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Der Orden Bne Briss · 1924-06-01 · Nr. 7/8 - Juni/Juli (6.1924) · p. Seite 64

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1924
Issue
Nr. 7/8 - Juni/Juli (6.1924)
Date
1924-06-01
Page
Seite 64 (sequence 2)
Language
German
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Wie muß der Erzieher beschaffen sein, um so geartete Männer, welche sich uns meist in . reifem Alter anschließen, zu Logenbrüdern zu entwickeln?' Welche Bedingungen muß Orden und Loge erfüllen, um diese hochgespannten Erwartungen nicht zu enttäuschen? * - Der Orden, wie er sich uns heute in Deutschland darstellt, ist das Ergebnis einer 40jährigen Entwicklung. Diese gliedert sich in die drei Abschnitte der Oründungszeit unter dem Oroß- Präsidenten Fenchel, des Ausbaues von Organisation und fdeenlehre unter Dr. Maretzki und der Ausdehnung und kraftvollen sozialethischen _ Wirksamkeit unter unserem jetzigen Oroßpräsidenten Timendorfer. Die Gründung War ein Sichabschließen gegen die feindliche Umwelt der antisemitischen Bewegung unter Stöcker. ' Die Besinnung auf die Eigenwerte des Judentums und der Humanitätsgedanke waren die Triebkräfte der Entwicklung unter unserem großen Meister Maretzki. Die Entwicklung des deutschen Distriktes fällt in die Zeit ungeheuren wirtschaftlichen Aufschwunges in Deutschland von 1880—1914. Mit innerer Logik führte das soziale Zeitalter den Orden dazu, sich vor allem in Werken praktischer Nächstenliebe zu betätigen. Das eigentliche Kraftzentrum unserer Arbeit, die Humanitätsidee wirkt sich in humanitären Taten aus. Als am Ende seines Lebens Dr. Maretzki in einem Aufsatz - über die Einwirkung der /Loge auf den einzelnen Bruder auf diese Entwicklung zurückblickte, da stellte er eine bedenkliche Nebenerscheinung der an sich großartigen Wirksamkeit nach außen fest: Die Hauptkräfte von Loge und* Brüderschaft erschöpfen sich im praktischen Wirken. Die Pflege der Gesinnung,- die Erziehung zum Logenideal beginne zu leiden: Er warnt daher vor einer allzu weiten Ausdehnung der praktisch-sozialen Arbeit und mahnt, die Kraft des Ordens, wenigstens für einige Zeit, nach innen zu richten. — Die Zeit des Zusammenbruches nach dem Kriege war diesem Aufruf zu Sammlung und Verinnerlichung so ungünstig wie möglich: Zerrüttung aller wirtschaftlichen Verhältnisse rief von neuem nach sozialer Hilfsarbeit Erschütterung, der Rechts¬ und Moralbegriffe weiter Kreise machte vor den wohlc Pforten der Loge nicht immerJHalt’und stumpfte bei vielen die Empfänglichkeit für ethische Einwirkungen ab. Dazu kam ein ungeahnter Zustrom zum Orden und die Auswahl war bisweilen weitherzig, jnicht immer glücklich. Die Fälle, daß aufgenommene Brüfler nur zur Einführung kommen und dann nicht mehr , gesehen werden, sind nicht selten. Inj großen Logen Ist der Zusammenhang so gelockert, daß man §ich scherzhaft verpflichtet hat, jeden Außen stehenden in den Bruderkreis einzuführen, ohne daß es gemerkt wird. i Di : erzieherische Einwirkung auf die neuen Brüder ist gering und von Zufällen regiert Verflachung des Logenlebens ist die unvermeidlictffc Folge, [wenn Brüder unter uns sind, denen die Grundgedanken der Loge, ihre Organisation und Geschichte unbekannt bleiben. Der Standpunkt, dem jujngen Bruder selbst die Sorge für seine Entwicklung zu überlassen, ist schon deshalb nicht hlaltbar, weil nur wenige die Fähigkeit besitzen, I sich ohne Anleitung auf1 einem ihnen unbekannten Gebiet, wie die Logenarbeitj zurecht zu finaen. Hier führt nur eine fest organisierte Belehrung über Wesen und Aufgabe der Loge zum Z el, wie sie das weit ältere und durchgebilddere System der Freimaurer bereits besitzt . Dort Wird der Aufnahmesuchende, wenn er die Grundbedingungen der Logenwürdigkejt erfüllt, . zu Gastlogen eingeladen, wobei erfahrene Brüder Gelegenheit nehmen, ihn kennen &i lernen und ein persönliches Urteil über seine; Eigenschaften zu gewinnen. Am tage der Aufnahme v^f pflichtet'der Meister feierlich eine Anzah) Brüder, sich dfer Neuaufgenommenen anzunehmen, sie in Logenrragen zu beraten und für ihi|e Entwicklung zu sorgen. In regelmäßigen Unterrichtslogen außerhalb des Tempels werden sodann di^ jungen * Brüdej mit Geschichte, Verfassung und Ideenlehre der. Freimaurerei bekannt gemacht. Die Grade nteilung in Lehrlinge, Oesellen und Meister macht es möglich, die Erfolge dieser Unterrichtstätigke it zu überwachen, denn jeder Bruder muß beim Ansteigen in einen höheren Oräd nachweisej), welche Kenntnisse vom Viesen der Loge und von det Bedeutung des nejien Grades er sich ejrworben hat. Wir sehen bereits jaus der* flüchten Andeutung, daß es sich hier um ein urchdachtes Unterrichtssystem handelt Es

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