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Der Orden Bne Briss · 1924-04-01 · Nr. 3/4 - April-Mai (4.1924) · p. Seite 29

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1924
Issue
Nr. 3/4 - April-Mai (4.1924)
Date
1924-04-01
Page
Seite 29 (sequence 9)
Language
German
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Arbeitsweise der Freimaurer und lenseres Bne Briss-Ordens. Da für die Begründer des Bne Briss-Ordens der Freimaurerbund vorbildlich war, so ist es uns wertvoll zu erkennen, worin wir ihm gleichen una .was uns unterscheidet. Zunächst soll die Freimaurerei ihrem Grundgesetz nach allen Konfessionen offen stehen, während wir grundsl tzlich nur Juden als Brüder aufnehmen. Dies erklärt sich natürlich und zwanglos daraus, daß wir uns die Höherentwicklung unserer an den Lasten schwerer Vergangenheit tragenden Stammesgenossen zur Aufgabe machen, eine Aufgabe, welche durch das Hineinziehen von Kreisen, auf die sich unsere Arbeit nicht erstreckt, erschwert oder unmöglich gemacht würde. Die freiniaurerischen Gedanken der Gewissensfreiheit,, Duldung, Nächstenliebe und Gerechtigkeit sind auch die Grundlagen unserer Logenarbeit Ueberhaupt ist die Ethik der Humanitätsreligion dem Judentum so nahe verwandt, daß bedeutende Freimaurjer ihren Bund eine Vermählung der jüdiscH-christlichen Ethik mit der griechischen Philosophie nennen. Die Symbolik bezeichnet dies als die Vereinigung von Kreuz ^ind Rose, wobei das Kreuz sinnbildlich jüdisch-christliche Ethik zusammenfaßt. Das Freimaurer-I jeal des Weltfriedens und Völkerbundes gehört ebenfalls zu jjenen Heilswahrheiten, mit denen die Propheten Israels die Menschheit gesegnet ihren Idealen fast üben haben. Während also Freimaurer und Bne Briss in instimmen, sind die Formen ihrer Arbeit grundverschieden. Das Geburtsland unseres Ordens, das rationalistische Amerika, hat das mystischsymbolische Element auf «in Mindestmaß beschränkt und an Stelle der ^ildhaft-künstlerischen Lehrart die begrifflich-rationale gesetzt. Nur Zeichen erinnern noch an unsere maurerische Abstammung, Es hat bei den Gründern wohl auch unbewußt das alfe Gesetz.mitgesprochen: »Du sollst n,< scr dir kein Bildnis macheji erfassen, ferner die daß der skeptische Sinn der Juden auf ein Zuviel an Bild und Form mit ablehnendem Lächeln ant- ‘ Worten könnte. Das erhaltene Ritual hat mehr die Aufgabe, Tals Stimmungsträger und fester Rahmen die Loge vom Alltag zu lösen: Während die Freimaurerloge' den Neuling durch eine wohldurchdachte Lehrweise mit ihrem Wesen vertraut macht, bleibt dies bei. uns den Neuaul genommenen meist selbst überlassen. Hier könnten wir ohne Zweifel viel von 'den Freimaurern lernen. Regelmäßige , Unter - : richtslogen*) mit dem Thema: Logenideale und Ordensgeschichte würden auch bei uns den' Buncjesgeist vertiefen und -stärken. Der ''grundsätzliche Unterschied zwischen Loge und Wohltätigkeits- oder Bildungsverein, sollte auch bei uns jedem Bruder klar sein,’ die Bedeutung der Loge als einer den höchsten Zielen zugewandten Gemeinschaft ein inneres Erlebnis werden. Das Ziel der Loge, führt hoch über jede einzelne Bestrebung hinaus, möge sie poch so wohltätig und human sein. Nur wenn jeder Bruder und die Oesamtheit von dem idealen Willen nach Erhöhung und Entwicklung seines Wesens getragen wird, kann. Orden und Loge zum Träger des Lichtes für die ganze Menschheit werden. Nur die getreue Arbeit am rauhen Stein, das Streben nach Selbsterkenntnis, Selbstbeherrschung und Veredelung kann uns erhöhen. ' In Martin Bubers erster Rede über das Judentum steht am Schluß folgende Parabel: »Als ich ein Kind war, las ich eine alte jüdische Sage, die ich nicht verstehen konnte. Sie erzählte nichts weiter als dies: Vor den Toren Roms sitzt ein Bettler und wartet. Es ist der Messias. Damals kam ich zu einem alten Mann und frug ihn:. Worauf wartet er? Und der alte Mann antworte) mir 'etwas, was ich damals nicht, verstand Upd erst viel später verstehen gelernt habe, er sagte: »Auf Dich.c So wartet der Orden und die Loge. Und wenn Du, mein lieber Bruder, fragst: Worauf wartet sie? so lautet die Antwort: »Auf-Dich.« ndem die Idee geistig nicht Unbegründete Furcht, *) .Anmerkung der Redaktion; Auch wir haben Instrnktionslogen. Bei den tschecho-slowakischen Lögen gibt es Jung-Brüder-Komitees. (S. Mon.-Ber. Mai/Juni 1923, 5/6.) 29 -

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