Baeck, Stein, Leszynsky, OllendorffjUnd Jeselsohn gewählt. 3 Die gleiche Kommission soll auch in eine Prüfung des Rituals für die Logen eintreten. Anträge der Mitglieder des Generalkomitees sollen .er Kommission zugehen. Br. Merzbach wendet sich in 4in^r persönlichen Bemerkung gegen die Ausfüllungen Br. Kopfsteins. Niemand habe das Re:ht> eine sonst geeignete Persönlichkeit, die für die jüdische Gesamtheit zu arbeiten gewillt sei, we jen ihrer religiösen Einstellung von dem Präsidentenposten ferrizuhajlten. I 6/2: Aufgaben der Logen in kultureller und geistiger Beziehung. Br. Baeck: Es besteht die Absicht,!durch die Großlogentagung den Logen Richtlinien für die künftige Arbeit in kultureller und geistiger Beziehung zu geben. Dem Generalkomitee sollten die Gesichtspunkte zur Erörterung voi getragen werden. Der Blick in die Oegenwart zeigt, da£ Intellektualismus und Rationalismus zurückgetreten! und der Sinn für das Irrationale jlebendiger geworden ist. Ganz besonders ift dies der Fall in der Jugend. Hierdurch ist Sowohl das Lebensideal als auch das Logenideal ein anderes geworden. Die Logen sind »religiöser« geworden, d. h. der Sinn für die Tiefejn, die unter der Oberfläche liegen, ist geweckt wtorden. Damit h|aben auch die kulturellen und geistigen Bestrebungen eine andere Richtung bekojnmen. Ferner ist bemerkbar die Aenderung dek; Ideals nicht in seiner Endwirkung, wohl aber in | seiner Verwirklichung für den einzelnen Maschen. Während in den Jahren 1870—1880 b|e Verbrüderung der Menschen als nahes ldeäl galt, macht üich heute die Erkenntnis geltend, daß wir die Verwirklichung dieses Ideals ztunächs^ auf dem Boden der gegebenen geschichtliche®' Besonderheit finden sollen. Es hat si<fh die Kluft zwischen Juden und Andersgläubigen erweitert, jund die Juden sind mehr und trnihr auf sich selbst beschränkt worden. Hierdurch ist das Verlangen nach jüdischer Gemeinschaft, das Bedürfnis nach jüdischem Leben erwac tt, und unsere Logen haben eine wesentliche Vers;ärkung erfahren; Manche glauben, daß wir am Vorabend eines neuen Kulturkampfes stehen, in de|n sich Katholiken und Protestanten immer mehr von einander] entfernen. Wir, gegen die der [Kampf bereits iseit Jahren eingesetzt hat, wissrp. daß das Ideal der allgemeinen Verbrüderung immer mehr zurückgedrängt worden ist, und drß wir, wenn wir eine menschliche Gemeinschaft haben wollen, sie fast ausschließlich in einer jQc tischen Gemeinschaft finden. Während wir das früher

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