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Der Orden Bne Briss · 1924-04-01 · Nr. 3/4 - April-Mai (4.1924) · p. Seite 26

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1924
Issue
Nr. 3/4 - April-Mai (4.1924)
Date
1924-04-01
Page
Seite 26 (sequence 6)
Language
German
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Alles Bauen beruht auf geordneter Zusammenarbeit gelernter Werkleute. . Ein einzelner, der sich mit seinen schwachen Kräften an die Errichtung eines großen Bauwerkes wagte, würde mit Recht als Tor. gelten. Anders die Werkgemeinschaft, die Bauhütte. Im Besitz erlernter Handwerkskunst begibt sie sich freudig ans Werk, im Vertrauen auf die erfahrene Leitung des Meisters und die kunstgerechte Arbeit der Oesellen.. Der Meister entwirft den Plan, er prüft dje Tragfähigkeit des Baugrundes, er steckt die Umrisse des Gebäudes ab, die Gesellen legen die Grundmauern und im belebenden Rhythmus gemeinsamer Arbeit, der oft im Arbeitslied Ausdruck findet, steigen die Pfeiler des Bauwerks empor. Die Arbeit der Loge ist ein solcher ins Geistige übertragener Baubetrieb. Liebe zum Ideal, sittlicher Bauwille, hat den Suchenden zur Loge geführt; die Verbrüderung mit den Gleichgesinnten, der Geist des Bundes, erzieht den Lehrling zum Gesellen und, wenn es ihm vergönnt ist, ^um Meister. Der Grundgedanke der Freimaurererziehung ist ein stufenweises Aufsteigen von niederen zu höheren Graden in Erkenntnis und Wesensentfaltung. Lehrling, Geselle und* Meister stellen die drei Grade: Erlernung, Leistung, Erfahrung dar, von Unreife durch Arbeit an sich selbst und am Werk zur Reife. Verstehen lernen durch die; welche vor uns verstanden,-.Wollen lernen durch bereits entwickelte Master des Wollens, Gestalten am Beispiele der selbst bereits Gestalteten, ist der Wäg zur Höhe; Begabung, Berufung bildet immer engere Ringe im Bruderbund. Auf Antrag von 7 Meistern werden zur Prüfung schwieriger Ordensfragen innere und innerste Oriente gebildet. Den drei Brudergraden. Lehrling — Geselle und Meister entspricht im größeren Rahmen des gesamten Ordens die Dreiteilung in johannislogen, Andreastogen und Ordenskapitel. Den Johannislogen liegt die eigentliche praktische Wirksamkeit, die maurerische Werkarbeit ob, den Andreaslogen Vertiefung in die Bundesideale, Erkenntnis von Irrungen und Hindernissen der Arbeit; das Kapitel überblickt von hoher Warte das Ordenswerk und sorgt dafür, daß Humanität und Nächstenliebe die Sterne des Bundes bleiben. In neuerer Zeit haben viele Örot Hochgradwesen aufgegeben und begnüg mit den drei Graden der Johannis löge. Dem einzelnen Bruder stellt Jder Erzie plan der Loge wiederum drei Aufgaben Lehrlingszeit — meist neun Mohate — i* Streben nach Selbsterkenn tungs- Die dem geweiht; der im Leben für die Bundesziele wirkende Geselle soll Selbstbeherrschungijüben; um Selbstveredlung ringt der Meister, damit er der brüderlichen Arbeit die Pragrung von .Geist, Harmonie und Schönheit verleihen kann. 1 Die Lehrweise ist nicht wissenschaftlichbegrifflich, sondern künstlerisclvsymbolis :h. Ziele und, Arbeit des Ordetis werde 1 nicht in Lehrvorträgen dargelegt, sondern durch BHd und pleichnis im Rahmen von Kultfeiem offenbart sich dem Suchenden der Geist des I lundes. Besondere Kleidung und Abzeichen, feierliche Redeformen, Gesänge und Handlungen geben gehobene* Stimmung. Tempelbrauch löst vom Alltag; selten Erlebtes spricht stärker zu|r Seele als Gewohntes; schwer Mittelbares wird im Bild unmittelbar gefühlsmäßig erfaßt; rhythmische Wiederholung von Wort und Bild prägt das innere Erlebnis tiefer ein. Der Eintritt1 in den Bund vollziehtj sich in Form eines Mysteriums, welches-, symbolisch den Üebergang von dem alten Leben in das neue,! höhere des Bundes darstellt, der uralte My^terienritus von Sterben und Wiedergeburt. Unter feierlichen Gesängen der Brüder wfird dem Suchenden die Binde von den Augen genommen, und er erblickt das Licht der Loge. Sein Wille zur Vyesenserneuerung erfährt durch die religiöse Ort und Handlungden i tärksten Weih|e von Antrieb. Dieses Erlebnis der Wiedergeburt wiederholt sich beim Aufstieg zu einem neuen Grad mit verändertem Ritus, gleichsam auf einer erhöhten Erker ntnisebene. 1; Iper Anblick der Symbole wird dem Bruder vertrauter, er dringt tiefer in den Sinn' qepr jedem Bildungsgrade zugänglichen Lehrbilderj ein. Er erkennt den Wert der Symbolik als Stitamungsträger und Kunstform für die Idee, w|elche bestehen Jnleibt, wenn die Träger der Bundeslehre vergehen und wechseln. Auch über die — 26 —

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