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Der Orden Bne Briss · 1924-05-01 · Nr. 5/6 - Mai (5.1924) · p. Seite 44

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1924
Issue
Nr. 5/6 - Mai (5.1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 44 (sequence 2)
Language
German
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der Erfahrungen durch die sie gliedernde und verbindende Einheit der wissenschaftlichen Methode. So ist das Denken nicht in einen rationalen Kosmos der Wirklichkeit hineingestellt, den es nur zu erfassen braucht, sondern erschafft das Denken aus den Erfahrungen eine Welt begrifflicher Ordnung, -und Einheit. Die Einheit der Erfahrung ist niqht ein Schleier der Maja, der die Wirklichkeit verhüllt, sondern das Symbol, mit dem das Denken seine Welterfahrung sich begreiflich macht und zur Erfahrungswelt gestaltet. Der Geist des Menschen ist der Gesetzgeber seiner Welt. Ebensowenig fällt über unsere sittliche Bestimmung Licht von der Welt in unsere Seele. Die Welt der Erfahrung, die uns geistig allein zugängliche, kennt nur die Gesetze des logischen Zusammenhanges, die Einheit der Natur in ihren Gesetzen. Eingeschlossen im kausalen Zusammenhang der Natur schafft wieder nur das Licht der eigenen Erkenntnis die Bahn zum Guten, das der Sinn unseres Lebens ist. Nicht aus der Erfahrung, sondern aus der eigenen Vernunft hebt der Mensch das Gesetz heraus, das seinem Handeln die objektive Richtung, den unbedingten. Wert verleiht. Gehorche deiner Vernunft, handle allgemeingühig, ist der kategorische d. h. unbedingte Impfirativ'unserer Vernunft an uns selbst. Im Gehorsam gegen unser rationales Vernunf^. Ich, den Gesetzgeber in.uns, liegt unsere Freiheit und unsere Würde. Die selbständige Erkenntnis des Guten und der Wille zu seiner Verwirklichung machen den Wert der Persönlichkeit aus. Die Selbstverpflichtung zum Guten enthebt den Menschen alles äußeren Zwanges, erhebt ihn zdth Selbstzweck. Selbst der Kausalzusammenhang der Natur' findet seine Grenze an dieser Forderung unserer' sittlichen Vernunft, frei d. h. vernünftig zu handeln In der sittlichen Freiheit offenbart sich unser dem Kausalzusammenhang der Erscheinungswelt enthobener inlelligibler Charakter, unser intelligibles Ich. Im Geheimnis dieser Freiheit ragt das Absolute in unser Leben und offenbart seine Hoheit in der Kraft, mit. der es alle Sinnlichkeit, den Ansturm der Triebe zurückweist. »Der einzige Begriff der Freiheitverstattet es, daß wirnichtaußer uns hinausgehen dürfen, um das Unbedingte und Intelligible zu dem Bedingten und Sinnlichen zu finden«. (Krit. d. pract. Vern. l.T. l.B, 3.flauptst.) Die Aichtung vor dieser Freiheit! dem tiefsten Wesen des Menschen, muß dje Grundlage menschlichen Zusammenlebens, die Verwirklichung dier Freiheit der Sinn undjdie Rechtfertigung djsr bürgerlichen Zwangsgesetze sein. Der Selbsitgesetzgebung des Ich Hat die SelbstgesetzgebUng1 des Volkes im Staat,] die Selbstbegrenzung: im Völkerrecht zu entsjprechen; das Reich des ewigen Friedens muß die Grundlage des Reiches der Menschheit, der Verwirklichung der sittlichen Kultur bedeuten. j In dhr Schönheit scheint die sittliche Aufgabe!des Menschen, die vollständige : und willige Unterordnung des Trieblebens unter die Vernunft jin der Harmonie von Stoff und Form gelöst. Hier schweigt aller Kampjf und ist alle Unvollkortimenheit überwunden. Bo rührt uns das Schöne mit dem metaphysischen Trosll der Lösbarkeit Unserer unendlichen Aufgabe, ijst es ein Fingerzeig auf unsere Bestimmjung, die Verwirklichung der Freiheit in der Erscheinung. .Aber die im Kunstwerk hefvorbrechende Harmonie gehört nur der Welt jdes schönen Scheines an. Die Zuversicht zur Verwirklichung des sittlichen Ideals in der Not des Lebens fordert festeren Grund. Ihn gewährt der Vernunft gl a u b e, der eine unsichtbare heilige Welt des göttlichen Willens als Schöpfeif und Regent der intelligiblen Welt, unseres tiefsten Wesenskerns un<Ü Wesensschicksals in Ehrfurcht ahnen läßt. Dieser Glaube erst macht alle sittliche Kraft des Menschenfrei l^nd ist paher vernunftnotwendig. Die Autonomie! des Denkens, Wollens, Fühlens führt den Menschön über sich selbst hinaus, zu Gott. Das Geheimnis, der Religion besteht für die Vernunft, so >venig sie es zu durchdringen vermag, denn der Heilige bevyahrt den Sinn des Lebens. Kant erleuchtet die Welt dürdt dip Erkenntnis der schöpferischen Kräfte der m eh schlichen Persönlichkeit. In seinem Denken, *der Mansch Wollen, Fühlen, Glauben vermag Ewiges zu gestalten, seine Kräft^ zu brauchen ist seine Bestimmung.! Das Wesen des Judentums!liegt in seiner Verkündigung Gottes und der Forderung der unbedingten Gottesliebe. Das nach Kant aller Vernunft unerreichbare, nur imjGIauben zu ahnende heilige Wesen ist unserj Lebensgrund. Oottes Wille durchdringt die We i t und — 44

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