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Der Orden Bne Briss · 1924-04-01 · Nr. 3/4 - April-Mai (4.1924) · p. Seite 35

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1924
Issue
Nr. 3/4 - April-Mai (4.1924)
Date
1924-04-01
Page
Seite 35 (sequence 15)
Language
German
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Zunächst wurde diesem Zwecke die Wenn somit in Esperanto unbestreitbar ein allen berechtigten Anforderungen genügendes Verständigungsmittel geschaffen wurde, so war damit das Problem der internationalen Verkehrssprache noch nicht gelöst Eine solche Sprache kann natürlich ihrem Zwepk nur genügen, wenn sie allgemein als Verständigungsmittel a n - erkannt und eingeführt ist. Wenn nun auch jedermann ohne weiteres einleuchtet, daß die allgemeine Verwendung einer Einheitssprache für die praktischen Bedürfnisse und für das Kulturleben aller Völlcer unermeßlich wertvoll wäre, so stellten sich doch der Erreichung dieses Zieles von Anfang an ungeheuere Hindernisse theoretischer und praktischer Art in den Weg. eingewendet, daß ja zu Schaffung einer neuen Sprache gar nicht notwendig war, daß es vielmehr genüge, irgend eine schon jetzt stark ver- Landesspracfie als Weltsprache anwäre dann richtig, wenn irgendeine Möglichkeit bestünde, daß »eine bestimmte Landessprachü, etwa das Deutsche oder das, Englische von allen Völkern als[ Völkersprache anerkannt würde. Dazu ,wirc| es aber wegen der begründeten Eifersucht der Einzelnen Völker niemals kommen. Jedes Landj dessen Sprache gewählt würde, hätte dadurch einen riesigen Vorsprung \jor allen anderen Ländern, hne weiteres durch ihre hlüssel für die ganze Welt Angehörigen aller andern Muttersprache noch eine müßten. Wäre auf diesem u lösen, so hätte sicher in breitete zuerkennen. da seine Bewohner Muttersprache den besäßen, während di^ Staaten außer ihrer andere Sprache lerne Wege das Problem der Praxis^ sich das Englische schon längst als Einheitssprache durchgesetit. Da nun wegen der Eifersucht der Völker die Wahl einer lebenden Sbrache nicht in Frage kommt, so schlug man qie Wahl einer toten Sprache, z. B. der Lateinischen vor. Dem steht aber im Wege, daß eilte tote Sprache die Anpassung an die moderne tyilturentwicklung versäumt hat und infplgedejssen vollständig ungeeignet erscheint für den Ausdruck neuzeitlicher Oedanken und Empfindungen. Es Wäre also eine Neubelebung dies Lateinischen erforderlich, wie wir'sie gegenwärtig; bei der hebräischen. Sprache erleben. Zip diesem Zwecke müßte es aber derartig abgeändert und im Interesse des leichten Erlernens so durchgreifend vereinfacht werden, daß es mit der klassischen' Sprache wohl nicht viel mehr gemeinsam hätte als etwa das Esperanto. Besonders von philologischer Seite wurde gegen Esperanto der Einwand gebracht, daß eine Sprache etwas natürlich' Gewachsenes, Organisches, und also jede Kunstsprache C*n Unding sei. So bestechend dieser .Einwand in der Theorie klingt, so hinfällig erweist er sich in der Praxis: Esperanto ist schon heute;, wo; es von Tausenden geschrieben und gesprochen wird, keine Kunstsprache mehr, sondern eine lebendige Sprache, die nicht, aber auch nicht im geringsten daran erinnert, daß sie. ihre Entstehung nicht einer Volksgesamtheit, sondern dem Geiste eines einzelnen verdankt. Das ist gerade' die überragende Leistung Zamenhofs, daß er intuitiv nicht nur das Formale, sondern das Wesen und Leben der Sprache begriff und es seiner Schöpfung einzuhauchjeri vermochte, so daß diese entwicklungsfähiger als irgendeine andere Sprache ist und auch an Geschmeidigkeit und Abtönungen es mit jeder anderen Sprache aufnehmen kann.. Es würde zu weit führen, an dieser.Stelle im einzelnen darzulegen, wie und in welchem Umfange die Verbreitung des Esperanto gelungen ist. Hier genüge der Hinweis, daß es wohl kein Land der Erde gibt, in dem n|cht zahlreiche Anhänger des Esperanto Sich befinden, - daß in vielen Staaten Esperanto bereits als, Unterrichtsgegenstand in Schulen jeder Art eingeführt ist, daß eine ganze Anzahl internationaler* Verbände, wie das internationale Arbeitsamt in denf und sämtliche Hauptmessen, besonders auch Frankfurt und Leipzig, sich des Esperanto, bei ihren Veröffentlichungen bedienen, -daß der Völkerbund schon mehrfach in Entschließungen zu Gunsten des Esperanto Stellung. genommen hat. I Einige Tausende von Gruppen, Kreisüqd Landesverbände organisieren die Esperantobewegung in der ganzen Welt, eine auf dem ganzen Erdkreis verbreitete Organisation, die Universäla Esperanto Asocio, hat sich die praktische. Verwertung des Esperanto zur Aufgabe, gemacht, 30—40 Esperantozeitungen erscheinen in regelmäßiger Folge, darunter allein in Japan zwei Blätter. 35

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