Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1924
- Issue
- Nr. 3/4 - April-Mai (4.1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- Seite 25 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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i in dem alle Menschen übereinstimmen. Dies sind bereits die Grundlagen der Humanitätsreligion : Glaube an ein göttliches Wesen, sittlichehrenhaftes Verhalten und t Duldung aller Meinungen über das der menschlichen Vernunft unerreichbare Wesen des Göttlichen. Der neue Gedanke ist hier: Voranstellung des allen Menschen gemeinsamen Sittengesetzes, Zurücktreten der l|.ehrmeinungen über das Wesen Gottes. Verbrüderung der Menschheit durch die einigende Kraft aer Sittenlehre, völlige Freiheit des Geistes und Gewissens in allen Fragen, die das Unerforschlicne betreffen. Deutlich erkennbar ist die Verwandtschaft der Humanitätsreligion mit der jüdischen Ethik, wie sie z. B. dej- 15. Psalm ausspricht: Recht tun, Wahrheit reden, nicht verleumden, Gerechtigkeit üben. | , Das zweite Gesetz fordert, daß der Maurer ein friedlicher Untertan der bürgerlichen Gewalten sei und Verschwörungen gegen die Obrigkeit fernbleibe. Dann folgen die Bestimmungen über die Zulassung zur Loge, über deren Aemter und Arbeitsformen. Hierbei ist ein Hauptsatz: »Jedes Ehrenamt unter Maurern gründet sich allein auf wahren Wert una Verdienst.« Diese Grundgesetze sind in. späterer Zeit durch Großlogen und hervorragende Brüder' ergänzt und erläutert worden. So bestimmt der Großmeistertag von 1870: i »Die Freimaurerei bezweckt, | die sittliche Veredlung der Menschen und menschliche.Glückseligkeit überhaupt zu fördern. 'Indem sie von ihren Mitgliedern den Glauben an pott als den obersten Baumeister der Welt, ’an;eine höhere sittliche Weltordnung, an die< Unsterblichkeit der Seele voraus setzt, verlangt sie von ihnen die Betätigung des höheren Sittengesetzes.« »pebe Gott über alles und Deinen Nächsten wie Dich selbst« Die Grundsätze des-großen Rechtslehrers und Freimaurers Bluntschli lauten: 1. Innere Ariieit der Logen an der Veredlung und Sitti chen Vervollkommnung ihrer Mitglieder ist Hauptzweck der Freimaurerei. .. I 2. Die Logen sind nicht berufen, in politische und kirchliche Parteikämpfe einzugreifen. Sie sollen als neutrale Friedenstempel Brüder der verschiedenen Richtungen menschlich einigen, wenn diese die Freimaurergrundsätze anerkennen. 3. Wenn die sittlichen Grundlagen der werden, werjn Ehe, menschliche Ehre Menschlichkeit angegriffen Eigentum, Arbeit Bildung, und Freiheit,’ wenn Toleranz und , Gewissensfreiheit bedroht werden, soll die.Loge dafür einstehen. Vj^ährend die Ethik dieser Grundgesetze mit der Sittenlehre aller Religionen übereinstimmt, bildet der absolute Verzicht auf jede dogmatische Bindung das Merkmal, welches die Humanitätsreligion von den anderen’ Religionen unterscheidet. Man kann diesen Grundgedanken so aussprechen: Das Sittengesetz einigt und schafft Bruderliebe. i Das Dogma erzeugt Trennung und Bruderhaß. Die ^Religion auf ethischer Basis, in der alle Menschen übereinstimmen, ist nach Freimaurerglauben dazu berufen, die ganze Menschheit zu einem Bruderbünde zu vereinigen.. Aus den gleichen Wurzeln von Nächstenliebe , und Gewissensfreiheit entspringt das Ideal des ewigen Friedens. Der Krieg wird damit erklärt, 'daß die bisherige Menschheit im ganzen dem Tierzustande noch weit näher steht als dem des Gottmenschen. , , Das Staatsideal der Loge .ist die platonische Idee einer Geistesaristokratie. Meister der Lebens- * und Staatskunst sollen .regieren - und leiten, der Vollkommenste die königliche' Kunst des Herrschers ausüben. Demokratie, als Herrschaft der vom niedrigen Triebleben geleiteten Volksmasse, wird abgelehnL Nachdem i wir das Freimanrerideal erkannt haben als Arbeit an der Vervollkommnung des Menschen, der Menschheit und der Schöpfung, * ferner als Einigung aller Menschenr zu einem Bruderbund durch das Band einer gemeinsamen Sittenlehre und Schaffung idealer Formen von' Staat und Gesellschaft, kommen, wir zu der Frage: Mit welchen Mitteln erstreben die Frei: maurer die Verwirklichung so hoher Ideale? Die Grundlagen, auf denen die Logenarbeit beruht, sind: Die Verbrüdefung zur gemeinsamen Arbeit und die große Werklehre, die kunstgerechte Erziehung des einzelnen Bruders zum Mitarbeiter am Tempel- * bau, zum Maurer. Hier tritt der Wert der Bausymbolik iüf die Klärung der Idee ins hellste Licht. 25 -