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Der Orden Bne Briss · 1924-04-01 · Nr. 3/4 - April-Mai (4.1924) · p. Seite 28

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1924
Issue
Nr. 3/4 - April-Mai (4.1924)
Date
1924-04-01
Page
Seite 28 (sequence 8)
Language
German
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Von 1750 ab führte der Jesuitenorden einen außerordentlich interessanten klerikalen Gegenstoß. Es ist nicht einwandfrei bewiesen, aber sehr wahrscheinlich, däß um diese Zeit zahlreiche Jesuiten in den- Bund eintraten, um ihn von innen heraus zu zersetzen. Zu diesem Zwecke bewies man mit gefälschten Urkunden, daß der Freimaurerbund die Fortsetzung des geistlichen Ritterordens der Tempelherren sei. Man führte den jesuitischen Grundsatz des unbedingten Gehorsams gegen unbekannte — natürlich klerikale — Obere ein und suchte die Geister durch ritterlichen Prunk und glänzende Ordenstrachten dem ethisch-freireligiösen Streben’ zu entfremden. Besonders die Neigungen der zahlreichen adligen. Brüder kamen dieser Verführung willig entgegen. Dazu kam, daß Oeheimhis und Symbole des, Ordens Mystiker, Rosenkreuzer, Alchimisten und Schwärmer jeder Art anzogen, die rin der Loge den gesuchten Stein der Weisen zu finden hofften. Chariatane, wie Schrepfer in Leipzig und Cagliostro in Paris, nutzten dies zu genialem Betrug aus. Schrepfer Keß von seiner Frau dargestellte Geister erscheinen. Cagiiostro, der Großkophta, gründete einen Orden von 99 Graden und verwandelte unter geheimnisvollen Zeremonien das Gold der Leichtgläubigen in seinen Besitz. Ein andrer Betrüger namens Johnson, vermutlich ein Jude, der schwarze Schiom genannt, gibt sich für den Großprior des Tempelherrenordens aus, und betörte Ritterbrüder stehen nachts als Ehrenwache vor seiner Tür. »Das Zeitalter der Irrungen« nennt dieOrdensgeschichte diese Jahre tiefsten Verfalls. Der Bund schien dem Untergang geweiht, als in Deutschland die großen Neuhumanisten Lessing, Herder, Wieland, Goethe und Fichte Brüder wurden. Der Nebel verschwand, an Stelle der Irrlichter von Ritterorden und Rosenkreuzerei erleuchtete wieder das wahre Licht der Loge die Humanität den Tempel. Der Gedanke eines die ganze Menschheit umfassenden Bruderbundes war diesen über die Schranken von Nation und Konfession erhabenen Oeistem besonders naheliegend. Sie haben daher die Ideenwelt des Ordens mit unsterblichen Gedanken bereichert So hat Lessing in seinem Dialog »Emst und Falk«, Gespräche für Freimaurer, die geistigen Grundlinien des Bundes gezogen, Herder in der »Adrastea« wichtige maurerische ijdeen behandelt und Fichte in den Briefen an jConstant eine Philosophie der Freimaurerei entwickelt. Da besonders Lessings Gespräche noch heute zum wertvollsten Geistesbesitz der Loge i rechnen, seien ihre Gedanken hier kurz dargestellt. Lessing nennt zu Beginn die Freimaurerei etwas Notwendiges, im Wesen der Menschheit und der bürgerlichen Gesellschaft Beglründetes. Ihr vielfältiges Wesen ist nicht In | Worten auszudrücken, ihre Verbreitung geschijeht nicht durch Erklärungen, sondern durch j beispielgebende Taten. Auf die Frage hach diesen Taten erklärt er: Wohltätigkeitsinstitute errichten seien Taten, ad extra, d.h. Nebenwirkung des maurischen Wesen, die eigentlichen Taten der Loge aber so groß und weitsichauend, daß jahrhunderte vergehen, ehe majn sagen kann:; Das haben sie getan. Gleichwohl haben sie alles Gute getan, was in der Welt ist, und fahren fort es zu tun. Das wahre Ziel ihrer Taten ist, Verhältnisse zu schaffen, die sogenannte gute * Taten überhaupt entbehrlich machen. Man beachte, daß es einer der kritisdhsten Geister der, neueren Zeit ist, der dieses Lob spendet. Um ein Beispiel befragt, entwickelt er, wie jeder Staat, ~£kuch 4er beste, Schranken zwischen Volk und Volk, zwischen Mensth und Mensch errichtet. Diese Gegensätze zwischen den Völkern, zwischen den Konfessionen und Ständen des einzelnen Staates möglichst zu mildern, sei Aufgabe einer Gesellschaft von Männern, die über den Vorurteilen von Nation, Glauben und Rang stän4en. Die letzte^ Gespräche bringen eine Kritik über die damaligen Irrungen der Loge; die Templer, die Geistesbeschwörer und Alchimisten. Dann bebeklagt der Großmeister aller Toleranz den Irrtunt, nur Christen für logen würdig zu halten und Standesunterschiede bei der Aufnahme zu machen. Dadurch entfremde die Loge sich ihremi eigentlichen Wesen. j Den Schluß der Oespräche bildet eine heute nicht; mehr geltende,Entstehungshypothese des Orders. V! L lh ähnlichen Gedankengängen von 'unvergänglichem Wert bewegen sich die; Maurerschrif en Herders und Fichtes, die sich dem Rahmen des Aufsatzes nicht einfügen lassen. Es ist zum Schluß für uns von Bedeutung, einen Vergleich iu ziehen zwischen jldeal und 28

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